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Eintauchen in die Kokoswelt

Bis zu fünf Reisegruppen kommen pro Woche in die 25-jährige Schauweberei in Olbersdorf. Und es werden immer mehr.

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© Matthias Weber

Von Elke Schmidt

Olbersdorf. Marita Hohlfeld und Brunhilde Riedel aus Dresden müssen zugeben, dass sie überrascht sind. Sie sind zum ersten Mal in der Kokosweberei Olbersdorf zu Gast und erstaunt, was man aus Kokosfasern alles herstellen kann. Ihren Mitreisenden aus der Dresdner Reisegruppe geht es ähnlich, als Chef Mario Hilger ihnen in seiner Schauwerkstatt Anekdoten und Wissenswertes rund um seine Arbeit erzählt. Sie erfahren zum Beispiel, dass die im Handel übliche „Kokosnuss“ eigentlich nur der Kern einer solchen ist und die Nuss selber sehr viel größer ist. Zum Glück, sagt Hilger. Denn zwischen Kern und Schale sitzt die Kokosfaser, die die Grundlage seiner Arbeit ist. Damit arbeitet er in seiner kleinen Manufaktur seit mittlerweile 25 Jahren. Die Kokosweberei feierte im Frühling silbernes Jubiläum, erzählt er stolz. Das sei nicht abzusehen gewesen, als er anfing. „Nicht, wenn man damals die Räume gesehen hätte“, sagt er. Zum Geburtstag habe er dennoch nur eine kleine Party für Freunde und Bekannte gegeben.

Umso mehr hat sich gefreut, als auch der Olbersdorfer Bürgermeister Andreas Förster (FDP) und Matthias Schwarzbach von der IHK kamen und gratulierten. Das sei eine Würdigung seiner Arbeit, die er sehr zu schätzen wisse, sagt er. Denn es sei nicht immer einfach gewesen, die Manufaktur am Laufen zu halten. Für ein so spezielles Produkt müsse man sich einiges einfallen lassen. Ihm kommt zugute, dass er sehr flexibel auf Kundenwünsche eingehen kann. Obwohl er hauptsächlich Kokosmatten und -läufer herstellt, seien diese doch keine 0815-Ware. Er und seine Mitarbeiterinnen stellen sie in fast jeder gewünschten Form her. Zum Beispiel rüsten sie Oldtimer mit passgerechten Fußmatten aus. Sehr beliebt sind auch Matten mit individuellen Motiven. Da sei bis auf detailgetreue Porträts fast alles möglich. Sehr beliebt bei den Leuten seien ebenso Taschen für Weinflaschen. Und er habe auch schon für einen Kunden aus Bayern meterweise Kokosseil hergestellt. Das sei so viel geworden, dass er kaum noch mit der Fertigung hinterher kam. Neugierig geworden, fragte er schließlich nach, wofür die Leute das Seil verwenden. Es stellte sich heraus, dass umweltbewusste Hausbauer damit die Scheuerleiste ersetzen. Solche Geschichten erzählt Mario Hilger, wenn Reisegruppen in der Schauwerkstatt zu Gast sind. Dabei geht es aber nicht nur um die Manufaktur. Auch die Dorfgeschichte ist ein Thema. Zum Beispiel die vom Goldbach, der früher Gebirgsbach geheißen habe. 18 Wassermühlen standen einst an ihm, und weil der Bach den Anwohnern einen gewissen Wohlstand bescherte, wurde der kurzerhand umgetauft. Dazu gibt es Veranstaltungstipps für die Umgebung.

Marita Hohlfeld und Brunhilde Riedel gefällt das. Die Führung war abwechslungsreich und lustig, finden sie. Auch ihre Mitreisenden sind zufrieden. Sie haben viel gelacht und einiges Neues erfahren. Die Reisegruppe aus Dresden ist auf einem Tagesausflug ins Zittauer Gebirge und hat unter anderem in der Kokosweberei haltgemacht. Solche Ausflüge in den Naturpark werden immer beliebter, sagt Reiseleiter Günther Michna. Er hat die Fahrt zusammengestellt und kommt gerne hierher, denn Mario Hilger könne die Leute begeistern. Mit dieser Meinung ist der Reiseleiter offenbar nicht allein. Er könne immer mehr Besucher in seiner Schauwerkstatt begrüßen, sagt Hilger. Bis zu fünf Reisegruppen in der Woche finden den Weg ins kleine Olbersdorf. Auch darauf ist der Manufakturchef durchaus stolz. Dass sein Angebot jedoch einmal derart beliebt sein würde, hätte er nie erwartet, als sie 2006 damit anfingen. Die Idee stammt ursprünglich von seiner Mutter, erzählt er. Früher waren sie bei Wind und Wetter auf den Wochenmärkten der Region unterwegs. Eines Tages sagte seine Mutter halb im Scherz, dass es doch viel schöner wäre, wenn die Leute zu ihnen kommen würden. Zunächst habe er noch darüber gelacht. Doch nach einigem Nachdenken fand er Gefallen an diesem Gedanken. Schließlich richteten sie Stück für Stück die Schauwerkstatt ein. Inzwischen kommen die Reisebusse längst nicht mehr nur aus Sachsen, sondern zum Beispiel bis aus Berlin, Hamburg oder Thüringen. Davon würde nicht nur er profitieren, sagt Hilger. Er versteht das auch immer als Werbung für die Region. Die Leute kämen ja nicht nur zu ihm, sondern sehen sich auch andere Attraktionen an, gehen mittags in die Gaststätten und übernachten manchmal hier. Und manche machen später einen Urlaub im Gebirge, weil es ihnen hier so gut gefallen hat. Er weiß das, weil ihn ab und zu Besucher anrufen und nach Unterkünften und Ausflugsmöglichkeiten fragen. Reservierungen für die Schauwerkstatt stehen schon bis Mai 2017 in seinem Kalender.