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Eiskalt erwischt

Die Elbtal Tiefkühlkost Lommatzsch hat weiter ausgebaut. Erstmals wurde jetzt auch nach Amerika exportiert.

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© Claudia Hübschmann

Von Jürgen Müller

Lommatzsch. Es ist fast wie am Nordpol, minus 35 Grad Celsius und ein zugiger Wind. Doch wir sind nicht am Nordpol, sondern mitten in Sachsen, in Lommatzsch. Hier in der Kältekammer bei Elbtal Tiefkühlkost Lommatzsch werden die Karotten, die gerade noch auf 95 Grad Celsius erhitzt und blanchiert wurden, schockgefrostet. Im Lommatzscher Traditionsunternehmen herrscht jetzt in der Erntezeit Hochbetrieb. In dieser Zeit läuft die Produktion dreischichtig.

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Blick in die Mischraumanlage. Hier wird die Produktion elektronisch überwacht. Auch in die Schaltanlagen wurde in diesem Jahr kräftig investiert.
Blick in die Mischraumanlage. Hier wird die Produktion elektronisch überwacht. Auch in die Schaltanlagen wurde in diesem Jahr kräftig investiert. © Claudia Hübschmann
Karotten sind neben Erbsen das wichtigste Produkt bei Elbtal. 12500 Tonnen werden im Jahr verarbeitet. Neuerdings liefert die Firma auch in die USA.
Karotten sind neben Erbsen das wichtigste Produkt bei Elbtal. 12500 Tonnen werden im Jahr verarbeitet. Neuerdings liefert die Firma auch in die USA. © Claudia Hübschmann
Hier ist es richtig kalt. Bei minus 35 Grad Celsius wird das Gemüse schockgefrostet und dann für die Supermärkte abgepackt.
Hier ist es richtig kalt. Bei minus 35 Grad Celsius wird das Gemüse schockgefrostet und dann für die Supermärkte abgepackt. © Claudia Hübschmann

12 500 Tonnen Karotten werden bis zum Ende der Saison über die Lommatzscher Bänder laufen, gereinigt, gestückelt, tiefgefroren und portioniert. Dabei gehen auch die Karotten durch die nagelneue Frosteranlage. 2,5 Millionen Euro hat Elbtal allein für diese Anlage investiert. „Nach der Wende wurde ja hier in Lommatzsch viel investiert. Nach und nach verschleißen diese Anlagen jetzt, müssen ersetzt werden“, sagt Dr. Axel Böhme, der seit zwei Jahren Betriebsleiter in Lommatzsch ist. Das Geschäft läuft gut, auch wenn beim wichtigsten Produkt, den Erbsen, nicht der erwartete Ertrag erreicht wurde. Die Ernte fiel zwar gut aus, aber eben schlechter als gedacht. „Grund sind die Fröste im März. Das ist die Zeit, in der die Erbsen keimen. Dazu brauchen sie aber Wärme“, sagt Anbauberaterin Susann Lieber. Zudem habe man Probleme mit Blattläusen gehabt. Insgesamt gingen rund 10 000 Tonnen Erbsen über die Bänder, rund 1 000 weniger als geplant. „Wir hoffen, dass wir das durch die Bohnen wenigstens teilweise wieder ausgleichen können“, so der 52-jährige Landwirt und Agraringenieur Böhme. Der Ernte verlaufe jedenfalls vielversprechend.

Der Betrieb verarbeitet das Gemüse nicht nur, sondern erntet es auch selbst. Allein für die Erbsen besitzt Elbtal sieben hochmoderne Erntemaschinen. Auch der Spinat wird selbst geerntet auf Feldern von einheimischen Landwirten. Elbtal stellt ebenso das Saatgut. Vertragsanbau nennt man so etwas.

Manches Gemüse wie Süßkartoffeln wird zugekauft, Karotten kommen auch aus dem Brandenburgischen. „Die Erbsen sind aber zu 100 Prozent von den Feldern der Lommatzscher Pflege“, versichert Axel Böhme. Mit im Jahresdurchschnitt 160 Mitarbeitern, davon einige Saisonkräfte, ist die Elbtal Tiefkühlkost mittlerweile der größte Arbeitgeber in der Stadt. Dennoch gibt es Probleme, beispielsweise, ausreichend Saisonarbeitskräfte zu finden. Die Saison geht bei Elbtal allerdings bis in den November. Der Rosenkohl und Weißkohl werden so lange geerntet.

Wenigstens die Lehrstellen, zwei als Mechatroniker, eine in der Verwaltung, konnten in diesem Jahr besetzt werden. Die Auszubildenden haben nach erfolgreichem Abschluss ihrer Lehre gute Chancen, übernommen zu werden. „Ein Großteil der Stammbelegschaft wird in den kommenden Jahren in Rente gehen. Wir sind mittendrin, uns zu verjüngen“, so der Betriebsleiter. Verjüngt wird auch die Technik. Insgesamt 4,5 Millionen Euro hat der Betrieb allein in diesem Jahr in neue Anlagen gesteckt, auch wenn man das meiste davon – wie Schaltschränke – nicht sieht. Erhöht wurde auch die Frostkapazität. Allein bis zu 14 000 Tonnen Erbsen können jetzt gelagert werden. Auch über eine Erweiterung der Abpacklinie wird nachgedacht, sagt Axel Böhme.

In erster Linie produziert die Firma ihre eigenen Gemüse und Gemüsemischungen, die unter unterschiedlichen Bezeichnungen – wie etwa Frosta – in den Handel gelangen. Ein Teil der Ware geht ins Schwesterunternehmen nach Bremerhaven, wird dort in Fertigprodukten verarbeitet. Tiefgekühltes Gemüse aus Lommatzsch geht aber auch nach Italien und Griechenland. Erstmals lieferten die Lommatzscher jetzt auch in die USA. Vor allem von der sehr guten Erbsenernte vom Vorjahr ging ein Großteil über den großen Teich. „Dieses Geschäft wollen wir weiter ausbauen“, so Axel Böhme. Allerdings wohl nicht in diesem Jahr wegen der schlechteren Ernte. Europaweit sei in diesem Jahr das Gemüse knapp. Insbesondere die Benelux-Staaten hätten unter zahlreichen Niederschlägen im Frühjahr und im Frühsommer gelitten. Und so müssten sich die Verbraucher wohl auf leicht höhere Preise einstellen.

In Lommatzsch wird in den kommenden Jahren weiter investiert. „Wir müssen mit den Gegebenheiten zurechtkommen. Würden wir auf der grünen Wiese neu bauen, würden wir sicher vieles anders machen“, sagt Axel Böhme. Seit mehr als neun Jahrzehnten kommt man mit den Gegebenheiten zurecht. Das große Jubiläum wird jetzt schon vorbereitet. Im Jahr 2019 besteht das traditionsreiche Lommatzscher Unternehmen, das einst als Gemüselagerhaus begann und in dem seit den 1970er Jahren Tiefkühlkost produziert wird, 100 Jahre.