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Enkel für zwei Fußballmannschaften

Eveline und Josef Andel sind seit 60 Jahren ein Ehepaar. Nicht nur sich, sondern auch der Stadt Bernstadt sind sie treu geblieben.

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© SZ/Steffen Gerhardt

Von Steffen Gerhardt

Ihre Kinder sind alle gekommen. Darüber freuen sich Eveline und Josef Andel besonders, als sie am Donnerstag zur Feier in das Restaurant der Seniorenresidenz einladen. Denn dort stoßen sie zusammen mit der Familie und Nachbarn auf ihre diamantene Hochzeit an. Das diamantene Paar hat inzwischen eine Großfamilie hinter sich, erzählt Eveline Andel. Ihre drei Jungs und die Tochter bringen es auf 15 Kinder, wobei die Tochter und ihr Mann sieben davon großgezogen haben. Die große Schar ihrer Enkel haben Andels inzwischen neun Urenkel geschenkt. „Und das Zehnte ist unterwegs“, freut sich Josef Andel.

Nun wurde am Donnerstag gefeiert, und da konnten nicht alle Enkel und Urenkel Oma und Opa zur Diamantenen gratulieren. „Wir sind ja froh, dass sie Arbeit haben. Deshalb sind wir ihnen nicht böse, dass sie nicht kommen können“, sagt die Jubilarin. Mit ihnen wäre es etwas eng geworden in der Residenz, denn Andels Nachbarschaft ließ es nicht nicht nehmen, mit ihren „Nubbern“ zu feiern. Zumal der Weg in die Pflegeresidenz kurz ist, man wohnt auf der selben Straße. In dieser leben Andels schon seit den 1950er Jahren. Eveline Andel ist in Bernstadt geboren und bei Pflegeeltern aufgewachsen. Dass sie noch fünf Geschwister hat, erfuhr sie erst später. „Zwei habe ich inzwischen kennengelernt, die anderen nicht“, sagt sie nach 82 Lebensjahren. „Meine Mutter war als Künstlerin viel unterwegs. Deshalb war ich bei Pflegeeltern untergebracht“, erklärt Eveline Andel. Bei ihren Geschwistern wird es nicht anders gewesen sein. Eveline Andel war 32 Jahre bei der Stadt als Hausmeisterin angestellt und für die Schulküche zuständig.

Josef Andel kam als Vertriebener aus dem Sudetenland nach Bernstadt. Zusammen mit Mutter, Großmutter und dem jüngeren Bruder. Sein Vater war zu der Zeit noch in Gefangenschaft. Auf dem Eigen baute sich die Familie ihre neue Existenz auf. Dabei begegneten sich Josef und Eveline und beschlossen, für immer zusammen zu bleiben. Die Hochzeit am 14. Juli 1956 verlief ganz unspektakulär. „Nur wir beide gingen aufs Standesamt und ließen uns trauen“, erzählt Josef Andel. Er arbeitete zunächst in der Wismut und wechselte kurz darauf in das Kraftwerk Hagenwerder, wo er als Baumaschinist tätig wurde. Es war eine Arbeit, die ihn körperlich forderte. Seine Gesundheit litt darunter, sodass er frühzeitig in Rente gehen musste. „Ja, die Arbeit steckt mir noch heute tief in den Knochen“, sagt er. Dennoch ist er glücklich darüber, dass er mit seinen 84 Jahren immer noch neben seine Eveline sitzt. Und auch darüber, dass er Auto fahren kann. „Große Strecken legen wir nicht mehr zurück, aber nach Löbau oder Zittau sind wir regelmäßig unterwegs“, erzählt er. „Es sind vor allem die Arztbesuche, zu denen wir das Auto brauchen“, ergänzt die Ehefrau.

Die Dinge des täglichen Lebens holen sich Andels in Bernstadt. Die Auswahl an Geschäften und Dienstleistungen in der Stadt reicht ihnen aus. „Dennoch war die Auswahl in früheren Jahren in der Stadt größer“, kritisieren beide. Auch wenn ihr Einkaufsmarkt gleich um die Ecke liegt, begrüßt das Seniorenpaar, dass ein zweiter Markt gebaut wird. Diese Entwicklung zeigt sich bei Gaststätten nicht. „Wir waren oft in dem Eiscafé am Markt, aber das existiert auch nicht mehr“, bedauert Josef Andel. Was die eigene Feier zum 60. Ehejubiläum betrifft, standen Andels vor der Frage: Wohin laden wir unsere Gäste ein? Eine Gaststätte mit Mittagstisch bietet in der Stadt nur die Pflegeresidenz. Viel wichtiger ist Andels, „dass wir mit uns und unseren Kindern zufrieden sind“, sagt die Frau.