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Einzug der Regenbogenforelle

Der Berzdorfer See ist nun für Angler freigegeben. Aber überall dürfen sie nicht ihre Rute auswerfen.

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© nikolaischmidt.de

Von Susanne Sodan

Görlitz. Bloß weg hier. Wenn Veiko Schmidt und Hans-Rainer Ullrich einen Eimer voller Regenbogenforellen ausschütten, schwimmen diese in Höchstgeschwindigkeit davon. Dahin, wo das Wasser tiefer und kühler ist. „Eine herrliche Zeichnung“, sagt Ullrich noch – dann sind sie weg. Eine der Forellen bleibt liegen, Bauch nach oben, das Maul öffnet und schließt sich. „Na, die muss noch die Orientierung finden“, konstatiert Hans-Rainer Ullrich, Vorsitzender des Anglerverbandes Görlitz und Schatzmeister vom Anglerverband Elbflorenz in Dresden. Veiko Schmidt von der Angel-Service GmbH greift ins Wasser, dreht die Forelle um, gibt ihr einen Schubs. Tatsächlich schwimmt der kleine Fisch langsam, fast behäbig davon. Ab in die Freiheit. Nächster Eimer. Insgesamt hat Veiko Schmidt am Mittwoch 300 Kilogramm, also über tausend Regenbogenforellen, an den Berzdorfer See gefahren und mit Hans-Rainer Ullrich ins Wasser gesetzt. Wie lange sie dort drinbleiben? Ungewiss. Denn seit Kurzem dürfen Angler am See ihre Ruten auswerfen. Im Mai kam die endgültige Freigabe. Bis dahin hat es viel Vorarbeit gebraucht. Der Pachtvertrag zwischen der Fischereibehörde, der Mitteldeutschen Bergbauverwaltungsgesellschaft (LMBV) und dem Anglerverband Elbflorenz als übergeordnetem Verband ist bereits im Dezember vergangenen Jahres unterzeichnet worden. Bis zum Mai mussten noch die Regeln für die Angler geklärt werden: Wo dürfen sie angeln, wo parken? Und welche Pflichten haben sie? Jetzt ist alles klar.

Nicht geangelt werden darf zum Beispiel an den drei Stränden, also dem Nordstrand, dem Strand Hagenwerder und der Blauen Lagune. „Es passiert einfach, dass ein Angelgerät mal abreißt, erklärt Hans-Rainer Ullrich. „Wir wollen die Badegäste nicht stören und ein Drillingshaken im Fuß ist keine angenehme Sache.“ Auch der Tauchritzer Hafen ist ausgenommen. Nicht, dass sich eine Angelschnur in einer Bootsschraube verheddert. Ohnehin verboten ist Angeln im Naturschutzgebiet an der Westseite des Sees, sowie an allen Zu- und Abflüssen. „Das sind Laichbereiche und Ruhezonen für die Fische“, erklärt Ullrich.

Die Angler haben Schilder angebracht, um die verbotenen Bereiche zu kennzeichnen: ein rotes Viereck, das auf der Spitze steht. An den Grenzstellen zwischen den verbotenen und den freigegebenen Stellen stehen weiß-rote Tafeln. In der weißen Richtung ist das Angeln erlaubt – allerdings nur vom Ufer aus. Denn Fischerboote stehen ebenfalls auf der Verbotsliste. Hintergrund ist eine alte Geschichte: Abgesehen von den Booten der Segler ist der allgemeine Bootsverkehr auf dem Berzdorfer See nicht freigegeben. Nur einer soll eine Ausnahme bekommen: Der Verband will einen Berufsfischer an den See holen. „Im Moment wird noch am Unterpachtvertrag gearbeitet“, erklärt Hans-Rainer Ullrich.

Ansonsten bekommen die Angler keine Sonderrechte: Geparkt wird auf den schon vorhandenen Parkplätzen, der Rundweg ist für Autos gesperrt. Im Gegenteil: Der Pachtvertrag bringt Pflichten mit sich. Zwei bis dreimal im Jahr werden die Angler zum Beispiel zur Uferreinigung ausrücken. Und auch die Aktion mit den Regenbogenforellen am Mittwoch ist keine Ausnahme: Die Angler sind jetzt für die Hege des Berzdorfer Sees zuständig. Sie holen nicht nur Fische aus dem See, sondern setzen auch viele hinein. „Es gibt ja ausreichend negative Klischees über Angler. Tatsächlich sorgen wir aber auch dafür, dass der Fischbesatz im See artenreich und ausgeglichen ist.“

Einfach den Klappstuhl aufstellen und die Rute auswerfen, ist also nicht möglich. Zum einen brauchen die Angler einen Fischereischein, müssen im Anglerverband Mitglied sein oder einen Berechtigungsschein gekauft haben. Zum anderen müssen sie ein Fangbuch führen. „Dort wird jeder Fang vermerkt. Die Fischart, seine Größe, sein Gewicht“, erklärt Ullrich. Diese Angaben braucht der Anglerverband, um auf Entwicklungen im See zu reagieren. Aus Angelproben und von anderen Mitgliedern des Anglerbandes weiß Ullrich bereits, welche Fischarten schon im Berzdorfer See leben: Hechte, die Kleine und die Große Maräne, Barsche, Zander, Forellen.

Um das Gleichgewicht der Tiere im See aufrecht zu halten, gibt es einen Hegeplan: Zum Beispiel dürfen die Angler pro Tag höchstens einen Zander oder einen Hecht aus dem Wasser holen. Fische wie Zwergwels, Störhybrid oder Sonnenbarsch können immer geangelt werden, falls sie auftauchen. „Die wären hier eher Störenfriede, die andere heimische Arten verdrängen können.“ Im Gegenzug haben die Angler im April bereits 600 Hechte, 600 000 Brütlinge der Großen Maräne und 1,6 Millionen der Kleinen Maräne gesetzt, um eine Basis für die weitere Entwicklung zu schaffen. 13 000 bis 15 000 Euro Mitgliederbeiträge waren es bis jetzt, die in Höchstgeschwindigkeit im See verschwunden sind, schätzt er. Wie viel die Pacht kostet, will er aber nicht sagen.