Teilen:

Eis auf der Elbe

© Claudia Hübschmann

Die anhaltende Kälte verursacht ein seltenes Phänomen, das zur Gefahr für die Schifffahrt werden könnte.

Von Dominique Bielmeier

Meißen. Karsten Wild muss lachen. Zugefroren? Die Elbe? Nein, so weit ist es noch nicht, auch wenn die Temperaturen seit Tagen in der Nacht in den zweistelligen Minusbereich rutschen. Trotzdem kann der stellvertretende Leiter des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes in Dresden von einer Besonderheit in diesen frostigen Tagen berichten: Auf der Elbe gibt es vereinzelt Eisschollen, ein Seitenarm hinter der Gauernitzer Elbinsel – stehendes Gewässer – ist tatsächlich zugefroren. Und: „Aufgrund der Temperaturen wird das bis morgen sicher noch zunehmen“, sagt Wild am Dienstag im Gespräch mit der SZ voraus.

Die Schifffahrt auf der Elbe ist trotzdem nicht beeinträchtigt, noch nicht. Auch die Elbfähren zwischen Coswig-Kötitz und Gauernitz sowie Diesbar-Seußlitz und Niederlommatzsch fahren planmäßig, wie Herms Gruber sagt. Bei der Verkehrsgesellschaft Meißen ist er für die Fähren zuständig. Diese bekämen erst Probleme, wenn Eisschollen von etwa zwei Metern Durchmesser und fünf Zentimetern Stärke auf der Elbe trieben, zum Beispiel von Pirna oder Bad Schandau kommend. „Da würde es kritisch für uns.“ Im Moment falle das Wasser im Fluss geringfügig, das Eis an den Rändern könnte abbrechen. Auch wenn schon am Wochenende wärmere Temperaturen vorausgesagt sind: „Die nächsten zwei Tage soll es ja noch einmal knackig kalt werden“, so Gruber am Dienstag.

Kältester Februar seit 2013

Auch bei der Sächsischen Dampfschifffahrt schielt man schon nach dem Wochenende. Nicht nur, weil es dann wieder milder wird, sondern weil mit dem März auch die neue Saison beginnt. „Wir beobachten das natürlich“, sagt Marketingleiter Robert Rausch, „aber zum jetzigen Zeitpunkt gibt es keinen Grund zur Besorgnis“.

Der Februar verabschiedet sich mit einer eiskalten Umarmung: Minus 15 Grad meldet Wetter.de am frühen Dienstagmorgen für Meißen, im Laufe des Tages steigt die Temperatur auf bis zu minus vier Grad, gefühlt minus zehn Grad. „Der diesjährige meteorologische Winter endet mit der stärksten Kältewelle des Winters überhaupt“, beginnt ein Text des Diplom-Meteorologen Markus Übel für den Deutschen Wetterdienst vom Dienstag. „Nachdem der bisherige Winter 2017/18 relativ mild ausfiel, endet er aktuell mit einem bemerkenswerten Finale“, schreibt Übel weiter. Nachts könnten gebietsweise strenge Fröste unter -15 Grad Schäden in der Landschaft verursachen, besonders in Regionen ohne Schneedecke.

Ein Vergleich mit den historischen Wetterdaten auf Wetterzentrale.de ist aufschlussreich (siehe Tabelle): Schaut man sich die Tagesmitteltemperaturen für den 27. Februar der vergangenen zwölf Jahre in Nossen an, sieht man, dass es nur im Jahr 2006 ähnlich kalt war. Das Mittel lag damals bei minus 4,2 Grad. Besonders warm war der 27. Februar im vergangenen Jahr, hier lag das Mittel bei zehn Grad.

Auch wenn wir gerade frieren, war der Winter insgesamt eher mild. Der Deutsche Wetterdienst meldet aktuell: „Im Winter 2017/18 lag die Durchschnittstemperatur in Deutschland mit 1,6 Grad Celsius um 1,4 Grad über dem international gültigen Referenzwert der Periode 1961 bis 1990.“ Nach Bayern war Sachsen das kälteste Bundesland und eines der vier trockensten. Und die Eiseskälte hatte einen erfreulichen Aspekt für den Freistaat: Nur in Berlin und Brandenburg gab es mehr Sonnenstunden.