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Ende der Weltreise

Mehr als zwei Jahre ist der gebürtige Jonsdorfer Falk Micklisch mit einem Bambusrad über die Kontinente gezogen. Nun hat er sein altes Leben zurück, nach dem er sich sogar gesehnt hat.

© privat

Von Mario Sefrin

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Jonsdorf. In seinem Reiseblog im Internet hat Falk Micklisch seine Weltreise mit dem Bambusrad noch nicht beendet. Der letzte Eintrag des gebürtigen Jonsdorfers vermerkt den 25. November 2017, auf dem im Blog eingebetteten Globus wird Micklischs Standort noch im Naukluft-Nationalpark in Namibia angezeigt. Dabei hat der Jonsdorfer sein großes Abenteuer längst beendet, ist wieder in Europa und seinem früheren Leben angekommen.

Micklischs inoffizielle Ehefrau und treuer Begleiter: das selbst gebaute Bambusrad Annie Strada. Voll bepackt bringt das schon mal 100 Kilogramm auf die Waage.
Micklischs inoffizielle Ehefrau und treuer Begleiter: das selbst gebaute Bambusrad Annie Strada. Voll bepackt bringt das schon mal 100 Kilogramm auf die Waage. © privat

Fast zweieinhalb Jahre ist es her, dass der heute 40-Jährige sein Bambusrad gut verschnürt und sich mit Sack und Pack und Rad auf die Reise gemacht hat. Mit seinem Gefährt, das Micklisch in Anlehnung an zwei berühmte Radfahrerinnen Annie Strada genannt hat, ist er sogar verheiratet. Die inoffizielle Hochzeitszeremonie fand vor Reiseantritt in Wien statt. Gleich danach zog es den Jonsdorfer in die Welt hinaus: „Einmal im Leben aufradeln. Radeln, bis es nicht mehr geht. Das war nach diversen Urlaubs-Radreisen in Europa, Kuba, Australien, Patagonien und Feuerland mein gewachsener Herzenswunsch“, erinnert sich Falk Micklisch an das Gefühl, das ihn zu seiner großen Radreise getrieben hat. Einfach ohne Zeitplan und open end mit dem Fahrrad unterwegs sein, Fernweh heilen. Seine Eltern daheim im Zittauer Gebirge verstanden dieses Gefühl: Wenn nicht jetzt, wann dann, hat Vater Micklisch seinem Sohn mit auf den Weg gegeben.

Die Eltern waren es auch, die frühzeitig bei ihrem Sohn die Sportbegeisterung weckten. Die Leidenschaft am Radfahren, und dabei besonders am Mountainbike, hat sich bei Falk Micklisch schon in Kindheitstagen entwickelt. Später fuhr er bei Mountainbike-Wettkämpfen mit, war Initiator und Übungsleiter der Mountainbike-Gruppe an der Hochschule Zittau/Görlitz und ging mit einem Mountainbike-Reise-Tandem bei der O-See Challenge an den Start. Und er baute selbst an Fahrrädern herum, experimentierte mit Rahmengeometrie, Baugruppen, Schaltsätzen und Reifen. Wichtige Erfahrungen, auf die der Jonsdorfer während seiner Weltreise mit dem Selbstbau-Bambusrad in den vergangenen zweieinhalb Jahren immer wieder zurückgreifen konnte – egal, ob im australischen Hinterland oder im Himalaya-Gebirge.

Gestartet zu seiner Radtour ist Falk Micklisch im Spätherbst 2015 in Australien, wo er die Südküste bereiste und dabei immer wieder Abstecher ins Landesinnere machte. Auch in Neuseeland, dem zweiten Land seiner Reise, blieb Micklisch den südlichen Regionen treu. Dem folgte die Rückkehr nach Australien, wo Micklisch die Canning Stock Route in Angriff nahm, eine der härtesten und abgelegensten Outbackpisten dieses Kontinents – aus heutiger Sicht einer von vier herausragenden Höhepunkten der Reise, sagt der Jonsdorfer. Zumal Micklisch am Ende der Route erfuhr, dass er der erst 15. Mensch war, der das ohne fremde Hilfe geschafft hat.

Einen weiteren Höhepunkt seiner Reise erlebte Micklisch dann im nächsten Reiseland: die Teilnahme am Mustang Madness-Mountainbike-Rennen in Nepal. Das Rennen führte durch Upper Mustang, ein ehemaliges Königreich mitten im Hochgebirge des Himalaya. Die Reiseziele blieben auch danach exotisch: Nach Nepal führte die Reise querfeldein nach Jordanien und Israel sowie, nach kurzem Zwischenstopp zu Ostern 2017 zu Hause in der Oberlausitz, auf den südamerikanischen Kontinent und in den Süden des afrikanischen Kontinents.

Dort, am Kap der guten Hoffnung in Südafrika, endete die Weltreise mit dem Bambusrad. Eine Reise, die den 40-Jährigen in 26Monaten fast 30000 Kilometer durch zehn Länder der Erde führte. „Und nur in den ersten sechs Monaten bin ich über Asphalt gefahren, danach war eigentlich nur noch Schotterpiste angesagt“, erzählt der Weltenbummler. Neben seinem Bambusrad hatte Micklisch dabei auch immer die Kamera in ständiger Bereitschaft. Unzählige Fotos illustrieren nun seine interessanten und unterhaltsamen Berichte über die Erlebnisse während der Weltreise in seinem Reiseblog – auch wenn dort derzeit noch der Abschlussbericht fehlt.

Mittlerweile ist Falk Micklisch zurück in Wien und arbeitet dort sogar wieder in seinem alten Job beim Schienenfahrzeugbauer Siemens. „Bis auf den Umstand, dass mich der mitteleuropäische Alltag erschreckend schnell wieder im Griff hat, geht es mir fantastisch. Ich fühle mich sehr wohl im neuen alten Leben“, sagt er. Was bleibt von der Reise, auf der er mit seinem Selbstbaurad Wüsten durchquert und Hochgebirge erklommen hat? „Den Wunsch, aufzuradeln, habe ich mir erfüllt und am Schluss sogar etwas Heimweh bekommen. Es war eine tolle Erfahrung“, sagt Falk Micklisch. Auf der Reise habe er viel nachgedacht und reichlich Inspirationen bekommen. „Aber mein Grund zum Aufbruch war Fernweh und nicht Flucht. Ich wollt nicht weg, es zog mich ,hin’“, sagt Falk Micklisch. Pläne zu neuen Expeditionen hat der Jonsdorfer aber nicht – jedenfalls nicht im Moment.

www.anniestrada.bike