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Ende einer Amtszeit?

Papst Johannes Paul II. hat zum Abschluss seiner Slowakeireise einen Bischof und eine Ordensschwester als Verfolgte des Kommunismus selig gesprochen. Bei der Messe vor mehreren hunderttausend Gläubigen war er so schwach, dass er nur kurze Passagen seiner Predigt vorlesen konnte.

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Von Peer Meinert, Bratislava

Leonid Breschnew, der einstige Sowjet-Führer, schleppte sich jahrelang als todkranker Mann durch seine Ämter. Wenn er nicht mehr konnte, sagte der Kreml, er habe eine Erkältung, und im Westen meinten zuletzt viele, er sei nur noch eine Marionette.

Nicht viel anders beim Papst: Der alte Mann schleppt sich, der alte Mann quält sich, kaum jemand glaubt mehr, dass er die Zügel noch fest in der Hand hat – doch der Vatikan bestätigt nicht mal, dass Johannes Paul II. Parkinson hat.

Längst ist der Vatikan mit seiner Informationspolitik in die Zeit der Sowjets zurückgefallen. Motto: Nur nichts sagen, alles leugnen. Parkinson ist eine schleichende Krankheit, die letztlich auch zu geistigen Ausfällen führt. Niemand, das ist offenbar die Kalkulation, soll wissen, wann die gut eine Milliarde Katholiken ohne echte Führung ist. „Endzeit eines Pontifikats“, nennt die Kirche solche Zeiten.

Sicherlich, zum Abschluss seiner Slowakeireise hat der Papst am Sonntag „funktioniert“. Die Ärzte hatten die Medikamente für den zweistündigen Gottesdienst richtig eingestellt, Johannes Paul II. konnte vergleichsweise ohne große Mühe atmen, und sogar seine Aussprache war zumindest streckenweise so, dass die Menschen ihn verstehen konnten. Eine Messe lang hielt er, im Rollstuhl, durch. Nur zum Schluss wirkten die Spritzen nicht mehr, da sank der 83-Jährige förmlich in sich zusammen.

Es ist noch nicht lange her, da hatten Gläubige und Nicht-Gläubige noch den Durchhaltewillen des alten Polen bewundert. Zwar war er auch da schon schwach und hinfällig, aber er konnte seine Botschaft noch immer an den Mann bringen, er konnte sogar Jugendliche begeistern – und wenn der Papst „gut drauf war“, blühte er regelrecht auf.

Das ist jetzt vorbei. Statt Zeuge eines Kraftaktes zu werden, erleben die Gläubigen heute eher ein Trauerspiel. Der „große Kommunikator“ sitzt zusammengesunken im Rollstuhl. Selbst die vorgeschriebenen Reden, die er gar nicht mehr selbst vortragen kann, wirken matt und blass. „Es gibt keine Hindernisse, dass der Heilige Vater weitere Reisen unternimmt“, sagt Vatikansprecher Joaquín Navarro-Valls offiziell in Bratislava. Tatsächlich liegen schon Einladungen aus Österreich, der Schweiz, Frankreich und Mexiko vor. „Warum sind die Bischöfe dort so unvernünftig, dass sie ihn überhaupt einladen?“, fragt sich ein Theologe im Papst-Tross.

In den vergangenen Jahrhunderten gab es Päpste, die vor ihrem Tod jahrelang im Bett lagen – aber im Medienzeitalter ist ein kranker Papst doch etwas anderes. Schon meinen die Bundesbürger in Umfragen, ein hinfälliger Papst schade der Kirche. „Auch Jesus ist nicht vom Kreuz gestiegen“, mit diesen Worten wischt Johannes Paul bisher alles Gerede von einem möglichen Rücktritt zurück. Am 16. Oktober wird im Vatikan das 25-jährige Jubiläum seiner Pontifikats gefeiert – dem Papst stehen die nächsten Strapazen schon bevor. (dpa)