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Entscheidung im Fassadenstreit

Die Mehrheit der Langebrücker ist gegen eine umstrittene Gestaltungssatzung. Ist die jahrelange Debatte um das „Blaue Haus“ in dem Dresdner Stadtteil damit beendet?

© Thorsten Eckert

Von Thomas Drendel

Langebrück. Einwohner von Langebrück hatten am Wohlsonntag nicht nur zwei Kreuzchen in der Kabine zu setzen, sondern ein Drittes. Sie waren dazu aufgerufen, über das künftige Aussehen des Ortsbildes zu entscheiden. Und die Langebrücker machten von ihrem Recht reichlich Gebrauch. Mehr als 83 Prozent aller Wahlberechtigten machten bei der Abstimmung mit. Das Ergebnis fiel denkbar knapp aus: 52,1 Prozent sprachen sich für eine Abschaffung der Langebrücker Erhaltungs- und Gestaltungssatzung aus. 47,9 votierten für eine Beibehaltung. Bei dem Ergebnis fällt eine Besonderheit auf. Im Wahllokal Langebrück Süd, also im Villengebiet, gab es eine knappe Mehrheit für eine Beibehaltung der Satzung. Hier stimmten 51 Prozent dafür und 49 Prozent dagegen. Im Unterdorf ist es aber umso deutlicher, nämlich 54 dagegen und 46 Prozent dafür.

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Ortsvorsteher Christian Hartmann (CDU) zeigte sich in einer ersten Reaktion wenig überrascht. „Wir hatten uns dafür entschieden, die Langebrücker zu diesem wichtigen Thema zu befragen. Jetzt liegt das Ergebnis vor und wir werden den Willen der Mehrheit umsetzen.“ Nach seinen Worten werde der Ortschaftsrat jetzt zunächst das offizielle Endergebnis abwarten. Auf der Sitzung am 17. Oktober soll es verkündet werden. „Anschließend wird der Ortschaftsrat dem Stadtrat vorschlagen, die Langebrücker Erhaltungs- und Gestaltungssatzung aufzuheben. Er entscheidet dann endgültig.“

Damit ist jedoch zu rechnen. In Langebrück gelten dann wie in den meisten anderen Ortsteilen nur noch das allgemeine Baurecht und die Vorschriften des Denkmalschutzes. „Damit werden im Ort freilich die baulichen Freiräume größer. Es eröffnen sich für Bauherren mehr Möglichkeiten“, sagt er. Allerdings rechnet er nicht damit, dass sich am Ortsbild schnell etwas ändert. „Das wird ein schleichender Prozess über Jahre.“ Das – wenn auch knappe – Votum der Bewohner des Villenviertels für eine Beibehaltung kann er verstehen. „Sie sind natürlich eher daran interessiert, dass in dem Wohngebiet strenge gestalterische Maßstäbe angelegt werden. Das erhöht den Wert des Wohngebietes insgesamt.“

Die Gründe für den Bürgerentscheid vom Sonntag reichen bis ins Jahr 2014 zurück. Damals entzündete sich ein Streit um das sogenannte „Blaue Haus“, einem mit kräftigem Farbton gestrichenen Gebäude. Doch das missfiel einigen Langebrückern offenbar. Sie teilten ihren Unmut den zuständigen Ämtern mit. Danach wurde ein Verfahren wegen Verstoß gegen die Gestaltungssatzung angeschoben. Das wollte der Geschasste nicht auf sich sitzen lassen. Befürworter des blauen Hauses zogen daraufhin mit dem Fotoapparat los und lichteten Beispiele weiterer vermeintlicher Verstöße auf. Die Stadt griff in einigen Fällen durch. Sie ließ mehrere Häuser umstreichen. Grundlage für das Vorgehen der Verwaltung bildete die Langebrücker Gestaltungssatzung. Sie ist in der Stadt Dresden eine Besonderheit. Sie wurde vom einstigen Langebrücker Gemeinderat verabschiedet und bei der Eingemeindung des Ortes 1999 in geltendes Stadtrecht überführt. Sie enthält zum Teil strengere Regelungen als im restlichen Stadtgebiet.