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Eintauchen in Simmels DDR-Welt

Ein exklusiver Einblick in die Ausstellung am Albertplatz: Sie öffnet am Sonntag. Vorher gab es viel Kritik. Berechtigt?

© Sven Ellger

Von Sarah Grundmann

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Dresden. Vorbei an Wartburg, Trabi und Co. beginnt die Reise durch die Geschichte der DDR. In mehreren Rundgängen werden die Besucher durch das neue DDR-Museum im Simmel-Center am Albertplatz geführt und in die Alltagswelt der deutsch-deutschen Teilung eintauchen. Die Sächsische Zeitung hat schon vor der Eröffnung am Sonntag einen Blick hinein geworfen:

Am Sonntag wird die neue Ausstellung eröffnet. Viele der Radebeuler Exponate wie Trabi und Co. haben bereits ihren Platz in den neuen Räumen im Simmel-Center gefunden. © Sven Ellger

Erster Blick ins DDR-Museum

Die rund 60 000 Exponate sind nicht nur thematisch geordnet – hier ein Regal mit Musikinstrumenten, dort eine Ecke, in der Campingutensilien wie der Trabi mit Dachzelt aufgebaut sind. In der neuen Ausstellungsfläche wurden sogar zahlreiche Räume im Raum aufgebaut. . Mit viel Liebe zum Detail wurden Friseursalon, Klassenzimmer, Wohnstube und Co. in die Dresdner Neustadt gebracht. Darin gibt es so viel zu entdecken, dass man wohl Stunden in dem Museum zubringen könnte und trotzdem immer wieder etwas Neues entdecken würde. Die geschichtlichen Infos zur DDR liefern große schwarz-weiße Foto-Wände hinter den Exponaten, die chronologisch und mit einem knappen Text die wichtigsten Ereignisse schildern – von der Gründung bis zum Mauerfall.

„Wir haben versucht, die Anordnung wie in Radebeul zu machen“, sagt Gabi Reißig. Sie ist Simmel-Mitarbeiterin und koordiniert den Umzug. „Ein Radebeul in Dresden wollten wir aber trotzdem nicht sein.“ Auch deswegen fiel die Entscheidung zur Umbenennung in Die Welt der DDR. Tradition bewahren und trotzdem etwas Neues wagen – keine leichte Aufgabe. Geholfen hat dabei der Museumsgestalter Werner Stein, der die Ausstellung konzipiert hat. Ein Radebeul in Dresden kann die Ausstellung aber allein deshalb nicht sein, weil sie erheblich eingedampft wurde. Denn obwohl Simmel zwei Durchbrüche vom Neubau ins einstige DVB-Hochhaus machen ließ, steht am Albertplatz nur eine Etage für die Exponate zur Verfügung. Mit gerade einmal 1 500 Quadratmetern ist die Museumsfläche weniger als halb so groß wie die Räume in Radebeul.

Viel Kritik vom Ex-Museumsleiter

Deswegen hagelte es gerade vom einstigen Museumsleiter Hans Joachim Stephan viel Kritik, als Simmel den Kauf ankündigte: Der Investor würde die Ausstellung zu einer kleinen Show neben seinem Einkaufsmarkt zusammendampfen, kritisierte er. Stephan forderte die Leihgeber in Briefen sogar auf, ihre Exponate würden ohnehin verkauft oder sogar in den Müll geschmissen werden. Zu klein, zu ungeordnet werde das neue Museum sein. Andere feierten Simmel als Retter des DDR-Museums, weil er die gesamte Ausstellung kaufte, als im vergangenen Jahr Insolvenz angemeldet wurde.

„Wir mussten kräftig aussortieren“, räumt Reißig ein. Weggeschmissen oder verkauft habe man die aussortierten Exponate allerdings nicht. Sie werden zunächst in zwei Depots gelagert. „Hauptsächlich haben wir uns von dem verabschiedet, was doppelt ist“, sagt die Umzugskoordinatorin. „Außerdem haben wir nur das in die Ausstellung aufgenommen, was wirklich typisch für die DDR ist. In Radebeul wurde einiges einfach dazugestellt.“ Daneben gibt es auch Neues, wie eine Apotheke.

Tatsächlich scheint beim ersten Rundgang durch das Simmel-Center nichts zu fehlen – im Gegenteil. Ein ganzes Regal ist allein mit den verschiedensten Radio-Exemplaren gefüllt. An manchen Stellen wirkt die Ausstellung am Albertplatz so vollgestellt, dass der Eindruck entstehen könnte, es habe in der DDR doch nicht so wenig gegeben. Am Donnerstagvormittag wird noch gehämmert, geschraubt, geschoben und geräumt. Denn nur vier Wochen hatte das Team Zeit, um mit dem gesamten Museum umzuziehen und jedes einzelne Exponat an die richtige Stelle zu rücken. Bei den zahlreichen Details gibt es immer wieder Neues zu entdecken. Wer sich nicht alleine auf die Suche begeben will, kann eine rund einstündige Führung mit Historikern buchen, die mit einer kleinen Geschichtsstunde im DDR-Klassenzimmer beginnt. Für die Besucher des Eröffnungstages werden diese kostenlos angeboten.

Saftige Eintrittspreise

Doch ein Schnäppchen ist das Eintauchen in die DDR-Welt nicht. Zwar wurden die Radebeuler Preise nicht erhöht. Doch auch die waren mit neun Euro nicht gerade günstig. Zum Vergleich: In Berlin kostet der Eintritt ins DDR-Museum zwar 9,50 Euro. Dafür können die Besucher dort aber auch selbst aktiv werden. In Pirna werden hingegen nur sieben Euro fällig, in Leipzig sind es sogar nur 6,50 Euro. Dafür können die Besucher am Albertplatz aber wirklich hautnah in die Welt der DDR eintauchen und in der einen oder anderen Erinnerung schwelgen. Trotzdem will Simmel rund 100 000 Besucher jährlich in die Ausstellung holen. Bleibt abzuwarten, ob ihm das gelingt und er tatsächlich zum Retter des DDR-Museums wird.

täglich 10 bis 19 Uhr, 9 Euro für Erwachsene, ermäßigt 7 Euro, Kinder unter sechs Jahren haben freien Eintritt.

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