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Er markiert, wo es langgeht

Jörg Hassmann ist fast jeden Sonntag im Coswiger Friedewald unterwegs. Mit einem Rucksack voller Farbtöpfe.

© Norbert Millauer

Von Uta Büttner

Coswig. Rot, gelb, grün, blau, lila, zweimal weiß. Wandern. Die einen packen ihre Schnitten ein, er kleine Farbtöpfe mit Schweizer Spezialfarbe. Sie sind das Wichtigste in seinem Rucksack, wenn Jörg Hassmann fast jeden Sonntagmorgen mit seiner Lebensgefährtin in den Friedewald in Coswig aufbricht. Sein Glück: Er ist 1,83 Meter groß. Wäre er zehn Zentimeter kleiner, müsste er noch eine Fußbank mitschleppen.

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Ab April, wenn es frostfrei ist, bis Oktober ist Jörg Hassmann auf dem etwa 60 Kilometer umfassenden Wegenetz im Coswiger Friedewald unterwegs. Drei Lehrpfade und ein Stück Pilgerweg gehören dazu. Jeden Stein, jeden Baum, ja jeden Grashalm dürfte er inzwischen kennen. Denn bereits seit 13 Jahren wandert er regelmäßig durch diesen Wald. Und es macht ihm immer noch Spaß. Denn neben seiner Liebe zur Natur ist der 69-jährige Rentner der Wegewart von Coswig. Ein Ehrenamt, zu dem er im Stadtrat berufen wurde.

„Ich wandere schon immer gern.“ Ein wunderbarer Ausgleich zum ehemaligen Schreibtischtäter. „Und dabei habe ich gesehen, dass die Ausschilderung die wichtigste Komponente ist. Ich dachte, das könnte ich auch machen.“ Damals, als er begann, wollte er sich in Radebeul engagieren. Wo er auch wohnt. Doch die Stadt hatte keinen Bedarf. Und so kam Coswig ins Spiel. Elvira Winter von der Stadtverwaltung, vor allem als Marktleiterin bekannt, ist auch für die Wanderwege verantwortlich. Sie freut sich sehr über die Hilfe von Jörg Hassmann. „Ohne ihn würde ich das alles gar nicht schaffen“, sagt sie.

Neben Farben und Pinseln hat der Rentner auch noch Werkzeug im Gepäck. Wie beispielsweise eine Gartenschere zum Verschneiden herabhängender Äste oder zu stark wuchernder Büsche. Denn die Wegzeichen sollen immer gut sichtbar sein. „Das sind aber immer nur kleine Ästchen, die ich entferne.“ Wenn größere Arbeiten nötig sind oder Jörg Hassmann beschädigte Bänke, Schutzhütten oder Brückengeländer entdeckt, dann meldet er es Elvira Winter. Oder auch, wenn neue Wegweiser-Schilder benötigt werden.

Seine Hauptarbeit ist aber das Malen der Wegzeichen. Wie viele es davon im Friedewald gibt, kann der Rentner nicht sagen. An einigen Bäumen sind beispielsweise gleich vier Markierungen zu finden. Und obwohl er so oft im Friedewald unterwegs ist, immer gibt es etwas zu malen. Mal verblasst die Farbe, mal verwittert ein Baum und fällt sogar um. „Dann muss die Fläche an einem neuen Stamm geschaffen werden.“ Deshalb hat er auch immer Werkzeug dabei. Und mit einem Mal Farbe auftragen ist es auch nicht getan. „Ich muss mehrere Farbschichten aufbringen. Und manchmal deckt die Farbe auch nicht.“

Viele Wanderwege führen durch den Coswiger Friedewald. Selbst sieben Kilometer des Jacobsweges. Der längste Grünstrich führt von der Fähre Kötitz über den Gabelweg nach Dippelsdorf, und weiter nach Moritzburg. Er beträgt etwa 8,5 Kilometer. Auch kümmert sich der Wegewart um die Ausschilderung und die Wegezeichen der Lehrpfade in Zusammenarbeit mit der Stadt. Die IG Friedewald hat die Lehrtafeln mit Informationen über Pflanzen- und Gesteinsarten und die Geschichte gestaltet. Jörg Hassmann engagiert sich selbst auch in der Interessengemeinschaft. Beispielsweise kümmern sich die Mitglieder gemeinsam mit der Kirchgemeinde um den Seerosenteich, einst aus einem Steinbruch entstanden. Grund- und Regenwasser speisen ihn. Es gibt keinen Zu- oder Abfluss. Der Teich soll erhalten bleiben. Deshalb muss darauf geachtet werden, dass er nicht verlandet. Um das zu verhindern, werden im Winter – wenn sich eine Eisschicht gebildet hat – die Pflanzen oberhalb der Eisdecke abgeschnitten. Und als größere Aktion ist in diesem Jahr noch das Absaugen von Faulschlamm geplant.

Wie lange der 69-Jährige dem Ehrenamt noch nachgeht, weiß er im Moment nicht. „Das hängt von meiner Gesundheit ab.“ Sein Nachfolger sollte aber mindestens 1,75 Meter groß sein. Ansonsten wäre dann eine Fußbank fällig. Denn „manche Zeichen befinden sich ziemlich weit oben“, sagt der Wegewart lachend.