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Erdbeben in Tschechien bis nach Sachsen spürbar

© dpa

Das Beben mit dem Epizentrum bei Nový Kostel nahe der deutschen Grenze ist am Sonnabendmittag auch bis weit in den Freistaat spürbar gewesen.

Dresden. Ein stärkeres Erdbeben im Nordwesten Tschechiens ist am Samstagmittag bis nach Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen spürbar gewesen.

Das Epizentrum des Bebens mit einer Magnitude von 4,2 lag in Nový Kostel nahe der deutschen Grenze, wie Petra Buchholz von der Erdbebenwarte des Geophysikalischen Observatoriums der Universität Leipzig auf dem Collmberg sagte. Der Erdstoß wurde um 12.37 Uhr registriert.

Das Geophysikalische Institut der tschechischen Akademie der Wissenschaften gab die Stärke des Bebens sogar mit 4,5 an. „Es war so stark, dass die Menschen aus den Häusern gerannt sind“, sagte ein Augenzeuge aus der Region nahe dem Epizentrum dem tschechischen Fernsehen. In der Gemeinde Stribrna bei Cheb (Eger) stürzten Kamine ein, zahlreiche Mauern bekamen Risse, wie die örtliche Feuerwehr mitteilte. In der Region war ein deutliches Rumsen zu spüren.

Die Erschütterungen strahlten bis Oschatz und Leipzig/Halle sowie von Ostthüringen über das Vogtland bis zum Osterzgebirge und nach Dresden aus. Beim Institut, bei der Polizei und beim Oberbergamt Sachsen gingen viele Anrufe besorgter Bürger ein.

„Leute aus Chemnitz, Erzgebirge und Vogtland fragen, was los ist“, sagte ein Mitarbeiter des Oberbergamtes in Freiberg. Die Zwickauer Polizei bekam Berichte über einen lauten Knall und wackelnde Häuser.

Auch in der Erdbebenwarte Collm lief das Telefon heiß. „Die Anrufer sprechen von klirrenden Gläsern, wackelnden Fußböden und schwankenden Häusern“, sagte Mitarbeiterin Buchholz. Der Tenor der Anrufer in Ostthüringen, vor allem aus Jena und Umgebung: „Die Erde hat gebebt“, wie eine Sprecherin der Landeseinsatzzentrale in Erfurt sagte. Über Verletzte und Schäden an Gebäuden auf deutschem Territorium liegen keine Informationen vor.

Laut einem Bericht von MDR Info gab es Beben dieser Art in der Region zuletzt vor fast 30 Jahren. Erst vor einer Woche hatte in der Gegend um Nový Kostel eine Erdbebenserie mit einem Ausschlag bis 3,5 ins Vogtland ausgestrahlt. Damals vermuteten Experten, dass es sich um ein Haupt- sowie kleinere Nachbeben statt der üblichen sogenannten Schwarmbeben handelt. Diese kleinen Beben in dichter zeitlicher Reihenfolge im gleichen Gebiet sind nicht selten. Auch dem jüngsten Erdstoß werden viele dieser Nachbeben folgen, sagte Buchholz. „Das kann über Wochen und sogar Monate anhalten.“

Für den Menschen spürbare seismische Aktivitäten sind im Gebiet des Egerer Beckens, in dem die Städte Cheb (Eger) und Franzensbad (Františkovy Lázne) liegen, nicht ungewöhnlich. Dass sich die Erschütterungen über so große Entfernungen bemerkbar machen, kommt aber weniger häufig vor. (dpa/szo)