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Görlitz

Er war der Architekt im Hintergrund

Michael Marx war Vorstand des Kirchlichen Verwaltungsamtes Lausitz. Am 26. Februar ist er im Alter von 59 Jahren gestorben.

Michael Marx war schier unerschöpflich in seiner planerischen Fantasie für hilfreiche Regelungen, die ohne großen Aufwand umgesetzt werden konnten. ©  privat

Von Dr. Thomas Koppehl

Michael Marx erlag den Folgen eines schweren Schlaganfalls, den er zwei Tage zuvor erlitten hatte. Von einem Tag zum andern wurde er mitten aus dem Leben gerissen. Seine Frau, seine ganze Familie, die Mitarbeitenden in den drei Standorten des Kirchlichen Verwaltungsamtes, viele Menschen, die mit ihm zusammenarbeiteten und ihn schätzten stehen voller Erschütterung und Trauer vor dem Unbegreiflichen. Der Trauergottesdienst mit anschließender Beisetzung fand am 8. März in der Christuskirche Görlitz-Rauschwalde statt.

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Dort in Rauschwalde wuchs er als Sohn eines Zugführers bei der Deutschen Reichsbahn und einer Verwaltungsmitarbeiterin der Evangelischen Jugendarbeit auf. Er absolvierte die Erweiterte Oberschule, ging zur Armee, heiratete während dieser Zeit und wurde Vater zweier Töchter. Er studierte an der Technischen Hochschule Dresden Elektrotechnik und begann seine berufliche Laufbahn als Forschungsmitarbeiter im Kondensatorenwerk Görlitz.

1992 wurde das Unternehmen von der Treuhandanstalt liquidiert und Michael Marx musste sich wie so viele andere völlig neu orientieren. Auf Anraten seiner Mutter bewarb er sich als Verwaltungsangestellter beim Konsistorium der damaligen Evangelischen Kirche des Görlitzer Kirchengebiets. Dort baute er das kirchliche Meldewesen neu mit auf. Später wurde er Referent für Rechtsangelegenheiten und arbeitete sich in kirchenrechtliche Materien ein.

Mit der Vereinigung der beiden Landeskirchen Berlin-Brandenburg und Schlesische Oberlausitz wurde Michael Marx 2004 Leiter des kirchlichen Verwaltungsamtes Görlitz im Kirchenkreisverband Schlesische Oberlausitz. Er spielte eine entscheidende Rolle beim Zusammenführen der beiden Verwaltungen sowie bei der Umstellung der Arbeit vor Ort.

Diese Umstellungen und Umbrüche sollten sein ganzes Arbeitsleben prägen. In immer kürzeren Zeitabschnitten mussten Veränderungen bewältigt werden, die alle Bereiche betrafen. Zuerst waren drei Kirchenkreise zusammenzuführen, dann ein paar Jahre später noch der vierte dazu. Schließlich sollte das Verwaltungsamt Görlitz mit den Ämtern in Cottbus und Lübben vereinigt werden. Es entstand das Verwaltungsamt Lausitz mit drei Standorten, deren Leitung Michael Marx 2015 übernahm.

Die Umstellung auf die erweiterte Kameralistik, die Durchführung der Bewertung des gesamten Vermögens, IT-Sicherheit, Arbeitsschutz – eine nicht enden wollende Kette von Systemveränderungen ließe sich aufzählen, die technisch effektiv bei laufendem Betrieb umgesetzt werden mussten. Es war die große Gabe von Michael Marx diesen Wandel Schritt für Schritt mit strategischem Blick und taktischen Geschick anzugehen. Er entwickelte die Prozesse im Gespräch und hatte Freude daran, wenn tragfähige Strukturen aufgebaut waren und sich im Alltag bewährten.

Was trieb Michael Marx an? Eine Mitarbeiterin sagte kürzlich im Gespräch, es war die Liebe zu den Gemeinden, die ihn antrieb. Ihnen Luft zu verschaffen, sich im Hören auf das Evangelium eigenständig zu entwickeln, mitten in unserer verrechtlichten Gesellschaft und Kirche mit ihren immer neuen institutionellen Anforderungen.

Ein besonderes Anliegen waren ihm die Kinder und Jugendlichen in den Gemeinden. Dass die gemeindlichen Träger von Kindertagesstätten die nötige Unterstützung erfahren, war ein durchgehender Schwerpunkt seiner Arbeit. Michael Marx war der Architekt im Hintergrund, der das Konzept des „unterstützenden Kirchenkreises“ in der schlesischen Oberlausitz möglich gemacht hat. Unerschöpflich war seine planerische Fantasie für hilfreiche Regelungen, die ohne großen Aufwand und statistischen Erhebungen umsetzbar sind. Oft sprach er davon, dass die wichtigste Ressource dafür das Vertrauen der Beteiligten zueinander ist. Darin lebte die Zusammenarbeit auf Leitungsebene und im Kreiskirchenrat. Immer ging es darum Nötigungen der Verwaltung in ihrem Sinnaspekt den Gemeinden umgangssprachlich zu verdeutlichen und umgekehrt Anliegen der Gemeinden in die nötige Flexibilität der Verwaltung zu übersetzen. Dafür war es ihm immer wieder wichtig, Druck herauszunehmen, kritische Positionen mit einzubeziehen, erste Schritte zu vereinbaren und verlässlich zu gehen.

Dass er unter dem permanenten Druck auch gelitten hat, soll hier nicht verschwiegen werden. Verwaltung hat mit Menschen und dazu mit technischer Genauigkeit zu tun, wo kleine Fehler große Folgen haben können. Zur Bewältigung daraus resultierender Ängste brauchte er das Gespräch mit Vertrauten und Freunden. 2012 kam es zu einer gesundheitlichen Krise. Er musste den Kampf mit dem Krebs bestehen, der Vater starb, die Ehe zerbrach. Ganz wichtig war ihm, dass der Kontakt zu seiner Familie, seinen Töchtern und Enkeln auch in der persönlichen Neuorientierung nicht verloren ging.

Es war ein glückliches Erleben als er im Juni vergangenen Jahres in neuer Partnerschaft Hochzeit feiern konnte. Michael Marx hat in den Veränderungen und Umbrüchen seines Lebens zu einer Frömmigkeit gefunden, in der sein Vertrauen, seine Kreativität und Liebe sich immer wieder erneuerten. Wir haben einen wundervollen Menschen verloren und trauern. Die Gemeinden in der schlesischen Oberlausitz und im Kirchenkreisverband Lausitz, viele Menschen in unserer Landeskirche, sind dankbar für das Lebenswerk von Michael Marx. Er hat sich um unsere Kirche verdient gemacht.

Dr. Thomas Koppehl ist Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Schlesische Oberlausitz.

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