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Erfolgreiche Uhrmacherin

Hanna Steffen ist eine der Besten ihres Faches in Sachsen. Eigentlich hatte die junge Frau ganz andere Berufspläne.

© Egbert Kamprath

Von Maik Brückner

Glashütte. Erfolg im zweiten Anlauf. Mit diesem Satz könnte man den bisherigen Ausbildungsweg von Hanna Steffen kurz zusammenfassen. Sie gewann den Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks „Profis leisten was“ im Fach Uhrmacherei in Sachsen, obwohl sie ursprünglich ganz andere Berufspläne hatte. Eigentlich wollte sie Archäologin werden. Und anfangs sah es auch so aus. Sie begann das Studium. „Nach dem Bachelor habe ich aber aufgehört“, erzählt die 26-Jährige. Die Arbeit als Archäologin habe sie sich anders, praktischer vorgestellt, erzählt die junge Frau mit einem Lächeln. Und so geht es sicher auch anderen. Jeder hat beim Wort Archäologe diese Bilder im Kopf: Da hocken Menschen in Sandgruben und legen mit dem Pinsel Knochen, Schmuck und Münzen frei. Ganz so ist es nicht. „Der Pinsel kommt eher selten zum Einsatz“, erzählt sie. Außerdem sitzt man sehr lange in Bibliotheken und an Computern, um die Funde zuzuordnen und Ähnlichkeiten zu anderen Ausgrabungen zu finden. Kurzum, es war ihr zu theoretisch.

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Ein Onkel lenkte Hanna Steffen auf die Uhrmacherei. „Er selbst ist Uhrenliebhaber“, erzählt sie. Hanna Steffen ließ sich von seiner Begeisterung anstecken. Die junge Frau begann, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Da sie in einem Dorf in Schleswig-Holstein aufgewachsen ist, bewarb sie sich Anfang 2014 für einen Probetag beim Juwelier und Uhrenhersteller Wempe, der sein Stammhaus in Hamburg hat. Sie wurde genommen und arbeitete für einen Tag in einer Filiale in der Hansestadt. Weil ihr die Arbeit gefiel, bewarb sie sich wenig später um einen Ausbildungsplatz bei eben jener Firma.

Dass ihre Wahl auf Wempe und auf keine der anderen Uhrenfirmen fiel, hatte praktische Gründe. Wempe ist jene Uhrenfirma, die eben auch in Norddeutschland aktiv ist. Nach der Ausbildung könnte das relevant bei der Jobsuche werden, dachte sich die junge Frau.

Bei Wempe hieß man die Norddeutsche willkommen. „Es ist nicht unüblich, dass sich junge Menschen erst im zweiten Anlauf für die Uhrmacherei entscheiden“, sagt Ausbildungsleiterin Elisabeth Gläser. Sie habe kein Problem damit, dass diese Bewerber vorher etwas anderes probiert haben. Nach ihrer Erfahrungen seien diese Bewerber dann fest entschlossen, ihre Ausbildung mit guten Ergebnissen abzuschließen. Sie gingen ihre Lehre sehr entschlossen an. Und so war es auch bei Hanna Steffen. Sie fuchste sich schnell ein, lernte, wie Uhren montiert werden. Und auch mit den Schräubchen, Zahnrädchen und Gravuren konnte sie sich rasch anfreunden.

Ihre Ausbildung schloss die junge Frau mit Eins ab. „Es war ein überdurchschnittliches Ergebnis“, sagt Frau Gläser. Die Handwerkskammer Dresden hat das nun gewürdigt. Auch die anderen vier Wempe-Lehrlinge haben gute Ergebnisse erreicht. Deshalb hat die Firma allen eine Übernahme angeboten, erzählt Frau Gläser. Einer wechselte zum Ausbildungszentrum nach Hamburg, ein anderer ging zur Niederlassung nach London, um dort als Trainee zu arbeiten. Ein Dritter stieg nach der Ausbildung zum stellvertretenden Ausbildungsleiter in Glashütte auf, und zwei – darunter Hanna Steffen – wechselten zur Glashütter Servicewerkstatt vom Wempe.

Die 26-Jährige fühlt sich hier sehr wohl. Die Arbeit ist sehr abwechslungsreich, sagt sie. Zum einen habe sie es hier mit sehr viel verschiedenen Uhren zu tun. zum anderen sei jede Uhr eine neue Herausforderung. Denn bei Zeitmessern, die nicht mehr funktionieren, stellt sich die knifflige Frage: Wo liegt der Fehler? Hanna Steffen stellt sich dieser Aufgabe mit Freude. Allerdings gibt es Dinge, die auch sie nicht so einfach lösen kann. Deshalb sie sie froh, dass sie hier zwei Kollegen hat, die ihr mit Rat und Tat zur Seite stehen. Fertigkeiten und Geduld müsse jeder selbst mitbringen. Denn auch wer im Service arbeitet, braucht Geduld – und das nicht nur beim Ein- und Ausbauen oder der Reinigung, sondern auch im Allgemeinen. So müsse man sich darauf einstellen, dass man auf Ersatzteile warten muss. Um keinen Leerlauf zu haben, arbeiten die Service-Uhrmacher meist an mehreren Uhren parallel.

Bis zum Sommer wird Hanna Steffen noch in Glashütte bleiben. Dann möchte sie in die Heimat zurückkehren und in Hamburg arbeiten. Bis dahin wird man sie nicht nur in der Uhrmacherwerkstatt antreffen, sondern ab und zu auch auf dem Pferd. Denn Ausgleich zur Arbeit findet die junge Frau beim Westernreiten.