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Engel gegen Hundekot

Auf Grünflächen und in Parks häufen sich die Haufen. Für Kinder und Bäume können sie sogar zu einer Gefahr werden.

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© dpa

Von Ulrike Kirsten

Kein Mensch ist perfekt. Auch Hundebesitzer nicht. Eckehard Möller hat allein wegen seines Berufes für vieles Verständnis. „Wer nur versucht, ein bisschen besser zu sein, für den ist der Engel da“, sagt der Pfarrer und zeigt auf das kleine Plakat, das an einem Baum vor der Martin-Luther-Kirche hängt. Das Schild macht Herrchen seit gestern darauf aufmerksam, die Hinterlassenschaften seines Vierbeiners nicht auf Grün- und Parkflächen in der Neustadt liegenzulassen. Dass der Hundebesitzer das Häufchen auch ordentlich entsorgt, darüber wacht mit argwöhnischem Auge ein kleiner Himmelsbote, der auf dem Plakat zu sehen ist. „Danke fürs Mitnehmen“ ist darauf zu lesen. Künstlerisch gestaltet hat sie wieder der Comiczeichner Willy. Er hat bereits die Fliesen gegen Wildpinkler mit lustigen Szenen versehen.

Sich an die Vorschrift zu halten, ist ratsam. Sonst kann es richtig teuer werden.
Sich an die Vorschrift zu halten, ist ratsam. Sonst kann es richtig teuer werden. © dpa
Bis zu 1.000 Euro Strafe können dann nämlich fällig werden.
Bis zu 1.000 Euro Strafe können dann nämlich fällig werden. © Jörn Haufe

100 Stück hat der Neustädter Gewerbe- und Kulturverein fertigen lassen. Die Aktion ist ein weiterer Teil des Konzeptes „Szeneviertel ja, Dreckecken nein“. Die Plakate und deren Anbringung lässt sich das Ortsamt etwa 2.000 Euro kosten. Sie sollen in den kommenden Wochen unter anderem am Martin-Luther-Platz, im Alaunpark und in der Schönefelder Straße hängen. „Wir setzen mit den Plakaten da an, wo das Problem ist. Die Flächen rund um die Bäume sind beliebte Hundetoiletten. Dem Hund mag das gefallen, die Bäume vertragen das nicht“, sagt Detlef Thiel, Leiter des Amtes für Stadtgrün. Der Kot gefährde die Bäume, der Boden könne übersäuern, Rinden- und Stammschäden bewirken.

Trotz offensichtlicher Fortschritte im Kampf gegen Hundekot hat die Neustadt noch immer ein Problem mit Hundehaufen. 500.000 Euro gibt das Ortsamt jährlich für die Straßenreinigung inklusive der Beseitigung von Hundekot aus, sagt Ortsamtsleiter André Barth. Zwar müssen Fußgänger nicht mehr im Schlängellauf um die Tretminen gehen. „Aber vor allem Grün- und Parkflächen sind stark betroffen. Das macht ungefähr 30 Prozent aus“, sagt Projektleiter Torsten Wiesener vom Verein. Im Sommer sei das ein besonderes Ärgernis. „Ein Anwohner der Sebnitzer Straße konnte in diesem Jahr kaum das Fenster öffnen, weil es so gestunken hat.“ Besonders problematisch seien Hundehaufen auf Spielplätzen, wenn Kinder damit in Berührung kommen. „Die Kleinen können dadurch krank werden“, sagt Wiesener.

Eckehard Möller beobachtet etwa zehn Hundebesitzer täglich, die die Haufen auf den Grünflächen rund um die Martin-Luther-Kirche liegenlassen. Der Pfarrer betreut dort einen Baum als Pate. Gegen den Kot ist er aber machtlos. Nun sollen also die Plakate die Hundebesitzer wachrütteln. „Gegenüber den Paten, die die Pflege der Bäume übernehmen, ist das unverantwortlich. Da wird bürgerliches Engagement mit Füßen getreten“, sagt Detlef Thiel. Er sieht die Stadt aber nicht in der Pflicht, beispielsweise mehr Hundetoiletten aufzustellen. Diese wären nur ein Anreiz für Vandalismus. Bisher gibt es etwa 240 in Dresden. Mülleimer gebe es außerdem an jeder Ecke, in denen die Häufchen entsorgt werden könnten, so der Amtsleiter. Kontrollen seitens des Ordnungsamtes finden trotz der witzigen Plakate weiterhin täglich statt. Dabei wurden im November 51 Hundeführer überprüft. Diese sind nämlich gesetzlich dazu verpflichtet, die Haufen zu beseitigen und auch ein geeignetes Behältnis dafür dabei zu haben. 40 hielten sich nicht daran und mussten ein Ordnungsgeld zahlen. Das beträgt meist 35 Euro.