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Politik

Entsetzen nach Schüssen auf Schwarzen

Bei einem Polizeieinsatz in den USA wird ein Schwarzer schwer verwundet. Drei Monate nach dem Tod von George Floyd für viele ein weiterer Beweis für Rassismus.

Ein Mann springt in Kenosha über eine Tränengaswolke, während er von Polizisten mit einem Gummigeschoss beschossen wird.
Ein Mann springt in Kenosha über eine Tränengaswolke, während er von Polizisten mit einem Gummigeschoss beschossen wird. © Sean Krajacic/The Kenosha News/AP/dpa

Kenosha. Mehrere Schüsse in den Rücken eines Schwarzen bei einem Polizeieinsatz im US-Bundesstaat Wisconsin haben Entsetzen und Protest ausgelöst. Die beteiligten Beamten wurden nach Angaben des zuständigen Justizministeriums vom Montag beurlaubt. Die Ermittlungen laufen noch. Der demokratische Präsidentschaftsbewerber Joe Biden forderte eine sofortige, umfassende und transparente Aufklärung.

Nach übereinstimmenden Berichten von US-Medien hatten zwei Polizisten am Sonntag ihre Waffen auf den Mann gerichtet und mindestens sieben Schüsse auf ihn abgegeben, als er in sein Auto stieg. Der Anwalt der Familie, Ben Crump, gab den Namen des Mannes mit Jacob Blake an und verbreitete über Twitter ein Video des Vorfalls. Der Gesundheitszustand des Verletzten wurde als "ernst" beschrieben.

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Infolge des Polizeieinsatzes kam es in der Stadt Kenosha zu Protesten und Ausschreitungen. Fotos zeigten ausgebrannte Autos und Müllwagen und beschädigte Gebäude. Für die Nacht von Montag auf Dienstag wurde eine Ausgangssperre verhängt.

Ende Mai hatte der Tod des unbewaffneten Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz in der Stadt Minneapolis im Bundesstaat Minneapolis landesweite Massenproteste gegen Rassismus und Polizeigewalt ausgelöst. Die Debatte spielt auch im US-Wahlkampf eine zentrale Rolle.

Der Bürgerrechtsanwalt Crump erklärte auf Twitter, sein Mandant habe bei einem "häuslichen Zwischenfall" schlichten wollen. Dann hätten die Polizisten ihre Waffen auf ihn gerichtet. Zunächst sei Blake von einer Elektroschockpistole getroffen worden. Als er im Auto nach seinen Kindern habe sehen wollen, hätten die Beamten mehrere Schüsse in seinen Rücken abgegeben. Die drei Söhne hätten dies miterlebt.

Ein Video, das Crump über Twitter verbreitete, zeigt, wie Blake um einen Wagen herumgeht, während ihm zwei Polizisten mit gezogener Waffe folgen. Als er die Wagentür öffnet und einsteigen will, schießt mindestens einer der Polizisten aus unmittelbarer Nähe auf ihn. Auf der Aufnahme sind sieben Schüsse zu hören und verzweifelte Rufe wie: "Lasst ihn gehen!"

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Biden erklärte dazul: "Das Land wacht wieder einmal mit Trauer und Empörung auf, dass ein weiterer schwarzer Amerikaner Opfer übermäßiger Gewalt geworden ist." Seine Vize-Kandidatin, Senatorin Kamala Harris, meinte auf Twitter: "Jacob Blake sollte gerade nicht um sein Leben kämpfen." Die Sprecherin des Repräsentantenhauses, die Demokratin Nancy Pelosi, erklärte: "Wir sind es Jacob, seinen Kindern und allen schwarzen Amerikanern schuldig, der Rassenungerechtigkeit und der Polizeigewalt ein Ende zu setzen."

Das Justizministerium des Bundesstaats Wisconsin als leitende Ermittlungsbehörde kündigte an, innerhalb von 30 Tagen einen Bericht vorzulegen. (dpa) 

In diesem Videobild versammeln sich Demonstranten in der Nähe des Ortes, an dem ein Schwarzer von einem Polizisten angeschossen worden ist.
In diesem Videobild versammeln sich Demonstranten in der Nähe des Ortes, an dem ein Schwarzer von einem Polizisten angeschossen worden ist. © Wdjt-Tv/WDJT-TV/AP/dpa

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