Merken

Enthüllungen beim Enthüller?

Der Journalist Günter Wallraff wird beschuldigt, einen Ex-Mitarbeiter illegal beschäftigt zu haben.

Teilen
Folgen

Von Silvia Stengel

Gerade erst hat Günter Wallraff für Aufsehen gesorgt, als er die „Menschenschinderei“ bei dem Paketdienst GLS anprangerte. Der europaweit tätige Zusteller würde Dumpinglöhne von umgerechnet drei bis fünf Euro zahlen. Nun ist der Enthüllungsjournalist selber ins Visier geraten. Die Kölner Staatsanwaltschaft prüft jetzt, ob Wallraff einen Mitarbeiter beschäftigt habe, ohne Steuern und Sozialabgaben zu entrichten.

Der ehemalige Mitarbeiter will so eine Art Privatsekretär für Wallraff gewesen sein und jahrelang für einen Niedriglohn gearbeitet haben: Einkäufe erledigt, Anrufe entgegengenommen, Termine vereinbart. Das Geld dafür habe er bar und ohne Belege bekommen. Zugleich war er Hartz-IV-Empfänger. Demgegenüber sagte Wallraff, er habe dem Mann helfen wollen, ihn gelegentlich beschäftigt, aber nie fest angestellt und ihm auch kein monatliches Festgehalt bezahlt.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt außerdem gegen Wallraff, weil der 69-Jährige möglicherweise an ihn gezahlte Honorare nicht ordnungsgemäß versteuert haben soll. Wallraffs Anwalt Winfried Seibert sagte, sein Mandant werde mit den Ermittlern zusammenarbeiten: „Wir halten nichts zurück.“

Gerade Wallraff hat mit seinen Recherchen immer wieder Missstände angeprangert. Bereits sein Buch „Ganz unten“ über den Türken Ali von 1985 bewegte Millionen Menschen. 2009 erschien das Buch „Aus der schönen neuen Welt“ mit seinen Erlebnissen als Obdachloser, Mitarbeiter in einem Call-Center oder einer Großbäckerei. Aber auch zu diesen Recherchen gibt es jetzt Berichte, die Wallraff unter Druck setzen. Die Unterschrift unter einer eidesstattlichen Versicherung soll gefälscht gewesen sein, sagte der Ex-Mitarbeiter. Außerdem seien für andere eidesstattliche Versicherungen bei den Zeugen zunächst Blanko-Unterschriften eingeholt worden. Auf diese Formulare habe man später ihre Aussagen gedruckt. Wallraffs Anwalt sagte, ob eine Aussage mit einer gefälschten Unterschrift existiere, werde derzeit geprüft. Wallraff selbst wisse davon nichts. Mit Blankounterschriften zu arbeiten, sei ein übliches Verfahren. Der Text werde dann telefonisch oder per E-Mail mit den Zeugen abgestimmt. „Er hat immer das letzte Wort.“

Wallraff selbst wollte am Montag zunächst nichts zu den Vorwürfen sagen. Er stellte Strafanzeige gegen den Ex-Mitarbeiter, weil dieser Gespräche Wallraffs abgehört habe. Insgesamt zeigte sich der Anwalt des Journalisten optimistisch. Die eingeleiteten Verfahren würden irgendwann zeigen, dass die Vorwürfe nicht stimmten. (mit dpa)