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Ende einer Ära

Die Klosterschwestern in Goppeln geben das Pflegeheim ab – wegen Nachwuchssorgen.

Mehr als 80 Jahre haben sich die Nazarethschwestern um das Altenheim in dem Bannewitzer Ortsteil Goppeln gekümmert. Nun geben sie die Trägerschaft an Matthias Mitzscherlich (l.), Direktor des Caritasverbandes, ab. Für Generaloberin Schwester Daniela bedeu © Karl-Ludwig Oberthür

Ein bisschen Wehmut schwingt mit, gesteht Schwester Daniela kleinlaut. Dann hellt sich ihr Gesicht schnell wieder auf. „Aber die Erleichterung überwiegt, definitiv.“ Für die Generaloberin und alle anderen Klosterschwestern in Goppeln ist eine Tradition zu Ende gegangen.

Seit Mitte der 30er-Jahre führten die Nazarethschwestern vom heiligen Franziskus das Altenheim St. Clara in dem Bannewitzer Ortsteil. Nach mehr als 80 Jahren geben sie die Trägerschaft der Einrichtung an den Caritasverband ab. Damit steht das Pflegeheim in Goppeln mit seinen 84 Plätzen ab sofort unter dessen Leitung. Der Wohlfahrtsverband der katholischen Kirche übernimmt mit diesem Schritt alle Verwaltungsaufgaben aus den Händen der Nazarethschwestern. Die Übergabe sei vor dem Hintergrund der langjährigen Tradition eine schwierige Entscheidung gewesen, erklärt Daniel Frank, Vorsitzender des Caritasverbandes im Bistum Dresden-Meißen. Sie sei aber notwendig geworden.

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Schon länger haben die Klosterschwestern damit zu kämpfen, das Altenheim aus eigener Kraft zu leiten, das Anfang der 90er-Jahre am Stadtrand zu Dresden nochmals neu erbaut wurde. Für schwierige Bedingungen sorgt vor allem das hohe Alter der Schwestern, aber auch der fehlende Zuwachs im Orden. Jahr für Jahr werden es weniger Mitglieder.

Mittlerweile ist mehr als die Hälfte der Nazarethschwestern älter als 80 Jahre. „Aktuell leben hier noch 32 Schwestern“, sagt Schwester Daniela, die seit 2013 in Goppeln Generaloberin ist. Mit ihren 77-Jahren gehört sie eher zu den Jüngeren im Kreise der Nazarethschwestern. Dennoch will sie den Posten Anfang Juli an eine Nachfolgerin abgeben, wenn im Orden wieder Wahlen anstehen.

Wie es mit der Ordensgemeinschaft und der Zukunft der Nazarethschwestern weitergeht, daran mag Schwester Daniela lieber nicht denken. Erst im vorigen Jahr feierten die Klosterschwestern in Goppeln ihr 90-jähriges Gründungsjubiläum. Warum der Nachwuchs seit längerer Zeit fern bleibt, wisse sie nicht. „Die jungen Leute zieht es woanders hin“, sagt Schwester Daniela. Werbung in eigener Sache, um auf das Leben und Wirken der Nazarethschwestern in Goppeln aufmerksam zu machen, komme aber für sie nicht infrage. „Das kann nur Gott“, sagt sie.

Um Kräfte zu schonen und auch etwas Verantwortung abzugeben, haben sich die Nazarethschwestern schließlich dazu entschlossen, die Trägerschaft des Pflegeheimes abzugeben. Weder für das Personal, noch für die Bewohner soll sich mit dem Wechsel etwas merklich ändern. „Uns ist es wichtig, den Geist und die Motivation der Schwestern hier fortzuführen“, sagt Caritasdirektor Matthias Mitzscherlich. Nicht nur die Pflege selbst, sondern auch die enge Zuwendung zum Menschen, welche die Schwestern hier viele Jahr vorgelebt haben, sollen erhalten bleiben.

Für die Caritas, die bereits weitere zehn Heime in Sachsen trägt, ist die Übernahme des Pflegeheimes in Goppeln zwar an sich kein Novum. Es bleibe aber insofern eine Besonderheit, da es nun auch für den Verband die erste Einrichtung sei, die von einer Ordensgemeinschaft übernommen werde, erklärt Mitzscherlich. Ganz fremd sind sich Caritas und der Orden der Nazarethschwestern aber nicht. Beides sind christliche Einrichtungen unter dem Dach des Bistums Dresden-Meißen. Abgesehen davon bestehe die Zusammenarbeit schon länger, erklärt der Caritasdirektor. Die Übernahme des Pflegeheimes sei daher keinesfalls eine abwegige Entscheidung.

Der Wechsel kam eher schleichend. Die schwierige personelle Situation der Ordensschwestern zeigte sich schon länger im Pflegeheim. Noch vor Jahren hatten die Schwestern regelmäßig Sterbenden die Hand am Bett gehalten und sie in ihren letzten Stunden begleiten können. Dauerhaft und in größerer Präsenz da zu sein, gelinge schon länger nicht mehr, erklärt Schwester Daniela.

Auch wenn die Ressourcen bei den Klosterschwestern schwinden, bleibe etwas Wichtiges stets erhalten: „Wir beten jeden Tag für die Heimbewohner und die Mitarbeiter“, sagt die Generaloberin. Die Verbindung zu dem Pflegeheim, das sie seit den 30er-Jahren führten, bleibe nicht nur mit der Nachbarschaft zueinander bestehen. Viel stärker seien der gemeinsame Glaube und die Hoffnung, dass es stets weitergehe.

1995 wurde das Altenheim am heutigen Standort neu gebaut und eröffnet.  © Archivfoto: Egbert Kamprath

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