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Ende gut, Rittergut?

Nossen will seine Verwaltung an einem zentralen Ort haben – aus guten Gründen. Die einstige Außenstelle ist Sache der WVG.

© Claudia Hübschmann

Von Marcus Herrmann

Nossen/Raußlitz. Der Parkplatz am Dorfplatz Raußlitz ist spärlich belegt an diesem frühlingshaften April-Morgen. Lediglich fünf Autos stehen in den Buchten zwischen dem alten Rittergut, der Feuerwache und dem Wasser-Zweckverband Meißner Hochland. Die Sonnenstrahlen brechen sich in den Fenstern des Ritterguts. Die dahinter verborgenen Räume auf zwei Etagen sind verwaist, die Eingangstür verschlossen, Briefkastenöffnungen zugeklebt.

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Hier, in der ehemaligen Außenstelle des Nossener Bürgerbüros konnten bis Ende 2015 Bürger der im Januar 2014 an Nossen angegliederten Gemeinden Ketzerbachtal und Leuben-Schleinitz Behördengänge erledigen. Seitdem ist die Außenstelle dicht. An der Tür hängt noch immer ein Hinweisschild. Daran steht geschrieben: „Es zeichnet sich ab (...), dass Bürger aus den Ortsteilen der ehemaligen Gemeinden (...) verstärkt das Bürgerbüro in Nossen nutzen. Aufgrund der stark rückläufigen Besucherzahlen und der eventuell baldigen anderweitigen Nutzung des Objektes wird das Bürgerbüro Raußlitz zum 31.12.2015 geschlossen.“

Zu der damals angekündigten Nutzung für das Herrenhaus mit der gepflegten Barock-Fassade ist es bisher allerdings nicht gekommen. Zuletzt hatte Bürgermeister Uwe Anke (parteilos) im Interview mit der SZ die Hoffnung geäußert, dass das Rittergut „nach notwendigen Sanierungen“ vielleicht für altersgerechtes Wohnen hergerichtet werden könnte. In den vergangenen Jahren hatte es bereits Verhandlungen mit einem Interessenten gegeben, der ein Kinderheim in der ehemaligen Verwaltung unterbringen wollte. Danach wollte unter anderem eine Ärztin eine Praxis eröffnen, bevor der Pflegedienst Sylvia Engelhardt – heute an der Dresdner Straße in Nossen befindlich – sich mit dem Haus beschäftigte.

Allein es wurde nichts aus den Plänen. Momentan gäbe es „mehrere Ansatzpunkte, die leider bisher nicht zum Ziel geführt haben“, sagt Bürgermeister Uwe Anke zum aktuellen Stand. Das Gebäude sei der Nossener Wohnungsgesellschaft WVG übergeben worden. Diese sei derzeit damit beschäftigt, Varianten „zur zukünftigen Nutzung des Gebäudes zu erarbeiten“.

Besonders bei einigen Anwohnern in den Altgemeinden sorgen die millionenschweren Um- und Ausbauarbeiten am Nossener Rathaus für Unmut.

Sie verstehen nicht, weshalb man die mehr als drei Millionen Euro nicht sparen hätte können und die Verwaltung an zwei Standorten betreibt. Der Nossener Stadtrat hatte sich jedoch anders positioniert. Mit durchaus triftigen Gründen. So verfügt das Hauptamt der Stadt durch den Anbau in Nachbarschaft zum Rathaus über moderne Büroräume mit einer zeitgemäßen Technik und kann die Arbeitsqualität und -schnelligkeit stetig verbessern.

„Das wäre nicht möglich gewesen, wenn die Verwaltung dauerhaft geteilt ist. Bei einer Teilung ergeben sich vielerlei Probleme. Nicht umsonst versuchen Behörden wie Klipphausen, das Landratsamt Meißen und Firmen ihre Verwaltungen zu zentrieren“, verteidigt Uwe Anke den eingeschlagenen Kurs. Mehrere Jahre habe man während der Bauarbeiten mit einer Außenstelle arbeiten müssen, mussten Bürger und ihre Anliegen vom Rathaus an die Außenstelle oder umgekehrt verwiesen werden. „Bürgerfreundlichkeit sieht für mich anders aus“, so das Stadtoberhaupt.

Zum häufig vernehmbaren Vorwurf, dass eine Außenstelle die billigere Variante gewesen wäre und man das Geld in andere Projekte hätte stecken können, hat Anke ebenfalls eine klare Meinung. Demnach seien die vollständigen Kosten einer geteilten Verwaltung schwer genau bezifferbar. „Aber sie übersteigen in nur wenigen Jahren die Investitionskosten für ein neues modernes Verwaltungsgebäude bei weitem“, ist er sicher. „Umso mehr freut es mich, dass in Kürze für unsere Bürger ein modernes Rathaus mit barrierefreiem Zugang zur Verfügung steht“, versetzt er weiter. Vor dem kurz nach der Jahrtausendwende renovierten Rittergut werden die Parkplätze wohl noch eine Weile nur spärlich belegt sein. Hier ist nun die kommunale Wohnungsgesellschaft gefragt, einen neuen Nutzer zu finden.