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Elberadweg-Reparatur über den Sommer

Eigentlich sollte das Bauprojekt noch vor der Radsaison realisiert werden. Daraus wird aber nichts, weil ein Baubetrieb einen extrem niedrigen Preis angeboten hat.

© Eric Weser

Von Eric Weser

Strehla. Noch kann auf dem Elberadweg in Strehla geradelt und flaniert werden. Den Sommer über werden Spaziergänger, Ausflügler und Touristen aber auf eine andere Route ausweichen müssen. Dann soll der Abschnitt zwischen Kleiner Fähre und der Gaststätte am Nixstein gebaut werden.

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Eigentlich wollte die Stadt das Projekt noch vor der für Strehla so wichtigen Radtourismussaison umsetzen. Planung und Ausschreibungsunterlagen waren auch rechtzeitig fertig. Dann kam etwas dazwischen: Im Wettbewerb um den Bauauftrag bot die Firma Strabag einen niedrigen Preis. Eigentlich ein Grund für gute Laune, weil Geld gespart würde. Allerdings liegt das Angebot knapp 40 Prozent unter den Kosten, die das Planungsbüro vorab geschätzt hatte und die der zweitgünstigste Bieter veranschlagt hat. In absoluten Zahlen geht es um etwa 120 000 Euro Unterschied. Der Preis der Strabag erschien den Verantwortlichen in Strehla unangemessen niedrig, deshalb wollte das Rathaus den zweitgünstigsten Bieter beauftragen.

Dagegen wehrte sich wiederum die Strabag und rief die Vergabekammer an. Die Kammer ist bei der Landesdirektion Sachsen angesiedelt und prüft öffentliche Auftragsvergaben. Im Fall des Elberadweg-Projektes beschloss die Kammer nach Sichtung der relevanten Unterlagen: Es gibt keinen Grund für die Stadt, der Strabag den Auftrag vorzuenthalten. Deshalb sollen Strehlas Stadträte bei ihrem nächsten Treffen am 24. April nun doch den Auftrag an die Strabag vergeben.

Spezial-Asphalt statt Pflaster

Vergabe von Aufträgen

Die Stadt beauftragt ein Fachbüro mit der Vorbereitung eines Projekts.

Das Büro plant und schreibt die Leistung öffentlich aus.

Alle Bieter müssen ihre Angebote bis zu einem fesgelegten Termin abgeben. Danach wertet das Büro diese aus.

Das Verfahren dient dazu, Wettbewerb unter den Bietern auszulösen und so günstige Preise zu erzielen.

Die Stadt muss den wirtschaftlichsten Bieter beauftragen.

Einem anderen Bieter den Zuschlag zu erteilen, ist nur in Ausnahmefällen möglich. (SZ)

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Manchem bereitet das Bauchschmerzen. Stadtrat Erich Knott (Linke) sorgt sich, dass der Baubetrieb nachträglich doch noch Zusatzleistungen und -kosten anmeldet: „Wie sicher sind wir, dass wir keine Nachträge bekommen?“ Hundertprozentig auszuschließen sei das nicht, erklärte Stadtchef Jörg Jeromin (FWG). Der Stadt bleibe durch die Entscheidung der Vergabekammer im Grunde keine Wahl.

Denkbar wäre theoretisch ein Gang vor Gericht. Dafür bleibt aber praktisch keine Zeit. Denn der Elberadweg ist eine der letzten von insgesamt 33 Strehlaer Wiederaufbau-Maßnahmen nach dem 2013er Elbhochwasser. Acht Bauprojekte muss die Stadt noch bis Mitte 2019 umsetzen, diese Frist hat das Land Sachsen den Kommunen gesetzt. Mit der Schluchtenwald-Sanierung und der Sanierung der Straße Am Nixstein hängen aber zwei weitere Vorhaben am Bau des Elberadweges. Deshalb müsse die Stadt jetzt handeln, hieß es vonseiten des Rathauses im Technischen Ausschuss.

Zweieinhalb Monate werde es dauern, die etwa 1,3 Kilometer lange Pflasterstrecke in Ordnung zu bringen, sagt Stadtrat Heiko Zscheile (FWG), der das Projekt mit seinem Ingenieurbüro als Planer für die Stadt betreut. Die relativ holprige Strecke mit den zwei Pflasterspuren soll dabei durch ein Asphaltband ersetzt werden.

Zum Einsatz wird dabei ein besonderes Material kommen, das im Gegensatz zu herkömmlichem Asphalt imstande ist, Wasser durchzulassen. Das soll unter anderem den direkt am Elberadweg stehenden Pappeln zugutekommen. Die wiederum sind Brut- und Schlafplatz für Krähen.

Wie sich der Radwegbau auf Tourismus und Gastrogewerbe in der Stadt auswirkt, muss sich zeigen. Die Umleitung werde so gestaltet, dass kein Restaurant dadurch Nachteile erleidet, heißt es von den Verantwortlichen. Stadtchef Jörg Jeromin kündigte an, er wolle Gespräch mit Tourismusanbietern in der Stadt aufnehmen.