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Eisenbahn-Motive sollen Jakobstunnel verschönern

Statt Schmierereien könnte es an den Wänden in Görlitz bald bunte Bilder geben. Die Technik ist schon geklärt, doch eines fehlt noch.

© Incaming Media GmbH

Von Ingo Kramer

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Görlitz. In den Köpfen der Südstadt-Bürgerräte ist der ständig beschmierte Jakobstunnel schon richtig schön. „Auf jeder Tunnelseite soll es eine 30 Meter lange Spezialplane geben“, erläuterte Juliane Brandt kürzlich in der öffentlichen Sitzung des Bürgerrates. Auf der einen Tunnelseite soll die Historie des Görlitzer Bahnhofs zu sehen sein, auf der anderen Seite die Geschichte des Waggonbaus. Anlass ist die noch bis September laufende Ausstellung „Achtung Zug“ im Schlesischen Museum. Die Tunnelwände sollen auf die Schau hinweisen. Die Gestaltung erfolgt in Abstimmung mit Martin Kügler vom Schlesischen Museum.

Der bestätigt auf SZ-Nachfrage, dass es bereits im Herbst erste Gespräche zu dem Thema mit der Incaming Media GmbH aus der Südstadt gegeben habe: „Wir sind sehr gern bereit, das Ganze mit Bildmaterial zu unterstützen“, so Kügler. Der Jakobstunnel könne nur schöner werden. Finanziell könne sich sein Museum freilich nicht beteiligen. Allerdings habe er seit Herbst nichts mehr von Incaming Media gehört.

Andreas Ch. de Morales Roque von der Incaming Media GmbH will sich um die Gestaltung kümmern: „Auf jeder Seite soll es ein 30 Meter langes und 1,50 Meter hohes Spezialtuch geben“, sagt er. Die Tücher seien aus sehr robustem Material. Jedes biete Platz für zehn breite Ausstellungsflächen und dazwischen neun schmalere Info-Flächen, auf denen zum Beispiel Hotels werben könnten. Das Ganze solle für ein Jahr im Tunnel bleiben. 2019 könnten die Themen Bahnhof und Waggonbau durch etwas Neues abgelöst werden, damit es nicht langweilig wird, sagt de Morales Roque: „Nächstes Jahr haben wir zum Beispiel das Jubiläum 150 Jahre Landskron-Brauerei.“

Die Tücher setzen nicht am Boden ein, sondern erst in einer Höhe von 1,40 Metern: „Darunter könnten Platten angebracht werden, die mit einem Anti-Graffiti-Schutz versehen sind.“ Über den Tüchern wiederum würde er gern LED-Lampen anbringen, die die jetzige Tunnelbeleuchtung komplett ersetzen sollen und den Tunnel viel heller ausleuchten würden: „Das würde auch die Sicherheit erhöhen.“

Allerdings sei das auch eine finanzielle Frage: Das Ganze kostet etwa 20000 Euro, die Hälfte davon für die LED-Beleuchtung. De Morales Roque wünscht sich, dass die Stadt die Kosten für die Beleuchtung übernimmt: „Sie spart dadurch die Betriebskosten für die jetzigen Lampen ein.“ Die anderen 10000 Euro würde die Incaming Media GmbH vorschießen – und später versuchen, durch die Werbung auf den Info-Flächen das Geld wieder einzuspielen. Allerdings liegt das ganze Thema bei der Firma derzeit auf Eis: Sämtliche Vorarbeit sei geleistet, alle technischen Fragen geklärt. „Bevor wir weitermachen, muss der Bürgerrat erst einmal alle Genehmigungen bei der Stadt und natürlich bei der Bahn einholen und außerdem klären, ob die Stadt die Kosten für die Beleuchtung übernimmt.“

Daniel Breutmann vom Bürgerrat bestätigt, dass die Genehmigungen die nächste Aufgabe sind: „Wir wollen jetzt mit der Bahn dazu ins Gespräch kommen.“ Offiziell haben diese Gespräche noch nicht begonnen. Aber zumindest habe die Stadt ihre Hilfe dabei angeboten. Das könnte nötig sein, denn in der Vergangenheit war die Bahn nicht für jede Idee offen. Eine Gestaltung des Tunnels mit hochwertigen Graffiti von lokalen Görlitzer Künstlern hatte sie deutlich abgelehnt, weil sie die Brücke regelmäßig auf Risse prüfen muss, und zwar mit speziellen Rissprüfmitteln. Graffiti-Farben gehen aber chemische Verbindungen mit diesen Mitteln ein und sind deshalb tabu. Daraufhin war die Idee mit den Tüchern überhaupt erst entstanden. Laut de Morales Roque ist diese schnell umsetzbar: „Wenn alle Genehmigungen vorliegen und geklärt ist, ob die Stadt die Beleuchtungskosten trägt, ist die Ausführung nur noch eine Sache von wenigen Wochen.“