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Enge Kiste

Nico Walther muss den Bob wechseln. An ihm liegt das nicht. Auch Francesco Friedrich bastelt noch am Schlitten.

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© Egbert Kamprath

Von Stephan Klingbeil

Altenberg/Pirna. Schwitzen unterm Weihnachtsbaum müssen Francesco Friedrich und Nico Walther nicht. Die Festtage verbringen die beiden Bob-Piloten vom BSC Sachsen Oberbärenburg mit ihren Familien in Altenberg und Pirna. Davor und danach geht es aber zur Sache: Training reiht sich an Training. Kondition, Kraft und Startzeiten verbessern: Die beiden sächsischen WM-Hoffnungen nehmen sich zwei Wochen vor dem Heim-Weltcup in Altenberg nur wenig Zeit, um sich auszuruhen. Es gibt viel zu tun. Da der Bundesverband auf eine Teilnahme am zweiten Saison-Weltcup in Lake Placid (USA) aus finanziellen Gründen verzichtet hatte, nutzten die deutschen Spitzenathleten die Zwangspause zum Tüfteln an ihren Schlitten und für Testfahrten in Winterberg und Königssee. Diese Woche stand indes Athletiktraining auf dem Programm.

Francesco Friedrich genießt gerade die Zeit mit Frau Magdalena und Sohn Karl. Trainiert und getestet wird trotzdem.
Francesco Friedrich genießt gerade die Zeit mit Frau Magdalena und Sohn Karl. Trainiert und getestet wird trotzdem. © Robert Michael

Beim Anschubleistungstest am Mittwoch in Oberhof mussten die drei gesetzten deutschen Weltcup-Starter Friedrich, Walther und der für Stuttgart Solitude startenden Nachwuchsweltmeister Johannes Lochner aus Bayern nicht ran. Die geforderte Startnorm hatten sie schon geschafft.

Walther schaute dennoch in Thüringen vorbei. „Es war interessant. Ich wollte auch sehen, wie sich Kevin Korona macht“, erklärt der 26-jährige Gesamt-Weltcupsieger in der kombinierten Wertung. Der Anschieber war erst vor der Saison aus dem Team des mittlerweile zurückgetretenen Ex-Weltmeisters Maximilian Arndt zu Walther gewechselt. Dann hatte sich Korona jedoch am Beuger verletzt. „Mit dem Lauftraining hat Kevin erst vor drei Wochen begonnen, und nun zeigt er die beste Zeit von meinen Anschiebern.“ Mit 4,69 Sekunden sei er der Schnellste am Start gewesen.

Damit ist auch klar, wer neben den bereits gesetzten Kevin Kuske und Eric Franke als vierter Mann in Walthers Schlitten in die zweite Saisonhälfte startet. Korona hat dabei den Hünen Marko Hübenbecker (Mitteldeutscher SC) aus dem großen Schlitten von Walther verdrängt, der in Oberhof eine Startzeit von 4,75 Sekunden schob. Auch im kleinen Schlitten gab es bei dem Piloten aus Altenberg zuletzt Wechsel. Beim Weltcup-Auftakt in Whistler fuhr der 26-Jährige im Viererbob ohne Kuske und Franke auf Rang zehn. Und im Zweierbob trat er mit Friedrichs Anschieber Martin Grothkopp an, holte nur Rang 15.

Doch warum der Wechsel? „Aus aerodynamischen Gründen“, erklärt Walther. Der Bob vom Stammausrüster, dem Institut für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten (FES), war zu eng für das Muskelpaket Kuske. Nun erhält Walther die Chance, beim Heim-Weltcup im Zweier mit einem Wallner-Bob zu fahren. Der Bundesverband BSD hatte sich im Sommer offiziell vier dieser Schlitten aus Österreich angeschafft, fährt somit zweispurig bis vor Olympia 2018 in Pyeongchang. Im Viererbob im Kohlgrund setzt Walther aber weiter auf den FES-Schlitten. „Die Tests liefen ordentlich, ob es für ganz vorne reicht, wird sich zeigen.“ Das erklärte Ziel bei der WM sei indes weiter eine Medaille. Jetzt erst recht. Denn nachdem der Saisonhöhepunkt von Sotschi nach Königssee verlegt worden ist, steht eine Heim-WM an. „Voriges Jahr habe ich dort im Weltcup gewonnen“, hat Walther gute Erinnerungen. „Wenn das Wetter passt, es kalt und trocken ist und wir keine Fehler machen, ist Edelmetall drin.“ Dass die WM 2017 nach Königssee und nicht nach Übersee – Lake Placid gehörte auch zu möglichen Ersatzkandidaten – verlegt wurde, hält er „aus logistischer Sicht“ für wenig überraschend. Friedrich freut sich auf die Heim-WM und rechnet sich vor allem im Zweierbob Chancen auf Gold aus – es wäre der vierte Titel in Folge für ihn. Der Pirnaer macht sich aber auch Gedanken über die Außenwirkung der Weltverbandsentscheidung. Es könnte so rüberkommen, dass die deutschen Bahnen bevorteilt werden. Schließlich fand die WM 2015 in Winterberg statt, 2020 kommt die Welt-Elite nach Altenberg.

Dort trainiert er auch in der kommenden Woche mit Walther und testet das Material. Hierbei sei noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. „Derzeit sind wir in alle Richtungen offen, was die Schlitten betrifft“, sagt Friedrich. Eine Entscheidung gebe es noch nicht. „Ich rechne damit, dass es bei der WM in Königssee sehr eng wird“, sagt der 26-Jährige. „Wenn man es auf der Geraden verbockt, hat man schnell mal zwei Zehntel Rückstand.“ Bei vier Läufen müsse es daher optimal laufen, um Titel zu holen. Ähnlich sieht es Walther. Neben Lokalmatador Lochner und Steven Holcomb aus den USA sieht auch er dort den Schweizer Rico Peter als größten Konkurrenten.