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Deutschland & Welt

Englands Pubs sind wieder offen

Auch in normalen Zeiten müssen Retter in England oft ausrücken, weil Pub-Besucher ihr Alkohol-Limit nicht kennen. Wie wird das erst in Corona-Zeiten?

Michael Robinson nimmt bei der Wiedereröffnung des Londoner Pubs "The Toll Gate" das erste Bier zu sich.
Michael Robinson nimmt bei der Wiedereröffnung des Londoner Pubs "The Toll Gate" das erste Bier zu sich. © Aaron Chown/PA Wire/dpa

London/Snettisham. Nach mehr als drei Monaten Schließung wegen der Coronavirus-Pandemie haben seit Samstagfrüh die Pubs in England wieder geöffnet. Der erste, der sich ein Pint gönnte, war offenbar Prinz William. Der 38 Jahre alte Enkel von Queen Elizabeth II. (94) besuchte bereits am Freitagabend einen Pub in der ostenglischen Grafschaft Norfolk in der Nähe seines Landsitzes Anmer Hall.

Er habe sich bei den Mitarbeitern erkundigt, wie sie sich mit den neuen Umständen arrangiert haben, hieß es dazu in einer Twitter-Mitteilung des Kensington-Palasts. Nebenbei ließ sich der Zweite in der britischen Thronfolge aber auch ein Pint servieren, wie auf Fotos zu sehen war. Es habe sich dabei um Cider gehandelt, berichtete die britischen Nachrichtenagentur PA. "Ich bin ein Cider-Mann", sagte William demnach über seine Vorliebe für das auf den britischen Inseln beliebte alkoholische Apfel-Getränk.

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Prinz William (r.), unterhält sich in Norfolk mit den Wirten des Pubs "The Rose and Crown" Anthony und Jeannette Goodrich über die neuen Regeln für die Wiedereröffnung des Lokals.
Prinz William (r.), unterhält sich in Norfolk mit den Wirten des Pubs "The Rose and Crown" Anthony und Jeannette Goodrich über die neuen Regeln für die Wiedereröffnung des Lokals. © Aaron Chown/PA Wire/dpa

Die Regierung hatte die Öffnung der Kneipen erst für die frühen Morgenstunden angesetzt, um zu verhindern, dass die Menschen noch in der Nacht zu den Pubs pilgern. Es gelten strenge Auflagen, beispielsweise müssen Pub-Besucher ihre Kontaktdaten hinterlassen. Bestellungen dürfen nur am Tisch oder per App aufgenommen werden.

Trotzdem wurde befürchtet, es könne zu Alkoholexzessen und Ausschreitungen kommen. Gesundheitsminister Matt Hancock warnte mit deutlichen Worten davor, über die Stränge zu schlagen: "Wer das Gesetz bricht, kann hinter Gittern landen", sagte er der "Daily Mail" am Freitag.

Rettungsdienste und Polizei in England müssen auch an normalen Wochenenden oft ausrücken, weil Pub-Besucher ihr Limit nicht kennen oder es zu Schlägereien kommt. Sie wurden in erhöhte Einsatzbereitschaft versetzt. In der Nacht zum Samstag waren sieben Polizeibeamte in London verletzt worden, als sie versuchten eine illegale Party aufzulösen. Die Teilnehmer warfen mit Backsteinen und anderen Gegenständen.

Kritiker bemängelten die Entscheidung der Regierung, die Öffnung der Pubs ausgerechnet auf ein Wochenende zu legen. "Ich hoffe sehr, dass sich die Leute verantwortungsvoll verhalten und ihren Sommer auf sichere Weise genießen", sagte Premierminister Boris Johnson in einem Radiointerview am Freitag.

Die Lockerung gilt vorerst nur in England und Nordirland. In Schottland und Wales müssen sich die Menschen noch etwas länger gedulden, bevor sie wieder in den Pub gehen können. In Großbritannien legt jeder Landesteil seine eigenen Maßnahmen in der Coronavirus-Pandemie fest.

Ausgeschenkt wurde dem britischen Video-Blogger Paul Brown zufolge spätestens ab 10 Uhr lokaler Zeit. Er war seit den frühen Morgenstunden in der Londoner Innenstadt unterwegs auf der Suche nach einem geöffneten Pub, wie er auf seinen Social-Media-Kanälen berichtete. Viele der Kneipen waren demnach noch geschlossen. Das erste Pint konnte er bei einer Kneipe der Kette Wetherspoons am Leicester Square im Londoner West End ergattern. "Wahrscheinlich das am schlechtesten gezapfte Guinness meines Lebens, aber was soll's", sagte er in einem seiner Videos.

Auch Restaurants, Friseure, Museen und Bibliotheken durften ihre Türen unter Einhaltung strikter Maßnahmen zur Kontaktbeschränkung wieder öffnen. Von einigen Experten wurden die Lockerungen als zu früh kritisiert. Mit mehr als 44.000 Todesfällen bei nachweislich mit dem Coronavirus infizierten Menschen ist Großbritannien das am stärksten von der Pandemie betroffene Land Europas.

Menschen warten in Ashford auf die Wiedereröffnung eines Barbiers.
Menschen warten in Ashford auf die Wiedereröffnung eines Barbiers. © Gareth Fuller/PA Wire/dpa

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