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Eiseskälte macht Tieren zu schaffen

Zitternde Zicklein und beheizte Papageien: Die Tierparks lassen sich einiges einfallen, um ihre Bewohner jetzt zu schützen.

© Claudia Hübschmann

Von Dominique Bielmeier

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Meißen/Riesa. Die Ziege hat Stubenarrest. Nicht, weil sie besonders bockig gewesen wäre, sondern um das hochträchtige Tier aus dem Tierpark Siebeneichen vor der Kälte zu schützen. „Denn wenn die Zicklein bei minus zwölf Grad kommen, wäre das gefährlich“, sagt Chef Heiko Drechsler.

Die momentane Eiseskälte macht den Tieren in den Zoos und Parks zu schaffen, aber mehr noch ihren Pflegern. Denn während Aras und Kakadus im elektrisch beheizten Innenstall sitzen und ihre ähnlich exotischen Verwandten sogar nach Dresden ins warme Vogelhaus gezogen sind, während Ziegen, Schafe und Kaninchen längst dickes Winterfell tragen, muss Heiko Drechsler mehrmals täglich mit der Gießkanne durch den eisigen Tierpark rennen. „Nach zehn, 15 Minuten ist das Wasser schon wieder gefroren“, berichtet er. Einziger Trost: Wenigstens liegt kein Schnee. Vor ein paar Jahren hat dieser Netze und Volierendächer zerstört.

Im Riesaer Tierpark sieht es ähnlich aus. „Die Kälte macht den Tieren eigentlich keine Probleme, denn wir haben hauptsächlich europäische Arten“, sagt Leiter Gerhard Herrmann. Die Enten und Schwäne aber wurden vom Teich genommen, weil dieser nicht mehr eisfrei zu halten war. Futter und Wasser gibt es mehrmals täglich in kleineren Portionen.

Im Tierpark Hebelei füllt Sven Näther die Näpfe sogar mit heißem Wasser, damit sie nicht so schnell einfrieren. Für die Nutrias aus Südamerika gibt es extra Stroh, in das sie sich kuscheln können, manche Tiere haben Rotlichtlampen oder Heizlüfter, die warme Luft in ihre Behausung blasen, wenn die Temperatur unter einen bestimmten Punkt fällt. Näther sieht eher den extremen Wetterumschwung problematisch: „Vor ein paar Tagen waren die Tiere schon richtig in Frühjahrsstimmung.“ Sorgen machen ihm am ehesten die wilden Störche, die schon zurück sind. Sie könnten jetzt Hunger leiden.

Ornithologe Bernd Katzer weiß, welche wilden Vögel es wegen Nahrungsmangels gerade schwer haben. „Die wassergebundenen Arten sind jetzt schlecht dran, weil alles zugefroren ist.“ Die „typischen Wintergäste“ fehlen laut Katzer in diesem Jahr – Seidenschwänze, Gimpel oder Erlenzeisige. Wer seine Nahrung wie der Gänsesäger und Kormoran in der fischreichen Elbe findet, hat Glück. Mancher Vogel fliegt bei diesen Temperaturen aber einfach nicht gerne. Ganz anders die Ringeltaube, die sogar bei fünf Grad minus anfängt zu balzen. Katzer gibt einen Tipp, wie man den Vögeln helfen kann: Haferflocken oder Weißbrotkrümel füttern. Bloß kein Schwarzbrot!