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Emotionen, Respekt, Fairness

Großenhain ist Austragungsort der Fußball-Hallenmeisterschaft für Menschen mit Behinderung. 

Wir haben den Pott: Noch etwas ungläubig beäugen die Spieler des CSW Mauritius Zwickau die Trophäe.
Wir haben den Pott: Noch etwas ungläubig beäugen die Spieler des CSW Mauritius Zwickau die Trophäe. © Matthias Kost

Von Thomas Riemer

Großenhain. Gerade noch reckt Sebastian Blut die Faust in den Himmel – um wenig später buchstäblich in sich zusammenzusacken. Wieder haben „seine“ Jungs von der Lebenshilfe Großenhain in letzter Sekunde den Sieg verschenkt, werden am Ende der 1. Hallenmeisterschaft im Fußball für Menschen mit Behinderung ohne Sieg Letzter. „Ich war schon ein bisschen enttäuscht“, gibt der Trainer zu, zumal seine Kicker viele Chancen vergaben.

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Mentale Belastung kann positiv sein und zu herausragenden Leistungen führen. Allerdings birgt sie auch eine Gefahr für die Gesundheit.

Aber was heißt hier Enttäuschung? Dieses Turnier mit acht Mannschaften aus ganz Sachsen hat Teilnehmer wie auch Zuschauer fasziniert. Uwe Wiedermann, Präsident des Kreisverbandes Fußball im Landkreis Meißen, ist am Sonntag in eine Doppelrolle geschlüpft – gemeinsam mit Jung-Schiedsrichter Kurt Putz leitet er die Partien und ist des Lobes voll. 

„Mich hat vor allem die Fairness untereinander beeindruckt“, sagt er. Dazu gehören das Abklatschen der Mannschaften vor dem Anpfiff, die Begrüßung oder auch die sofortige Entschuldigung beim Kontrahenten nach einem Foul. Seit sieben Jahren werden im Landkreis Fußballturniere für Menschen mit Behinderung organisiert.

 „Der Landkreis war damit Vorreiter“, so Uwe Wiedermann. Das Turnier am Sonntag ist vorläufiges i-Tüpfelchen unterm Hallendach. „Das spielerische Niveau hat sich ungeheuer entwickelt“, so das Fachurteil des Kreisverbandschefs. „Man hat gemerkt, dass alle heiß auf diesen Tag waren.“

Tatsächlich liefern sich die acht Teams im knapp vierstündigen Turnierverlauf nicht nur umkämpfte, sondern zum Teil fußballerisch hochklassige Duelle. Doppel- und Kurzpass, technisch einwandfreie Torschüsse – so manche Aktion muss sich hinter Fußballspielen Nichtbehinderter überhaupt nicht verstecken – natürlich abhängig vom jeweiligen Grad der Einschränkung bei den Akteuren.

Heiko Probst, Tausendsassa beim Großenhainer FV und auch im KVF und SLV, ist es maßgeblich zu verdanken, dass die Endrunde in der Rödertalhalle stattfindet. Auch er hat ausgemacht, dass es trotz der harten sportlichen Konkurrenz zwischen den Mannschaften fair, „ohne Zank und Streit“ zugeht. 

„Immer wieder bewundernswert ist die Herzlichkeit und Freude bei den Beteiligten. Ob Sieg oder Niederlage, es gab ein Abklatschen und eine Umarmung. Respekt!“ sagt er. Auch vermeintliche Kleinigkeiten am Rande hat der Cheforganisator registriert: Sowohl die Umkleidekabinen als auch die Traversen wurden von den Teams picobello verlassen.

Heiko Probst freut sich zudem über den Zuspruch aus der Sportpolitik: Vizelandrätin Janet Putz, Großenhains Oberbürgermeister Sven Mißbach und auch der Vizechef des Sächsischen Fußballverbandes Christoph Kutschker schauen nicht nur die Spiele an, sondern überreichen gemeinsam mit weiteren Fußball-Experten die Medaillen, Urkunden und Geschenke.

 Leer geht am Ende niemand aus, hier gibt es nur Sieger. Den Pokal freilich kann nur ein Team gewinnen – bei der Premiere der Meisterschaft haben die Kicker des CSW St. Mauritius Zwickau die Nase nach einem 3:0 im Finale gegen das DRK Meißen vorn. Dritter wird die AWO Wurzen.

Sebastian Blut und seine Jungs haben inzwischen die Enttäuschung überwunden. Für die gestrige Übungseinheit kündigte der Coach Torschusstraining an. Schon am 3. März, wieder in Großenhain, steht für seine Mannen ein weiteres Turnier an. Und die nächste Hallenlandesmeisterschaft wird im nächsten Jahr sicherlich erneut in der Röderstadt stattfinden.