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EKG für Strommasten

Energiekonzerne schicken Drohnen zu den Hochspannungsleitungen. Sie sollen Fehler finden – und sich möglichst nicht verfliegen.

© dpa

Von Rolf Schraa

Endlose Felder mit Sonnenkollektoren, Hochspannungsleitungen oder Rotorblättern von Windanlagen in 100 Metern Höhe – durch die Energiewende sind viele neue Anlagen und Leitungen entstanden, die instand gehalten werden müssen. Die Energiebranche setzt dabei neben der traditionellen und aufwendigen Inspektion mit Klettergurt oder Hubwagen auch auf Prüfungen aus der Luft mit Drohnen – unter anderem, um die stark beanspruchten Netze zur Überprüfung nicht abschalten zu müssen.

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RWE bietet Kontrollflüge bereits als Dienstleistung auch für andere Unternehmen an. „Vom Start weg ein gutes Geschäft“, sagt RWE-Deutschland-Chef Arndt Neuhaus. Auch Eon hat schon eine Drohne angeschafft.

Bei der Energiemesse „Energy & water“, die bis gestern in Essen lief, präsentierte die RWE-Tochter Westnetz zwei orangefarbene Hexacopter mit je sechs Akku-betriebenen Elektromotoren. Die Demonstrationsflüge eines der laut brummenden Flugkörper waren eine Attraktion der Messe – auch wenn die Drohne nur wenige Meter und nicht auf die eigentlich erlaubten 100 Meter Flughöhe aufstieg. Unter dem rund fünf Kilogramm schweren Fluggerät hing eine Spiegelreflexkamera, aber es könnte auch ein Laserscanner oder eine Wärmebildkamera sein.

Coming-Home-Knopf für alle Fälle

„Das ermöglicht dreidimensionale Bilder mit Millimetergenauigkeit“, sagt der Chef der Kasseler Herstellerfirma Aibotix, Jörg Lamprecht. „Sie müssen etwa in die Müll- oder Gipshalde nicht mehr selbst hineinsteigen, sondern nur den Copter steuern.“ Dasselbe gelte für oft winzige Risse oder Materialprobleme an Hochspannungsmasten oder Leitungen, die ohne Reparatur sofort den Wirkungsgrad drückten und aus der Ferne nur schwer zu erkennen seien.

Die Herstellerfirma rechnet angesichts der starken Einsparpotenziale durch Drohnen in der Energiebranche mit deutlich wachsendem Geschäft. Sein Unternehmen mit 45 Beschäftigten werde seinen Umsatz in diesem Jahr auf über fünf Millionen Euro mehr als verdoppeln und erwirtschafte gute schwarze Zahlen, sagt Gründer Lamprecht.

RWE arbeitet seit gut einem Jahr mit Drohnen – neben der Kontrolle von Hochspannungsmasten und Leitungen etwa, um Schweißnähte eines Schaufelradbaggers zu überprüfen, Rotorblätter von Windanlagen zu checken oder defekte Module von Sonnenkollektoren zu erkennen. Module ohne Stromproduktion zeigt die Wärmebildkamera an. „Das ist wie ein EKG für Anlagen“, sagt RWE-Manager Neuhaus.

Bei dem schnellen Wachstum gerade des Fotovoltaikmarktes in den vergangenen Jahren seien Qualitätskontrollen besonders wichtig. Branchenkenner rechnen mit starker Nachfrage, wenn für die massenhaft angeschafften Fotovoltaikanlagen die fünfjährige Gewährleistungsfrist der Hersteller abläuft und viele Eigentümer vorher den technischen Zustand checken wollen.

Westnetz-Drohnen-Pilot Maik Neuser hat für die Flüge mit der Fernbedienung eine ausführliche Schulung bekommen. Natürlich sind Genehmigungen erforderlich, und jeder Flug wird dokumentiert. Einen Drohnenverlust musste Neuser dabei noch nie melden. Abstürze gab es bisher nicht, bei zu starkem Wind bleiben die Drohnen am Boden. Und einfach aus dem Sendebereich wegfliegen können die ferngesteuerten Geräte auch nicht: Für alle Fälle gibt es eine Coming-Home-Funktion (Heimkehr-Funktion). (dpa)