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Empörung über Sparkassen-Pläne

Das Geldinstitut will vor allem auf dem Land Filialen schließen. Nicht nur Kunden, sondern auch Bürgermeister sind verärgert.

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© Claudia Hübschmann

Von Jürgen Müller

Zehren/ Krögis/Stauchitz. Auf dem Land kocht die Volksseele. Grund ist die Ankündigung der Sparkasse Meißen, aus Kostengründen jede dritte Filiale dicht zu machen. Leidtragende sind vor allem die älteren Leute auf den Dörfern, so wie der 82-jährige Hellmut Richter aus Stauchitz. Zum Jahresende schließt dort die Geschäftsstelle der Sparkasse. Es ist die letzte Möglichkeit für die Stauchitzer, Geld zu holen und Bankgeschäfte zu tätigen. Erst Anfang April dieses Jahres hatte die Volksbank ihren Geldautomaten abgebaut, die Filiale wurde schon vorher geschlossen.

„Die Empörung im Dorf über die Sparkasse ist groß, die Stimmung ist aufgeheizt. Wir alten Leute fühlen uns abgehängt und völlig hilflos. Es geht nur noch um Profit, die Menschen bleiben dabei auf der Strecke“, sagt Hellmut Richter. Die nächste Möglichkeit, Geld zu holen und Bankgeschäfte zu erledigen, ist für die Stauchitzer in Riesa, Meißen oder Lommatzsch. „Wer kein Auto hat, ist aufgeschmissen.

Und selbst diejenigen alten Leute, die noch selbst fahren, trauen sich wegen des Verkehrs nicht nach Riesa, von der Parkplatzproblematik dort mal ganz abgesehen“, sagt der Stauchitzer. Ihn ärgert vor allem, dass die Leute vor vollendete Tatsachen gestellt wurden und von der Schließung aus der Zeitung erfuhren. „Der Sparkassenchef hätte eine Informationsveranstaltung in Stauchitz abhalten sollen“, fordert der frühere Gemeinderat. „Die Politiker verkünden in vollmundigen Reden immer, den ländlichen Raum stärken zu wollen. In der Realität werden wir auf dem Dorf aber immer mehr abgehängt“, schimpft der 82-Jährige.

Kunden genommen, Filiale zu

Auch der Stauchitzer Bürgermeister Frank Seifert (parteilos) ist wütend. „Das ist ein tiefer Einschnitt. Die Sparkasse als kommunales Geldinstitut hat auch eine gesellschaftliche Verantwortung. Ich verstehe diese Strategie nicht“, sagt er. Nachdem sich schon die Volksbank aus der Gemeinde zurückzog, seien viele derer Kunden zur Sparkasse gewechselt. „Die Kunden nimmt man mit, und dann macht man die Filiale dicht“, ärgert sich der Bürgermeister. Er will jetzt mit seinem Gemeinderat prüfen, welche Möglichkeiten es gibt, dass in der Gemeinde weiterhin Gelddienstleistungen angeboten werden. Denkbar sei es, Geld in Einkaufseinrichtungen auszuzahlen.

Völlig überraschend kommt auch die Schließung der direkt an der Bundesstraße 6 gelegenen Filiale in Zehren, und zwar nicht nur für die Einwohner, sondern auch für die neuen Eigentümer des Gebäudes. Der Meißner Alexander Günther und der Torgauer Rechtsanwalt Dr. Carsten Pagels hatten im vergangenen Jahr die Immobilie von der Sparkasse erworben. Sie wollen dort im kommenden Jahr Filialen eines Bäckers und eines Fleischers einrichten.

Auf Wunsch der Sparkasse sollte der Geldautomat bis Ende dieses Jahres bleiben. Jetzt wird er schon am 30. November abgebaut. Und nicht nur das. Die Sparkasse hatte sich die Option gesichert, ihn auch künftig weiter zu betreiben. „Sie hat sich dieses Recht sogar in Grundbuch eintragen lassen“, sagt Dr. Pagels. Er und sein Geschäftspartner wollen an ihren Plänen in Zehren weiter festhalten. Sie wollen auch prüfen, ob eine andere Bank einen Geldautomaten in Zehren installiert. Das sei aber noch nicht spruchreif.

In der Gemeinde Diera-Zehren gibt es sonst keine Möglichkeit mehr, sich mit Bargeld einzudecken. Die Sparkassen-Filiale in Nieschütz wurde schon vor ein paar Jahren dichtgemacht. Lommatzsch und Meißen sind nun auch für die Diera-Zehrener die Möglichkeiten, an Bargeld zu kommen.

Suche nach Alternative

Wohl nicht ganz überraschend kommt hingegen, dass der Sparkassenautomat in Krögis abgebaut wird. Der Standort stand schon seit längerer Zeit „unter Beobachtung“, weil er zu wenig genutzt wurde. Hinzu kam, dass es fast regelmäßig zu Einbrüchen und Diebstählen, verbunden mit hohen Sachschäden, kam. „Ich bin sehr enttäuscht, auch wenn die Sparkasse vor allem wegen des Vandalismus schon seit 2008 darüber nachdenkt, die Filiale dicht zu machen“, sagt der Käbschütztaler Bürgermeister Uwe Klingor (CDU), der vor etwa drei Wochen von den Schließungsplänen erfuhr.

Auch in dieser Gemeinde mit 38 Ortsteilen ist der Sparkassenautomat in Krögis die einzige Möglichkeit, sich mit Bargeld zu versorgen. Künftig müssen sie nach Meißen, Nossen oder Lommatzsch fahren. „Betroffen sind vor allem alte Leute, die kein Online-Banking machen“, sagt Klingor. Auch er will nach einer Möglichkeit suchen, dass in einer Einkaufsstätte Bargeld ausgezahlt wird. Infrage käme dafür wohl nur der Norma in Krögis.

Insgesamt will die Sparkasse Meißen bis zum Jahresende acht von 26 Filialen dichtmachen, also fast jede dritte (die SZ berichtete). Pro Jahr sollen so eine Million Euro eingespart erwerben. Dies sei nötig, weil die Filialen zu wenig genutzt würden und man die Sparkasse zukunftssicher machen wolle, so Vorstandschef Rolf Schlagloth.

Für den Stauchitzer Hellmut Richter sind die Argumente der Sparkasse nicht nachvollziehbar. „Eine Sparkasse ist keine Privatbank, sie hat Verantwortung für die Region. Vor allem verstehe ich nicht, dass auch der Landrat die Schließungen abgenickt hat“, sagt er. Online-Banking mache er nicht, das würde ihm auch nichts nützen. „Wenn ich Bargeld haben will, muss ich trotzdem auf die Bank“.

Die Sparkasse will jetzt Geld in Briefen verschicken. Richter reicht das nicht: „Das kostet doch sicher wieder zusätzliches Geld“, vermutet der Stauchitzer.