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„Er war immer freundlich“

Nachbarn können nicht fassen, dass ihr Mitbewohner seine Töchter umgebracht haben soll. Gorbitz am Tag nach der Tat.

© Roland Halkasch

Von Franziska Klemenz

Fünf bunte Luftballons hält das grinsende Nilpferd im Maul, das auf der Fußmatte abgebildet ist. Wer an der Wohnung im vierten Stock vorbeigeht, könnte sie für einladend, für freundlich halten. Wie ihren Mieter. Nur das Siegel auf der Holztür stört. Es ist ein Siegel, das Spezialisten des Landeskriminalamts am Sonntag nach der Spurensicherung angebracht haben. Der Mieter der Wohnung soll ein Straftäter sein. Ein Mann, der das Leben seiner beiden Töchter im Alter von drei und sechs Jahren gewaltsam beendet hat.

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Stundenlang sicherten Spezialisten des Landeskriminalamts die Spuren.
Stundenlang sicherten Spezialisten des Landeskriminalamts die Spuren. © Franziska Klemenz

55 Jahre ist der Verdächtige alt, Nachbarn kennen ihn als „Eddie“ A. Er soll als Pfleger arbeiten, stammt aus Mosambik und hatte die Mädchen nur vorübergehend bei sich, in seiner Wohnung in der Straße Am Gorbitzbach. Eigentlich leben sie bei ihrer 35-jährigen Mutter, die ebenfalls aus Mosambik stammt. Sie soll auch in Gorbitz wohnen. Weil der Vater die Schwestern nicht wie vereinbart zu seiner früheren Lebensgefährtin zurückgebracht hat, sorgte sie sich um ihre Töchter und rief die Polizei. Am Samstagabend fuhren Beamte zu der Wohnung, um nach den Kindern zu sehen. Schwer alkoholisiert sei der Vater gewesen, seine Töchter tot. Wiederbelebungs-Versuche konnten sie nicht retten, Polizisten nahmen den Vater vorläufig fest.

Am Tag nach der Tat prallt das Sonnenlicht auf den Plattenbau, Birkenblätter rascheln im Wind. Nur der Polizeiwagen vor dem Haus passt nicht ins idyllische Bild. Im Sechsgeschosser hat sich herumgesprochen, was passiert sein soll. „Als wir gesehen haben, wie er in so einem weißen Spurensicherungs-Anzug von der Polizei abgeführt wird, konnten wir es nicht fassen“, sagt eine Mieterin aus dem zweiten Stock. Lange kannten die Bewohner den Mann im Haus noch nicht. „Er ist vor etwa drei Monaten eingezogen“, sagt ein junger Mieter aus dem fünften Stock. „Wir sind völlig schockiert davon, was bei uns passiert ist. Er war unauffällig, immer freundlich und hilfsbereit. Hat tragen geholfen, wenn man schwere Einkäufe hatte.“ Ein Nachbar aus dem Erdgeschoss zeichnet ein ähnliches Bild. „Er ist nie negativ aufgefallen, ich habe ihn eigentlich nur wahrgenommen, weil er so oft zur Straßenbahn gelaufen ist.“ Als A. einzog, sagt die Dame aus dem zweiten Stock, sei er zu ihr gekommen, um sich vorzustellen. „Er hat mir die Hand gegeben und gesagt: Hallo, ich bin Eddie, Ihr neuer Mitbewohner. Er war immer freundlich, immer.“ Sie beschreibt einen Mann, der stets gut gekleidet gewesen sei. Die beiden Mädchen sollen einen Kindergarten in der Nähe besucht haben.

Die 35-jährige Mutter sah man selten im Haus. Ab und zu im Flur, sagen Nachbarn. „Ich habe sie und Eddie manchmal auf einer Bank am Bach nebeneinander sitzen sehen“, sagt die Mieterin aus dem zweiten Stock. Wie das Verhältnis der getrennt lebenden Eltern war, weiß niemand im Haus. Über Gründe für A.s Tat können sie nur mutmaßen. „Aber wir kannten ihn ja kaum“, so ein Bewohner vor dem Haus.

Bei der Polizei war er allerdings schon bekannt. Bereits zum Jahreswechsel habe es einen Fall von häuslicher Gewalt der Lebensgefährtin gegenüber gegeben, sagte Polizeisprecher Thomas Geithner.

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