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Eiskalte Rettung im Freibad

Die Helfer müssen sich aufeinander verlassen können. Sie lernen auch, sich unter dem Eis zu orientieren.

Von Sylvia Jentzsch

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Roßwein. Die Verlockung ist groß. Temperaturen unter Null Grad, strahlender Sonnenschein und zugefrorene Gewässer. Da kommt schon der eine oder andere auf die Idee, das Eis zu betreten oder auf Schlittschuhen ein paar Runden zu drehen.

„Die Eisflächen sind trügerisch, und die Gefahren werden oft unterschätzt. Umso größer ist dann der Schreck, wenn das Eis bricht und Menschen in Lebensgefahr sind“, so Mandy Ogiermann vom DRK-Kreisverband Döbeln-Hainichen.

Damit die Rettungskräfte auf derartige Situationen gut vorbereitet sind, lädt die Wasserwacht Döbeln des DRK Kreisverbandes Döbeln-Hainichen für Sonntag zum öffentlichen Training ein. „Eingeladen sind auch alle Feuerwehren, denn sie werden meist gerufen, wenn jemand ins Eis eingebrochen ist“, sagt Liane Patzelt, Cheftrainerin der Wasserwacht. Die Wehren aus Gleisberg, Niederstriegis und Roßwein hätten schon ihre Teilnahme zugesagt. Aber auch andere Wehren sind willkommen.

Etwa eine Stunde vor Beginn der Übung werde aus dem gefrorenen Wasser des Freibades Wolfstal ein Dreieck Eis herausgeschnitten. Hier trauen sich dann die Mitglieder der Wasserwacht im Neoprenanzug ins etwa ein bis zwei Grad kalte Wasser, um dann gerettet zu werden beziehungsweise sich selbst zu retten. Dass solche Übungen notwendig sind, zeigte sich erst am Wochenende, als mehrere Leute in den See in Moritzburg einbrachen (DA berichtete).

Es ist auch im Neoprenanzug kalt

Viele Zuschauer denken, dass wir das eiskalte Wasser durch die Anzüge hindurch nicht spüren. Doch da irren sie sich. Wir haben sogenannte Nassanzüge“, sagt Liane Patzelt. Das heißt, zunächst läuft das Wasser rein und wird dann vom Körper erwärmt. „Das ist erst einmal ganz schön frisch“, so die Cheftrainerin. Außerdem würden die Füße, Hände und das Gesicht nicht vom Anzug geschützt. Alle, die bei diesem Training mitmachen, seien freiwillig dabei. Und Liana Patzelt will da mit gutem Beispiel vorangehen.

„Wenn wir ins kalte Wasser gehen, dann bewusst. Denn dabei spielt der Kopf eine große Rolle. Wichtig ist, dass wir ganz normal weiteratmen, wenn wir reingehen“, so Liane Patzelt. Wichtig sei vor allem, dass man sich als Helfer auf diejenigen verlassen kann, die einen an der Leine halten. „Hier ist absoluten Vertrauen gefragt, vor allem dann, wenn man sich unter dem Eis befindet. Der einen hält, ist in diesem Fall der wichtigste Mann“, so Liane Patzelt. Bei der Übung lernen die Akteure auch, sich unter Eis zu orientieren. Es sei nicht einfach, das Einstiegsloch wiederzufinden. Dann dürfe man nicht in Panik geraten, so die Cheftrainerin. Diesmal könnte es das erste Mal sein, dass die Retter etwas unter dem Eis sehen. Bei den Übungen in den vergangenen Jahren lag immer Schnee auf dem Eis.

Am Sonntag kommen ab 14 Uhr verschiedene Rettungsgeräte zum Einsatz. Die Gäste der Rettungsübung erfahren aber auch, welche Möglichkeiten sie nutzen können, wenn sie einem Menschen helfen wollen, der ins Eis eingebrochen ist. „Das sind ganz einfache Gegenstände wie zum Beispiel eine Jacke oder Schal. Die Hand sollte aber nie gereicht werden. Dann bringt sich der Retter selbst in Gefahr“, so Liane Patzelt. Am besten sei, sich auf allen vieren dem Eingebrochenen zu nähern und ihm einen Gegenstand zu reichen.

Eisbaden für Mutige

Für Mutige und Freunde des Eisbadens wird im Anschluss im Flachwasserbereich die Eisfläche geöffnet. Es gibt Umkleidemöglichkeiten. Badesachen und Handtuch sind mitzubringen. Außerdem gibt es für die Zuschauer warme Getränke und Gegrilltes. „Wer einmal im Wolfstal ist, kann auch gleich noch die der Kamelie einen Besuch abstatten“, so Patzelt.

Eisrettung am Sonntag ab 14 Uhr im Freibad Wolftal in Roßwein, danach Eisbaden