merken

Elektro-Busse lassen auf sich warten

VGM-Chef Rolf Baum warnt die Politik vor Schnellschüssen. Erst müssten Grundlagen geschaffen werden.

© Claudia Hübschmann

Von Peter Anderson (mit dpa)

Anzeige
Symbolbild Anzeige

Der Garten ruft

Bei LandMAXX-Baumärkten und Bauzentren gibt es viele tolle Sonderangebote rund um das Thema Garten. Hier sind Sie rundum versorgt - in 11 Filialen direkt in Ihrer Nähe.

Meißen. Große Veränderungen beginnen oft mit kleinen Schritten. Auf dem Meißner Betriebshof der Verkehrsgesellschaft Meißen (VGM) steht an diesem Vormittag ein Renault Zoe R 90. Das Elektro-Auto ist Marktführer 2017 in Deutschland. Auch dieses Jahr dürfte es so bleiben, selbst wenn andere Hersteller mit neuen Modellen auf den Markt drängen.

Am Steuer des Mittelklassewagens hat VGM-Geschäftsführer Rolf Baum Platz genommen. Seine Gesellschaft wickelt einen Großteil des öffentlichen Busverkehrs im Landkreis ab. Knapp zehn Millionen Kilometer sind vergangenes Jahr auf den Straßen der Region zusammengekommen. „Die Leute fragen uns natürlich, weshalb wir mit einem Elektro-Pkw durch die Gegend fahren und nicht mit E-Bussen“, sagt er. Der Grund dafür sei einfach. Es gibt bislang keine serienreifen Modelle – weder als Solo-Fahrzeuge, noch mit Gelenk. In mehreren Pilotprojekten werden verschiedene Varianten erprobt.

Autobauer Daimler schätzt, dass bis zum Jahr 2030 etwa drei Viertel aller Stadtbusse in Europa über einen alternativen Antrieb verfügen. Der Stuttgarter Konzern will in einigen Monaten die erste vollelektrische Version des Stadtbusses Citaro im Kundeneinsatz testen. Kooperationspartner sind die Verkehrsbetriebe Rhein-Neckar. Zum Jahresende soll der elektrische Citaro in Serie gehen. Die Firma „Daimler Buses beginnt nun ganz konkret das Zeitalter der Elektro-Mobilität“, so der Chef der Bussparte Hartmut Schick.

Grüner Strom zum Auftanken fehlt

Selbst, wenn es den Herstellern gelingen sollte, in vergleichsweise kurzer Zeit bezahlbare E-Busse auf den Markt zu bringen, sieht VGM-Chef Rolf Baum mindestens drei weitere bislang ungelöste Probleme. Aus eigenen Mitteln kann sein Unternehmen einen weitreichenden Umbau der Flotte nicht stemmen. Fördermittel für den Kauf neuer Modelle fließen in Sachsen wiederum nur, wenn der Fuhrpark durchschnittlich über acht Jahre alt ist. Erst Ende vergangenen Jahres konnte die Meißner Busgesellschaft auf Basis dieser Vorgabe 30 neuen Busse für insgesamt 6,5 Millionen Euro in den Dienst nehmen. Sollten bald in einer Hauruck-Aktion Verbrenner gegen E-Fahrzeuge ausgetauscht werden, müsste aus dem Fördermittelregen eine wahre Fördermittelflut werden.

Punkt zwei ist das weiterhin dünne Netz an Stromtankstellen im Kreis. Baum zieht hier einen Vergleich zur Pionierzeit des Automobilbaus. Als Bertha Benz Ende des 19. Jahrhunderts mit dem ersten Kraftwagen der Welt von Mannheim nach Pforzheim fuhr, tankte sie an einer Apotheke. Diese gilt heute als erste Tankstelle.

Als größere Herausforderung betrachtet der Geschäftsführer die Folgen für die Energiebilanz bei einem überstürzten Umbau der Flotte. Letztlich müssten die Kraftwerke ihre Leistung erhöhen, um den nötigen Strom zum Aufladen zu liefern. Offen bleibt die Frage, ob das bisherige Stromnetz diese Lasten tragen kann.

Vor dem Hintergrund dieser Schwierigkeiten warnt der VGM-Chef vor voreiligen Schritten. „Es macht keinen Sinn, große Ziele herauszuposaunen, für die es keine technische Basis gibt“, sagt er. E-Fahrzeuge sollten zunächst für Aufgaben eingesetzt werden, für die die derzeitigen Modelle besonders geeignet sind.

Neben Baum steht Thomas Peschel, Filialleiter im Meißner Autohaus Gebrüder Peschel. Der junge Mann hat an der Universität Dresden Maschinenbau studiert und an Elektro-Varianten von Agrar-Maschinen getüftelt. Die VGM hätte ein Fahrzeug für ihren Fuhrpark gesucht, das vor allem für Stadtfahrten und kürzere Touren über Land eingesetzt wird. Dafür sei der Zoe R 90 von Renault die richtige Wahl. Das Auto verfügt über eine maximale Reichweite von 400 Kilometern. Wird es im Winter ganz normal wie ein Verbrenner gefahren, hält es Peschel zufolge rund 200 Kilometer durch. An der hauseigenen Station der VGM dauert das Laden etwa 2,5 Stunden. Beim Fahren hätten sich die Kollegen nicht umstellen müssen, bestätigt der VGM-Chef. Es unterscheide sich nicht vom Führen eines Automatik-Pkw mit Verbrennungsmotor. Die Funktionen ließen sich vom Autofahrer intuitiv erfassen.

Peschel zufolge liegt der Anteil von E-Autos bei den Neuwagen-Verkäufen in seinem Unternehmen mittlerweile bei rund fünf Prozent. Diese teilten sich jeweils hälftig zwischen privaten Nutzern sowie Unternehmen auf.