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Er fing wie Google und Apple an – in der Garage

Die Köhler GmbH ist einer der erfolgreichsten Elektrobetriebe im Kreis Meißen. Für Nachwuchs lässt man sich einiges einfallen.

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© Sebastian Schultz

Von Dominique Bielmeier

Jürgen Köhler spricht leise und überlegt, fast wirkt er ein wenig schüchtern. Die Erfolge seines Elektro-Unternehmens in Röderau-Bobersen, einem Gemeindeteil von Zeithain, aufzuzählen, fällt dem 51-Jährigen nicht leicht. Zum Glück ist der Konferenzraum weniger bescheiden.

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An der Stirnseite des Raumes hängt ein Querschnitt der Dresdner Frauenkirche. Fast vier Jahre lang hat der Handwerksbetrieb zusammen mit einer Dresdner Firma die gesamte Elektroinstallation in der wieder aufgebauten Kirche durchgeführt. Kabel und Datennetze mussten bis in 77 Meter Höhe verlegt, das gesamte Gotteshaus beleuchtet werden; alles unter der Voraussetzung, dabei nicht zu stark in das historische Vorbild einzugreifen.

Köhler erwähnt diesen Jahrhundertauftrag nicht einmal. Auch, dass er sich als Obermeister der Elektroinnung Riesa-Großenhain für das Handwerk in der Region einsetzt, sagt er nur nebenbei. Lieber spricht er über ein Blatt Papier, das in einem dunklen Holzrahmen an einer anderen Wand hängt. „Was ist ein Kunde?“, lautet die Überschrift des kurzen Textes, der sich zusammenfassen ließe mit: Er ist immer König. Die Mitarbeiter sollten auch wissen, sagt er, dass die Kunden das Geld nicht für den Chef zahlen – sondern für die Mitarbeiter selbst.

Und um diese zu finden, zu fördern und somit langfristig zu halten, lässt sich der Familienbetrieb einiges einfallen. Denn auch er spürt den Fachkräftemangel, nach und nach scheiden Mitarbeiter aus Altersgründen aus. „Diese wollen wir ersetzen mit Bewerbern aus der Region oder mit Leuten, die vielleicht aus den alten Bundesländern zurückkehren wollen“, sagt Köhler. So wie sein eigener Bruder Falk, der nach der Wende kurz in Hessen gelebt hatte, bevor er als zweiter Geschäftsführer zurück in die Heimat zog. Im Moment hat der Betrieb fünf Auszubildende unter 85 Mitarbeitern; wenn es nach Jürgen Köhler ginge, könnten es auch neun bis zehn sein.

Allein die Lehrlinge zu finden, ist die Herausforderung. Um sich bekannter zu machen, hat der Betrieb mit einem Werbefilm im Riesaer Kino auf offene Ausbildungsstellen hingewiesen. Zweimal wurde der Spot jeweils über drei Monate mehrmals gezeigt, rund 10 000 Euro hat das gekostet. „Man muss mit den entsprechenden Medien auf die Jugendlichen zugehen“, sagt Köhler. Seit November ist die Firma deshalb auch auf Facebook vertreten. Eine der ersten Botschaften: Wir bilden aus – bewerbt euch jetzt! Im selben Monat konnte der Betrieb sich über einen großen Erfolg seiner Nachwuchsförderung freuen: Toni Friesecke, der bei der Köhler GmbH zum Elektroniker in der Fachrichtung Automatisierungstechnik ausgebildet wurde, nahm als Landessieger an den Deutschen Meisterschaften im E-Handwerk teil. Wenn der junge Mann in diesem Jahr sein Studium beginnt, wird er auch dabei von seinem Ausbildungsbetrieb unterstützt, immer in der Hoffnung, dass er danach in die Heimat und vor allem in die Firma zurückkehren wird. Darin liegt der Erfolg des Unternehmens selbst: Jürgen Köhler hat seine Heimat nie verlassen. Dort, wo er heute arbeitet, hat er als Kind gespielt. Aus dem ehemaligen Wohnhaus der Familie wurde über die Jahre ein Bürokomplex, das gesamte Unternehmen liegt mitten im Wohngebiet in Bobersen, auf dem Grund, der früher der Familiengarten war. 1990 startete die Köhler GmbH als Zwei-Mann-Betrieb. „Ich war der einzige Angestellte meines Vaters“, erzählt Jürgen Köhler und lacht. Weil es kurz nach der Wende keine Gewerbegebiete gab, musste das elterliche Grundstück dran glauben. Wie die Erfolgsgeschichten von Google oder Apple begann auch die der Köhler GmbH in einer Garage.

„Ziel war es von Anfang an, ein mittelständisches Unternehmen aufzubauen“, sagt der zweifache Familienvater. 30 Mitarbeiter in fünf Jahren – darüber lächelten anfangs viele. Zur Büro-Garage kam eine zweite, bis schließlich auch das Wohnhaus für die Firma geopfert wurde. Heute leben die Eltern und die Familien der beiden Brüder zusammen in einem Haus, das direkt neben der Firma gebaut wurde.

Der Betrieb wächst inzwischen eher qualitativ als quantitativ. Erst im vergangenen Jahr wurden 70 000 Euro in die Umstellung der Firmensoftware investiert. Den Monteuren soll es bald möglich sein, mit ihren Smartphones Arbeitszeiten oder Lieferscheine direkt vor Ort zu erfassen.

Die Fußballspieler auf dem Foto im Regal, sind das eigentlich Mitarbeiter? Nein, Spieler der SG-Kreinitz. „Wir sponsern kleinere, regionale Vereine“, sagt Köhler. Weil er danach gefragt wurde.

Zudem wurden vorgeschlagen: Alexander Creutzburg von der Xport Communication GmbH, Dresden; Stephan Namokel von der Landmaxx BHG GmbH, Coswig; Dr. Kay Dornich von der Freiberg Instruments GmbH, Freiberg.

Unternehmerpreis 2016/17

„Sachsens Unternehmer des Jahres“ ist eine Initiative von Sächsischer Zeitung, Freier Presse und MDR sowie von Volkswagen Sachsen, der Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft PwC, der LBBW Sachsen Bank, der Sparkassen-Versicherung Sachsen und des Eventausrüsters Congressteam in Dresden.

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