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Ellis verrückte Woche

Elisabeth Baier schafft in China mit WM-Bronze den Schritt in die Weltspitze. Ihre Fans zu Hause haben als Ehrung schon eine kuriose Idee.

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© Thomas Wendt

Von Thomas Riemer

Nanjing/Großenhain. Es hat nicht geklappt mit einer zweiten Weltmeisterschaftsmedaille. Gerechnet hatte damit ohnehin niemand. Die „fliegende“ Runde für Großenhains Ausnahmeskaterin Elisabeth Baier bei der WM im chinesischen Nanjing endete am Freitag auf dem 9. Platz. Ute Enger, die Vorsitzende des Großenhainer Rollsportvereins, hatte so eine Ahnung, als sie am Morgen den Livestream von der Bahn in China sah. „Es regnet dort sehr. Das ist nichts für Elli.“

An der Euphorie ändert sich natürlich nichts. Im Gegenteil. Denn die 16-jährige Ebersbacherin kehrt aus dem „Reich der Mitte“ mit einer Bronzemedaille und zwei weiteren Top-Ten-Platzierungen zurück. „Für mich ist das Unglaubliche wahr geworden“, übermittelte Mutter Anke Baier aus China. Sie hat Elisabeth die anstrengende und erfolgreiche Wettkampfwoche begleitet, mitgelitten und -gejubelt. Die Verlegung ihres Jahresurlaubs nach der WM-Nominierung der Tochter hat sich gelohnt. Am Montag geht die Reise zurück nach Deutschland. Vater Torsten Baier wird „seine Frauen“ am Flughafen in Frankfurt/Main in Empfang nehmen. Tags darauf wird Elli dann schon wieder nach Erfurt fahren. Seit Anfang August ist sie dort Sportschülerin, wird sich künftig dem Eisschnelllauf widmen.

Ihr Heimatverein in Großenhain hat natürlich eine verrückte Woche hinter sich. Sämtliche Wettkämpfe wurden von Sportlern, Trainern und Angehörigen am Livestream verfolgt. Selbst beim Weinbergcup in Meißen, an dem die meisten Großenhainer Skater teilnahmen, drängte sich alles um einen kleinen Laptop, um das Finale über 300 Meter einzusaugen. Schon dort gab es einen 9. Platz für Elli.

Am Mittwoch dann der große Coup. Mit ihrem grandiosen Zielschritt zog das blonde Mädchen ins Finale der drei weltbesten Juniorinnen im Sprint über 100 Meter ein. Da war die Medaille schon sicher. Der anschließende Bronze-Lauf schlug in der Heimat wie eine Bombe ein. Bei Facebook hagelte es Jubelstürme und Glückwünsche, auch in der vereinsinternen WhatsApp-Gruppe. An reguläres Training sei dann am Donnerstag nicht zu denken gewesen, beschreibt Ute Enger die Gemütslage.

Für sie selbst ist der Erfolg des Großenhainer Eigengewächses natürlich ein kleines Trostpflaster. Denn Ute Enger blickt in diesen Tagen auch etwas wehmütig nach Nanjing. Die mehrmalige Welt- und Europameisterin der Masters wäre dort gern auf der Marathon-Strecke gestartet. Eine langwierige Verletzung und das frühzeitige Saison-Aus lassen das aber nicht zu.

Umso mehr freut sie sich für ihre Nachfolgerin. „Einfach Wahnsinn, unsere Elli“, ringt die Vereinschefin immer wieder nach Worten. Und sie vergisst nicht, ins Lob ihren Stellvertreter und Ellis Heimtrainer Jörg Rannacher einzubeziehen. Dabei war der Jubel über drei Goldmedaillen und drei weitere Plaketten bei der Europameisterschaft im Juli/August im holländischen Heerde noch gar nicht richtig verebbt.

Wann die frisch gebackene Bronzemedaillengewinnerin von ihren Vereinskollegen in Großenhain begrüßt wird, ist noch nicht klar. „Wir werden unseren Empfang danach richten, wenn Elli mal nach Hause kommt. Ich hoffe bald“, so Ute Enger.

Großenhains Oberbürgermeister Sven Mißbach hatte indes bereits klargemacht, dass die Obergrenze der städtischen Ehrungen bei Elisabeth Baier bereits ausgereizt ist. Denn schon im Vorjahr gab es die „Kleine Preuskermedaille“ und einen Eintrag ins „Goldene Buch“ der Stadt. „Das ist nicht mehr zu toppen“, so Sven Mißbach. Was bei Facebook natürlich sofort zum Schmunzeln und einer kleinen Diskussion führte. Ein Vorschlag dort: Warum wird die Großenhainer Speedskate-Anlage nicht in „Elisabeth-Baier-Arena“ umbenannt?