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Depeche Mode: Bubis werden coole Kerle

Starfotograf Anton Corbijn half, das Image der Kultcombo zu prägen. Die gesamte Entwicklung ist jetzt in einem prächtigen Bildband festgehalten worden.

Als Depeche Mode 1981 erstmals von Anton Corbijn fotografiert wurden, waren sie noch zu viert und reichlich unbedarft.
Als Depeche Mode 1981 erstmals von Anton Corbijn fotografiert wurden, waren sie noch zu viert und reichlich unbedarft. © Taschen

Viele Bands gibt es nicht, die einem Fotografen so explizit dankbar sind für dessen stilprägenden Einfluss. Unter den ganz Großen wird diese Kombination richtig selten.

Ein solcher Satz ist daher alles andere als eine Allerweltserklärung: „Anton war in der Lage, dem Sound, den wir zu kreieren begannen, eine visuelle Identität zu geben.“ Das sagte Depeche-Mode-Frontmann Dave Gahan und verneigte sich somit verbal vor dem niederländischen Fotografen, Videokünstler und Regisseur Anton Corbijn, der die Band seit Anfang der 80er-Jahre begleitet.

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Diese künstlerische Partnerschaft wird jetzt durch einen edlen Fotoband im XL-Format dokumentiert, der neben bekannten Motiven aus dem Umfeld von Plattencover-Aufnahmen durch jede Menge teils skurriler Schnappschüsse und spezieller Live-Bilder komplettiert wird.

Nicht zuletzt durch den Einfluss von Anton Corbijn wurden Andrew Fletcher, Martin Gore und Dave Gahan (v. l.) stilsichere Superstars, die selbst leicht verrückte Inszenierungen gern mitmachen.
Nicht zuletzt durch den Einfluss von Anton Corbijn wurden Andrew Fletcher, Martin Gore und Dave Gahan (v. l.) stilsichere Superstars, die selbst leicht verrückte Inszenierungen gern mitmachen. © Taschen

Als Depeche Mode im vergangenen November in die „Rock & Roll Hall of Fame“ aufgenommen wurden, erklärte Dave Gahan in seiner kurzen Ansprache: „Ich möchte mich bei Anton Corbijn bedanken, der Gott sei Dank zur richtigen Zeit zu uns stieß und uns tatsächlich cool aussehen ließ.“ Und wirklich veränderte sich die Truppe seit 1981 nicht nur musikalisch von der reinen Synthiepop-Band zur Superstar-Combo, die Elemente aus Elektronik, Rock und Blues zu epischen Songs zu schmieden und weltweit unterschiedlichstes Publikum zu überzeugen weiß. Aus ein paar Jüngelchen wurden ebenso profilierte wie individualistische Künstlerpersönlichkeiten.

Eines der „lächerlichen Outfits“, die Martin Gore tragen musste – 2005 in Jacksonville/Florida.
Eines der „lächerlichen Outfits“, die Martin Gore tragen musste – 2005 in Jacksonville/Florida. © Taschen

Die wiederum in Sachen Optik stets dem Profi vertrauten. „Ich kann ehrlich sagen, dass ich nie eines der lächerlichen Outfits, die ich tragen musste, oder die Rollen, die ich in Antons Videos, Filmen und Fotos spielen musste, infrage gestellt habe“, gab Martin Gore zu. „Wir ließen ihm fast immer völlig freie Hand – oft waren seine Ideen nur Skizzen auf einer Serviette.“ Und Andrew Fletcher ergänzt: „Bis zum Video für ,A Question OfTime‘, das wir 1986 mit Anton in L. A. machten, waren wir nicht wirklich glücklich mit der ästhetischen Seite von Depeche Mode.“ Mit Corbijn hätte sich das Ganze dramatisch verbessert. „Das war konstantes Spitzenniveau, regelrecht bahnbrechend für die damalige Zeit.“

Depeche Mode 2008 in Nordkalifornien.
Depeche Mode 2008 in Nordkalifornien. © Taschen

Corbijn resümiert in diesem Bildband, Depeche Mode bereits fotografiert zu haben, als er noch gar nicht wusste, wer die Band ist. Gahan und Co. hätten 1981 in London als Einheizer für den New-Wave-Pionier Frank Tovey alias Fad Gadget, einem Freund Corbijns, gespielt. Nur gekommen, um Fotos vom Haupt-Act zu machen, habe er halt auch bei diesen ihm völlig unbekannten Jungs ein paar Mal draufgedrückt. Jetzt waren ihm diese historischen Bilder wieder in die Finger gekommen und so schafften sie es auch ins Buch.

Einmal König sein: Für „Enjoy the Silence“ durfte Dave Gahan 1990 unter anderem bei Aufnahmen in Portugal in entsprechender Robe posieren.
Einmal König sein: Für „Enjoy the Silence“ durfte Dave Gahan 1990 unter anderem bei Aufnahmen in Portugal in entsprechender Robe posieren. © Taschen

Das zeigt nicht nur, wie aus Bubis coole Kerle wurden, sondern illustriert einen eindrucksvollen Reifeprozess. Kurze Anmerkungen Corbijns zu einzelnen Fotos, ein einführender Text sowie Interviews mit allen Beteiligten gibt es als Sahnehäubchen, zudem Skizzen und Entwürfe von Plattencovern und Bühnenbildern. Die finale Erkenntnis gibt es gratis: Nicht alles, was in den 80er-Jahren aufkam, war oder ist mies.

Das Buch: "Depeche Mode by Anton Corbijn", Hardcover, 24,3 mal 34 cm, 512 Seiten, 100 Euro; Taschen

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