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Energie und Wärme hausgemacht

Die EWB laden zum Gucken ins Bautzener Heizkraftwerk ein. Dabei geht’s auch hoch hinauf.

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© Uwe Soeder

Von Madeleine Arndt

Bautzen. Ein kleine weiße Wolke steigt aus dem Schornstein des Heizkraftwerks an der Thomas-Müntzer-Straße. Sie signalisiert: Wir können jetzt auch Strom. Am Donnerstag wurden die grünen Motoren des Kraftwerks zum ersten Mal gestartet. Und zum ersten Mal haben sie Fernwärme und Strom produziert. Lässig steht Stephan Mißler von den Energie- und Wasserwerken (EWB) an der mit Gewebematten isolierten Abgasanlage. Er ist Leiter des Geschäftsfeldes „Strom- und Wärmeerzeugung“. Bisher haben nur zwei Blockheizkraftwerke der EWB in der Schwimmhalle und im Gewerbepark an der Wilthener Straße ein bisschen Strom erzeugt. Wenn das Heizkraftwerk ab November richtig läuft, wird es umweltfreundlich produzierten Strom in Mengen ins Netz einspeisen.

Da das Heizkraftwerk als Kraft-Wärme-Kopplungsanlage ökologisch viel verträglicher arbeitet als etwa ein Kohlekraftwerk, hat die hier produzierte Energie Vorrang im Stromnetz. Auch erhalten KWK-Anlagen für ihren produzierten Strom eine besondere Vergütung. Für den Bautzener aber wesentlich wichtiger: Ab November bekommen sie Fernwärme direkt von nebenan und nicht mehr aus dem Enso-Werk in Teichnitz. Das Heizkraftwerk an der Thomas-Müntzer-Straße wird dann 7 000 Haushalte in Gesundbrunnen, Allende-Viertel und Teilen der Innenstadt mit warmen Wasser versorgen und die Zimmer heizen. Bis Jahresende dient das Enso-Werk dabei noch als Backup. Ab 2017 steht die EWB in Sachen Fernwärme komplett auf eigenen Füßen. Schon jetzt fließt bei Probeläufen die erste Wärmeenergie made in Bautzen durch die Leitungen.

Bis die Anlage auf vollen Touren fahren kann, gilt es noch einiges zu justieren. „Ein Auto muss ja auch eingefahren werden“, gibt Mißler ein Beispiel. Gelbe Schilder warnen vor dem Betreten der beiden Hallen, in denen die gewaltigen Kraftwerksmotoren routieren. „Gefahr durch ungesicherte Maschinenteile! Heiße Maschinenteile!“, heißt es darauf. Wer die Türen öffnet, wird ordentlich durchgepustet. „Hier drin herrscht Überdruck“, erklärt Mißler. So sei gesichert, dass die Motoren bei der Verbrennung des Erdgas-Luft-Gemisches genügend Sauerstoff erhalten.

Viel zu tun für die Steuerungstechniker

In den nächsten Wochen muss sich das Heizkraftwerk in verschiedenen Dauer- und Belastungstests bewähren. Kühlungssysteme und Brennstoffzufuhr müssen tadellos funktionieren. Die Überwachungsinstrumente müssen bei extremer Hitze, Überdruck und Überspannung sofort reagieren. „Damit es keinen Kurzschluss gibt, wenn wir den Motor einschalten“, sagt Mißler. Auch das Übermitteln der Daten zur Schaltzentrale in der Schäfferstraße muss reibungslos klappen.

Die Steuerungstechniker haben also alle Hände voll zu tun. Laptops hängen mit ihren Kabeln an den Systemen. Auf den Monitoren blinken unzählige Felder rot, weil hier Einstellungen nachgeregelt werden müssen. Derweil nehmen Bauleute am Energieturm, dem großen Warmwasserspeicher, die Gerüste ab. Maler streichen Geländer, Industriereiniger saugen Dämmwolle weg, letzte Handgriffe werden getan.

Am Montag startet das Energiezentrum in einen vierwöchigen Probelauf. Vorher haben Interessierte die Chance, sich das Innenleben des Kraftwerks genau anzusehen. Denn die EWB lädt am Sonnabend zum Tag der offenen Tür. Stephan Mißler und drei weitere EWB-Mitarbeiter werden dabei Führungen veranstalten. Mit etwas Glück können Gäste bei der Tombola vor Ort einen Aufstieg auf den Energieturm gewinnen. 35 Meter hoch geht es über Metalltreppen an der Außenseite des Heißwasserbehälters. Auf einem Laufgitter, das sich oben ringförmig um den Wärmespeicher zieht, wird man mit einem weiten Blick über die Stadt und das Oberland belohnt. Eine seltene Gelegenheit, denn bei der technischen Anlage ist der Zugang für Publikum normalerweise nicht erlaubt.

Grundsteinlegung im Juni

Vor vier Jahren gab es bei der EWB die ersten Ideen für den Bau eines eigenen Kraftwerks. Nachdem 2014 alle Genehmigungsverfahren durchexerziert waren, begann 2015 im Frühjahr der Bau mit dem Abriss des alten Polizeiwohnheims am Platze. Im Juni folgte die Grundsteinlegung. Nach und nach wuchs das Werk in die Höhe. Elf Millionen Euro haben die Energie- und Wasserwerke in die Anlage an der Thomas-Müntzer-Straße sowie zwei Spitzenlastanlagen an der Schäfferstraße und der Hanns-Eisler-Straße investiert.

Tag der offenen Tür im Heizkraftwerk der Energie- und Wasserwerke Bautzen, Thomas-Müntzer-Straße 4, Sonnabend, 17. September von 10 bis 17 Uhr.