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Energiefabrik bereitet Kunstausstellung vor

Knappenrode: Der „Kunstkreis 07“ begleitet den Wandel der Lausitzer Bergbauregion mit bildnerischen Arbeiten.

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Der „Kunstkreis 07“ wurde von Katrin Meißner initiiert, die auch selbst einige Werke in einem Duschraum ausstellt.
Der „Kunstkreis 07“ wurde von Katrin Meißner initiiert, die auch selbst einige Werke in einem Duschraum ausstellt. © Foto: Katrin Demczenko

Von Katrin Demczenko

Die 1914 mit der Brikettfabrik Knappenrode entstandene Kaue, in der die Beschäftigten bis zur Schließung des Betriebes im Jahre 1993 ihre Alltags- gegen die Arbeitskleidung getauscht haben und umgekehrt, kann Geschichten erzählen. Diese werden immer wieder durch Ausstellungen von Mineralien, Gemälden oder künstlerischen Fotos lebendig, die das Sächsische Industriemuseum Energiefabrik Knappenrode organisiert, sagte seine Leiterin Kirstin Zinke.

Über den Wandel in der Region

Am kommenden Mittwoch, dem 1. Mai, um 11 Uhr beginnt in der Kaue mit einer Vernissage die nächste temporäre Galerie, die der „Kunstkreis 07“ unter dem Titel „9 Positionen“ gestaltet. Sie wird bis zum 3. November zu sehen sein. Acht Maler und eine Kunstgestalterin aus dem Landkreis Oberspreewald-Lausitz zeigen ihre Werke erstmals in der Energiefabrik und beschäftigen sich mit dem durch das Ende der DDR ausgelösten Wandel in der Region. Seit den 1990er-Jahren geht der Braunkohleabbau stark zurück und jetzt haben die Politiker das Ende der Verstromung des Rohstoffs beschlossen. Die in der Lausitz lebenden Menschen mussten und müssen damit umgehen. Viele verloren damals ihre Arbeit und verließen die Heimat. Andere begannen, ehemalige Tagebaue zur mittlerweile größten künstlichen Seenplatte Europas umzugestalten.

Verschiedene Ausdrucksformen

Noch in Betrieb befindliche Kohlegruben hat Bernd Gork aus Senftenberg in den 1990er-Jahren gemalt. Heute wird unter anderem mit Windrädern Energie erzeugt, wie ein Gemälde von Bernd Winkler zeigt. Susanne Kruse spürt mit ihrem Bilderzyklus „Was bleibt“ den Veränderungen nach. Luftiges Fließ verzierte sie mit schwarz und bunt gestaltetem Stempelwerk und Steppstichen, wobei sie sich eine erfolgreiche Zeit nach dem Bergbau wünscht. Die Arbeiten hat sie an den nicht mehr genutzten alten Duschen aufgehängt. Das gibt dem über Jahrzehnte von vielen Menschen frequentierten Raum ein neues Gepräge. Auch die Initiatorin vom „Kunstkreis 07“ Katrin Meißner stellt ihre Werke in einem Duschraum aus, der sie bei der Vorbesichtigung besonders inspiriert hat. „Harter Cut“ wählt sie als Überschrift und denkt dabei an die Menschen, die langjährig in der Brikettfabrik tätig waren und dann mit der endgültigen Stilllegung ihrer Arbeitsstätte umgehen mussten. Den Wechsel von schwarz auf weiß, von hundert auf null stellt sie mit zähflüssig laufender Bitumenschüttung auf Leinwand dar. Andere abstrakte Arbeiten lassen menschliche Gestalten ahnen, die sich ein letztes Mal den Kohlestaub von der Haut waschen und wissen, dass gerade ein wichtiger großer Abschnitt ihres Erwerbslebens für immer endet. Die Lausitzer und ihre Region suchen und finden seitdem schrittweise eine für die Zukunft taugende neue Identität. Der „Kunstkreis 07“ begleitet diese Wege mit seinen bildnerischen Arbeiten.