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Enge im Gedränge

Der Pirnaer Retter-Verein flog 2017 aus seinem Stammquartier und lebt seither mit einem Notdomizil. Doch nun gibt es eine Lösung.

Spektakuläre Platznot. Wenn sich die Schauspieler des Retter-Vereins in ihrem Interimsquartier am Steinplatz für einen Auftritt umziehen, geht es eng zu, alle passen gar nicht in die Wohnung. Daher braucht der Verein ein größeres Dauer-Domizil. © Foto: Marko Förster

Als gar nichts mehr ging, sah sich der Pirnaer Verein „Der Retter der Stadt Pirna – Theophilus Jacobäer“ zu einer drastischen Streichliste gezwungen. Die großen Freiluft-Spektakel – das lebendige Canalettobild und der Schwedeneinmarsch – die seit Jahren das Stadtbild bereicherten, flogen für 2018 vorerst aus dem Programm. Dabei lag es weniger am Wollen als am Können. Der Verein sah sich außerstande, aufgrund beengter Platzverhältnisse für die Auftritte zu proben, geschweige denn sich mit so vielen Akteuren in die Kostüme zu schwingen. Mitte 2017 hatte die Stadt das angestammte Vereinsdomizil im Haus Grohmannstraße 1 gekündigt, weil das Rathaus die Räume selbst benötigte.

Der Verein musste sich danach mit nur einem einzigen Raum in der Grohmannstraße begnügen, er fungierte gleichermaßen als Büro, Vereinsitz und Umkleide. Die Kostüme lagerten derweil im Hinterhof der Stadtbibliothek – aus Sicht des Vereins ein inakzeptabler Zustand. Sämtliche Projekte, ja sogar die Existenz der gesamten Retter-Truppe stand auf der Kippe. Doch nun ist eine gescheite Dauerlösung für die Laienschauspieler in Sicht. Die SZ fasst den aktuellen Stand zusammen.

Wo kommt der Retter-Verein künftig unter?

Der Verein zieht in Kürze in die alte Feuerwache an der Oberen Burgstraße, von der Stadt ehedem als Vereinshaus avisiert. Diesem Kompromiss gingen mehrmonatige Verhandlungen zwischen den Rettern und der Stadt voraus. Pirna favorisierte die Feuerwache schon lange als Sitz für die Schauspiel-Gruppe, da das große Haus bislang mit nur einem Nutzer, dem Verein „Uniwerk“, ungenügend ausgelastet sei.

Doch die Retter waren anfangs alles andere als begeistert von der Idee. Sie befanden das Gebäude zunächst als ungeeignet, weil Uniwerk den Großteil der Fläche für sich belegte und wenig Platz für den zusätzlichen Nutzer war.

Pirna sagte daraufhin zu, verschiedene Räume auszubauen und noch einmal ordentlich ins Haus zu investieren, dessen Außenhülle bereits 2017 aufwendig hergerichtet worden war. Letztendlich nahmen die Retter das Angebot der Stadt an. „Wenn in der alten Feuerwache alles fertig ist, werden wir dort – im Vergleich zu den bisherigen Quartieren – die besten Bedingungen haben“, sagt Vereinssprecher Steffen Frenzel. Vorausgesetzt, das Haus wird wie versprochen baulich verändert.

Was muss an der alten Feuerwache alles gemacht werden?

Pirna will das Haus jetzt weiter herrichten. So soll unter anderem der Dachboden ausgebaut werden, damit die Retter dort ihre Requisiten sowie die Kostüme für über 100 Akteure lagern können. „Zum Umziehen können wir in Absprache mit dem Uniwerk auch die Räume in der ersten Etage nutzen, sodass dafür auch ausreichend Platz vorhanden ist“, sagt Frenzel.

Darüber hinaus will Pirna die Elektroinstallation, die Sanitärräume, die Heizung sowie die Außenanlagen sanieren. Das Vorhaben kostet rund 223 000 Euro. Um den Ausbau zu finanzieren, hat die Stadt bereits Zuschüsse von 178 000 Euro beantragt, sie wurden auch schon in Aussicht gestellt. Den erforderlichen Eigenanteil kann Pirna nach eigener Aussage aufbringen. Der Stadtentwicklungsausschuss hat inzwischen zugestimmt, die alte Feuerwache weiter instandzusetzen.

Wann ziehen die Retter in ihr neues Dauerquartier?

Die anstehenden Arbeiten sollen in den nächsten Monaten erledigt werden. Das Rathaus bereitet derzeit die Ausschreibung vor, nach dem städtischen Plan soll im Juli dieses Jahres alles fertig sein, dann könnte auch der Verein einziehen. Aus Sicht der Retter erscheint es jedoch als realistischer, erst nach den beiden großen Retter-Aufführungen im September umzuziehen.

„Denn ob der von der Stadt geplante Zeitrahmen erfüllbar ist, hängt ja davon ab, ob die benötigten Gewerke auch zeitnah zur Verfügung stehen“, sagt Frenzel. Bis zum Umzug kann der Verein nach Aussage der Stadt weiterhin im Interimsdomizil am Steinplatz bleiben. Die Miete für die Räume soll aus Mitteln der Kulturförderung finanziert werden.

Warum brauchte der Verein überhaupt ein neues Domizil?

Seinen angestammten Sitz hatte der Retter-Verein lange Zeit im Haus Grohmannstraße 1, dort gab es ausreichend Platz für Büro, Kostüme und Umkleide. Doch Mitte 2017 kündigte die Stadt die Räume – wegen Eigenbedarf. Danach gab es zwar Gespräche über Alternativen, die der Verein aber ablehnte: zu abgelegen, zu klein, zu unpraktisch. Unterdessen drängte die Stadt den Verein dazu, die Räume möglichst schnell zu verlassen, was Ende 2017 geschah. Allerdings wollten die Retter bis Ende Januar 2018 eine Zusage, wie es quartiertechnisch weitergehen soll. Doch diese Frist ließ die Stadt verstreichen.

Derweil hauste der Verein in nur einem einzigen Raum in der Grohmannstraße, die Kostüme lagerten schwer zugänglich im Hof der Stadtbücherei. Nach vielem Hin und Her reifte bei der Stadt der Plan, den großen Boden im Haus Grohmannstraße 1 auszubauen. Das Projekt scheiterte allerdings an den Kosten. Stattdessen kam der Verein vorübergehend in einer Zweizimmer-Wohnung der Städtischen Wohnungsgesellschaft Pirna (WGP) am Steinplatz unter. Zwar gibt es dort Platz, Kostüme und Requisiten aufzubewahren, aber das Umziehen ist auch dort nahezu ein Unding. So machten sich Stadt und Verein auf die Suche nach einem neuen Dauerquartier.

Wirkt sich der bevorstehende Umzug auf den Veranstaltungsplan aus?

Der Umzug nicht direkt, vielmehr die noch immer beengten Platzverhältnisse. So fällt auch in diesem Jahr der traditionelle Schwedeneinfall aus. Dafür gibt es am 26. April wieder das lebendige Canalettobild mit Kindern, überdies ist der Verein aktiv zur Stadtfest-Eröffnung, zur Hofnacht, am 6. Juli zum Familientag im Museum, am 25. August sind die Retter Statisten und stehen Spalier für das Ereignis „300 Jahre kursächsische Hochzeit“. Und für den September sind wieder zwei Retter-Aufführungen auf dem Markt geplant.

Sie wollen noch besser informiert sein? Schauen Sie doch mal auf www.sächsische.de/pirna vorbei.

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