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Ende eines „Sportverräters“

Vor 35 Jahren starb der aus der DDR geflüchtete Fußballprofi Lutz Eigendorf. Warum? Das ist nach wie vor offen.

© dpa

Von Jens Mende

Auch 35 Jahre nach dem Tod von Lutz Eigendorf bleiben die Umstände rätselhaft. Dabei gibt es mindestens 1 000 Ermittlungsakten der Polizei und der Staatsanwaltschaft sowie 2 600 Dokumente des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS). Die noch immer offenen Fragen: Hat die Stasi den aus der DDR geflüchteten Fußballer ermorden lassen? War zumindest geplant, dem ehemaligen Spieler des Stasi-Klubs BFC Dynamo Schaden zuzufügen? Oder kam Eigendorf durch einen unter Alkoholeinfluss verschuldeten Unfall zu Tode?

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Eigendorf war in der DDR nach seiner Flucht im März 1979 als „Vaterlandsverräter“ gebrandmarkt worden. Ausgerechnet ein Nationalspieler aus dem Lieblingsverein von Stasi-Chef Erich Mielke – das saß tief beim MfS.

Unter dem Zentralen Operativen Vorgang (ZOV) „Sportverräter“ hatte die Stasi mehr als 60 Personen registriert. Einer der am meisten untersuchten Fälle war der des gebürtigen Brandenburgers Eigendorf. 100 Oberligaspiele hatte er für den DDR-Rekordmeister BFC Dynamo bestritten, bevor er ein Freundschaftsspiel beim 1. FC Kaiserslautern zur Flucht nutzte.

„Es ist mein größter Wunsch, meine Familie so schnell wie möglich hier rüber zu holen“, erklärte Eigendorf im bundesdeutschen Fernsehen, die Stasi fühlte sich durch ein Interview direkt an der Berliner Mauer zusätzlich provoziert. Der sechsmalige DDR-Nationalspieler musste nach einer Sperre durch den Weltverband Fifa ein Jahr warten, bis sich sein großer Traum erfüllte: Am 11. April 1980 lief Eigendorf mit dem 1. FC Kaiserslautern erstmals in der Bundesliga auf. 1982 wechselte er zu Eintracht Braunschweig.

Was am späten Abend des 5. März 1983 auf regennasser Straße zwischen den Braunschweiger Ortsteilen Querum und Bienrode geschah, schürt noch heute zahlreiche Theorien und Spekulationen. Mit 2,2 Promille Alkohol im Blut setzte Eigendorf seinen Alfa Romeo an einen Baum. Am 7. März 1983 starb er an schweren Kopf- und Brustverletzungen im Krankenhaus. Indizien weisen darauf hin, dass Eigendorf der Alkohol gewaltsam eingeflößt und er später geblendet worden sein könnte.

Juristen und Experten, die sich intensiv mit dem Fall beschäftigten, halten die Mordtheorie für nicht plausibel. Belastbare Beweise gibt es ohnehin nicht, auch weil zahlreiche Stasiunterlagen zu dem Fall nicht mehr auffindbar sind. (dpa)

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