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Eiszeit an der Magistrale

Temperaturen unter null machen dem Streckenneubau auch an der Nieskyer Krone zu schaffen. Gebaut wird trotzdem.

© André Schulze

Von Thomas Staudt

Niesky. Im Tiefbau geht an der Niederschlesischen Magistrale aktuell nicht viel. Als das Thermometer in der vergangenen Woche unter Null fällt, muss die Bahn den Tiefbau erneut einstellen. Zum zweiten Mal in diesem Monat. Die Ingenieurbauleistungen werden jedoch weitergeführt. Die Minusgrade machen die Arbeit nicht gerade leichter, erklärt Projektleiter Ulrich Mölke. „Täglich wird neu entschieden, was gemacht wird.“

Der Schwerpunkt liegt derzeit auf den Arbeiten im Stadtgebiet Niesky und im Abschnitt bis Horka. Ausgerechnet am Bahnhof Niesky, wo die vier komplett neuen Gleise künftig hohen Drücken standhalten müssen, ist der Baugrund wesentlich schlechter als gedacht. Aufschüttungen sowie Torf, Kohle und Sand machen den Boden weich. Bis zu fünf Meter musste abgetieft werden, um die erforderliche Festigkeit zu erreichen. Ein Großteil des Aushubs lagert auf dem Gelände am ehemaligen Betonwerk im Ziegeleiweg. Gesiebt und mit neuem Material versetzt, soll möglichst viel davon wieder eingebaut werden.

Ab Mai werden sich der Aufbau der Gleise, der Anschluss an die bereits fertiggestellte Infrastruktur Richtung Westen, die Ausrüstung der gesamten Anlage mit Oberleitungen, Signalen, Telekommunikation, Zugsicherung und Gleisfeldbeleuchtung anschließen. Sogar eine Weichenheizung wird hier eingebaut. Dann soll auch der Personentunnel fertig sein. Ab Dezember wird der Inselbahnsteig am Gleis 2 erreichbar sein. An der ehemaligen Gaststätte Krone reichen die Arbeiten sogar bis in Tiefen von acht Metern. Dort ist die Gründungssohle inzwischen gesetzt. Wenn es das Wetter zulässt, werden dort momentan die ersten Blöcke des Bauwerks, das in Elementbauweise errichtet wird, gebaut.

Einsatz von Helikoptern gestrichen

Niesky ist bei diesem Stand Schnittstelle zwischen den wesentlich weiter gediehenen Abschnitten im Westen (Knappenrode/Hoyerswerda - Niesky) und dem Osten (Horka - polnische Grenze). Richtung Knappenrode konnten die Hauptbauarbeiten bereits im Dezember vergangenen Jahrs abgeschlossen werden. Dort laufen gegenwärtig die Abnahmen. Bei zwei Gleisen und 40 Kilometern Strecke wird das einige Wochen in Anspruch nehmen. Ursprünglich war vorgesehen, die Leitungen mit Hubschraubern an die Strecke zu transportieren. Eine Arbeit von ein paar Tagen, aber spektakulär – und teuer. Weil es schwierig geworden wäre, die entsprechenden Genehmigungen zu bekommen, wurde der Plan wieder verworfen.

Auf dem Abschnitt von Horka bis zur polnischen Grenze ist die Infrastruktur bereits in Betrieb. Rund um Horka wird jedoch noch gebaut – an der Spundwand parallel zur S 21 Richtung Rothenburg, an den Eisenbahnüberführungen Uhsmannsdorfer Straße, Am Tierheim, Am Gleisdreieck und Neugraben sowie an der Straßenüberführung Neugraben und am Kreuzungsbauwerk Horka, das die Magistrale mit der Strecke Cottbus-Görlitz vernetzt. Die Straßenbrücke tritt anstelle des alten Bahnübergangs. Aktuell laufen Arbeiten an den Widerlagern der Brücke. Die alte Fußwegbrücke ist bereits abgebaut. Fertigstellungstermin: August 2018.

Anfang des Monats lag die Bahn in einigen Abschnitten drei bis vier Wochen hinter dem Plan zurück. Deshalb wurde der Bahnübergang in der Muskauer Straße in Niesky nicht wie vorgesehen bereits im Februar gesperrt. Trotz der aktuellen Verzögerung hält Ulrich Mölke daran fest, den Übergang spätestens am Dienstag nach Ostern zu sperren fest. Damit das machbar wird, muss der provisorische Übergang über die Gleise zwischen Autohaus Elitzsch und Penny-Markt fertig sein.

Ruhepause über Ostern

„Über Ostern werden und wollen wir nicht arbeiten“, so Mölke. Das Ende der Umfahrung und die Wiedereröffnung des Bahnübergangs werden sich wohl bis Ende Juni hinausschieben statt bereits Mitte des Monats abgeschlossen zu sein, wie geplant.

„Wir werden die Verzögerungen kompensieren“, sagt Ulrich Mölke. Der Druck, der auf ihm lastet, ist groß. Sein Satz soll wie ein Vorgriff auf die nahe Zukunft klingen, hört sich aber an wie eine Parole, mit der man sich selbst Mut zuspricht. Der ist auch nötig. Denn die Zeitschiene für die neuen Bahnschienen ist schmal bemessen. Im Dezember dieses Jahres wird die gesamte Strecke in Betrieb genommen. Daran ist nicht zu rütteln.

Osterüberraschung