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Endspurt auf dem Weihnachtsmarkt

Die Bilanz der Händler ist durchwachsen. Kurz vor Schluss hoffen sie auf mehr Kunden. Rabatte gibt es trotzdem nicht.

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© Anja Schneider

Von Isabel Henrich und Annechristin Bonß

Es nieselt. Schon wieder. Trotzdem huscht ein breites Lächeln über Karl-Alvin Hofmanns Gesicht. Der 84-Jährige steht in seinem Stand auf dem weihnachtlichen Neumarkt. Die Kunden staunen über seine handgemachten Ohrringe. „Die Menschen für mein Handwerk begeistern zu können, das macht mich jeden Tag glücklich“, sagt er. Zum sechsten Mal ist er bei diesem Dresdner Weihnachtsmarkt dabei. Er verkauft selbst gemachte Wanduhren, Armbänder, Ohrringe und Schuhschmuck – alles aus Leder. Seit 50 Jahren fertigt er in seiner kleinen Werkstatt in Striesen alles in Handarbeit.

So wie der Lederhändler auf dem Neumarkt freuen sich auch die anderen Händler auf Dresdens Weihnachtsmärkten auf erfolgreiche letzte Tage dieser Saison. Teilweise bis Donnerstagnachmittag sind die Buden geöffnet, können Kurzentschlossene letzte Weihnachtsgeschenke ergattern. So haben der Striezelmarkt, der Markt in der Münzgasse sowie der romantische Markt am Residenzschloss bis zum Weihnachtstag geöffnet. Auf der Prager Straße, dem Neumarkt, im Stallhof und auf der Hauptstraße haben die Buden das letzte Mal am Mittwochabend geöffnet. Die Händler hoffen auf viele Kunden beim Endspurt auf dem Weihnachtsmarkt.

Kunden ohne Adventsstimmung

Denn bisher fällt ihre Bilanz nicht durchweg positiv aus. „In den vergangenen Jahren lief es deutlich besser“, sagt Karl-Alvin Hofmann. Das bestätigt auch Bettine Kaslatter-Hadlauer. Die 45-Jährige verkauft Hüte, Stirnbänder und Mode aus Filz, ebenfalls auf dem Neumarkt. „Ich bin enttäuscht“, sagt sie. Und nennt Gründe für die schlechte Bilanz. Das Wetter ist schuld. „Es war einfach zu warm“, sagt die Händlerin. So wollte kaum jemand bei den milden Temperaturen einen warmen Hut kaufen. Das trifft auch teilweise die Glühweinverkäufer. Auch dort hatten die Kunden weniger Lust auf heiße Getränke gegen kalte Finger. „Es kommt aber auch auf die Stimmung der Menschen an. Manche Jahre haben die mehr Lust auf Weihnachtsmarkt“, sagt Felix Schramm, der heiße Schokolade verkauft. Das bestätigen bei einer SZ-Umfrage vor Ort auch viele andere Händler auf dem Neumarkt.

Auch auf dem Striezelmarkt sind nicht unbedingt alle Händler zufrieden mit dem Umsatz. Andererseits waren auch in der Woche an vielen Nachmittagen die Gänge auf dem Striezelmarkt voll. Erst nach 20 Uhr hatten die Besucher mehr Platz zum Schlendern. Im vergangenen Jahr kamen bis zu 2,5 Millionen Besucher auf Dresdens größten Markt. Eine offizielle Statistik für die diesjährige Saison will die Stadt am Mittwoch präsentieren.

Doch trotz Flaute dürfen sich Weihnachtsmarktbesucher nicht auf Schnäppchen und Rabatte freuen. Bettine Kaslatter-Hadlauer schüttelt den Kopf. Das kommt bei ihr nicht infrage. „Ich stelle alle Waren selbst her“, sagt sie, „wenn ich Rabatte gebe, würde ich meine Waren unter Wert verkaufen.“ Auch keiner der anderen befragten Händler will in den letzten Tagen bis Weihnachten Nachlass geben. Genau wie Karl-Alvin Hofmann. Obwohl er auch mit weniger Umsatz durchaus leben kann, manchmal verschenkt er sogar Kleinigkeiten. Die Freude, seine Produkte präsentieren zu können, scheint größer als die über einen starken Umsatz. Ohnehin wird diese Weihnachtsmarktsaison die letzte für Karl-Alvin Hofmann sein. Er sucht einen Nachfolger für seinen Betrieb.