merken
Feuilleton

Eklat an Budapester Theater-Uni

Die ganze Führung der international angesehenen Universität für Theater- und Filmkunst ist zurückgetreten. Verantwortlich dafür ist die Regierung.

Die Universität für Film- und Theaterkunst in Budapest steht vor einem Umbruch.
Die Universität für Film- und Theaterkunst in Budapest steht vor einem Umbruch. © Creative Commons/GLobetrotter19

Budapest. Die gesamte Führung der angesehenen Budapester Universität für Theater- und Filmkunst (SZFE) ist am Montag zurückgetreten. Grund dafür ist die Aufhebung der Autonomie der Hochschuleinrichtung, die am Dienstag in Kraft tritt. Demnach gehen fast alle Leitungsbefugnisse des Rektorats, des Senats und der Dekanate auf ein neues Kuratorium über. Dieses ist ausschließlich mit Personen besetzt, die von der rechtsnationalen Regierung bestellt wurden.

"Nachdem uns jegliche substanzielle Befugnis entzogen wurde und der neue Träger jeglichen Dialog mit uns verweigert, blieb uns nichts anderes übrig", erklärte der amtierende Rektor Laszlo Upor auf einer Pressekonferenz am Sitz der Universität.

Anzeige
Zwei Patienten, ein Beatmungsgerät
Zwei Patienten, ein Beatmungsgerät

Und nun? Mit Covid-19 kam die Thematik der Triage, dem Sichten und Klassifizieren von Patienten, erneut auf. Ein Interview mit Medizinrechtsexperte Prof. Dr. Erik Hahn.

Treibender Motor der Beseitigung der Universitätsautonomie ist der Präsident des Kuratoriums, Attila Vidnyanszky. Er genießt das Vertrauen von Ministerpräsident Viktor Orban und ist zugleich auch Intendant des Nationaltheaters. Darüber hinaus sitzt er in zahlreichen Gremien, die über die Vergabe von staatlichen Geldern und Förderungen im Kulturbereich entscheiden.

Die Regierung begründet die Übernahme der wichtigsten Ausbildungsstätte für Theater- und Filmleute in Ungarn durch die staatliche "Stiftung für Theater- und Filmkunst" und ihr Kuratorium mit der Notwendigkeit eines "Modellwechsels". Kritikern zufolge handelt es sich dabei aber vielmehr um einen weiteren Schritt im Bemühen Orbans, autonome Bereiche der Kultur zu eliminieren und die Hegemonie einer völkisch-klerikalen Staatskultur herzustellen. (dpa)

Mehr zum Thema Feuilleton