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Elfjähriger bringt Straßenbahn zum Entgleisen

Personen werden bei dem Unfall in Görlitz nicht verletzt. Der Schaden dürfte aber bei Zehntausenden Euro liegen. Am Anfang stand ein Kinderversuch.

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Die drei Jungen wollten es offenbar wissen: Was passiert, wenn sie ein, zwei Schottersteine auf die Straßenbahngleise legen? Tatsächlich fand ein solches Experiment am Montag im Görlitzer Stadtteil Königshufen statt. Als sich gegen 13:45 Uhr eine gelbe Bahn der Linie 3 näherte, saßen die Jungen erwartungsvoll am Bordstein. Minuten später flitzen sie davon.

Die Auswirkungen ihrer Neugier sind gravierender als sie es sich vermutlich ausgemalt hatten: Der Bahnfahrer sah die Steine zu spät, um noch rechtzeitig bremsen zu können. Der mit zahlreichen Passagieren Triebwagen besetzte entgleiste. Zum Glück gab es keine Verletzten.

„Die Bergung gestaltete sich schwierig und dauerte bis etwa 20Uhr, bis dahin wurde Schienenersatzverkehr zwischen Demianiplatz und Königshufen eingerichtet“, teilte Norbert Weigt, Betriebshofleiter der Verkehrsgesellschaft Görlitz, gestern mit. Die entgleiste Bahn wurde von der Oberleitung genommen und später mittels einer Hydraulikpumpe angehoben, berichteten Augenzeugen.

Bei der Veolia Verkehr GmbH, zu der die Verkehrsgesellschaft gehört, sah man sich gestern außerstande, über den genauen Unfallhergang und die Schadenshöhe Auskunft zu geben. Auch nicht darüber, mit wie vielen Passagieren die Straßenbahn besetzt war und ob es nur einen Triebwagen von den Gleisen gehoben hat. Man werde sich nicht äußern, solange es sich um ein „schwebendes Verfahren“ handle, sagte Sprecher Thomas Kleinrensing. Polizei und Staatsanwaltschaft würden den Unfallhergang rekonstruieren. Spezialisten des Unternehmens seien bei der Schadensaufnahme. Erst wenn die abgeschlossen sei, könne die Straßenbahn freigegeben und repariert werden. Auskünfte zum Alter und Zustand der Bahn gab er nicht.

Geständnis aus Reue

Fest steht, dass der Sachschaden hoch ist. Neben der Bahn wurden auch rund 40 Metern Gleisbett so stark zerstört, dass der Straßenbahnverkehr nur noch eingleisig läuft. Der Schaden am Gleisbett und der Straßenbahn werde nach Aussage der Verkehrsbetriebe derzeit auf rund 40000 Euro geschätzt, teilt die Polizei gestern mit.

Dass der Unfallverursacher bekannt wurde, liegt daran, dass einen der Jungen die Reue packte. Nachdem er gesehen hatte, was er und seine Freunde angerichtet hatten, stellte er sich. Das Geschehene habe dem Jungen wirklich sehr leid getan, sagt Polizeisprecher Thomas Knaup. Er hoffe, dass die Eltern eine gute Haftpflichtversicherung abgeschlossen haben. (pc/SZ)