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Erfurter Architekt forscht zu Oberlausitzer Autobahnen

Bertram Kurze geht einem Autobahnkreuz bei Görlitz nach. Jetzt hofft er auf Zeitzeugen.

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© Deutsche Fotothek

Von Claudia Wieltsch

Jüngst begeisterte der Erfurter Architekturhistoriker Dr. Bertram Kurze zahlreiche Zuhörer mit seinem Vortrag zur Baugeschichte der Reichsautobahnen in Mitteldeutschland. In diesem ging es insbesondere um die Planungs- und Baugeschichte der Autobahnen Dresden-Görlitz sowie Stettin-Görlitz-Zittau-Reichenberg. Im Anschluss an den Vortrag gab es eine interessante Diskussionsrunde sowie verschiedene Nachfragen und Hinweise zur Nord-Süd-Autobahn. Spuren der geplanten Strecke sind noch heute in den Wäldern um Niesky aufzufinden, ein Zeitzeuge bot spontan eine Flurbegehung an. Damit war der Forschergeist des leidenschaftlichen Historikers erneut entfacht, und Dr. Kurze erforscht seitdem die spannenden Planungen und die Bauarbeiten für die Ost-Oder-Autobahn in der Oberlausitz näher.

Konkrete Vorüberlegungen für eine Nord-Süd-Autobahn östlich der Oder, die die Autobahnen Berlin-Stettin-Ostpreußen mit Berlin-Cottbus-Schlesien verbinden sollte, tauchten erstmals um die Jahreswende 1936/37 auf. Offenbar waren sich alle sächsischen Fachleute schnell einig, eine Verlängerung dieser Reichsautobahn in die Oberlausitz zu fordern, wenige Monate später feilschte man schon um Details. Zunächst sollte in unserer Region „nur“ der im Juni 1937 zum Bau freigegebenen Reichsautobahnabschnitt (A4) bei Weißenberg mit einer großzügig ausgebauten Landstraße angeschlossen werden, um von dort eine möglichst günstige Nord-Süd-Anbindung über Muskau, Forst an die Autobahn Berlin-Breslau sowie nördlich Frankfurt/Oder an die Autobahn Berlin-Stettin zu haben.

Im Zuge des Ausbaus der Landstraßen erhielt die Stadt Niesky 1938 eine großzügige Ortsumgehung der Reichsstraße 115.

Die Planungsprämissen änderten sich durch die Einverleibung von Teilen Böhmens im Herbst 1938. Neben den seinerzeit sofort diskutierten Autobahnen Chemnitz-Karlsbad und Dresden-Lobositz(-Prag) wurde die dritte neue Linie von Görlitz über Zittau zur neu ernannten sudetendeutschen „Gauhauptstadt“ Reichenberg vom Generalinspektor klar favorisiert. Diese sollte die nun logische Verlängerung der vorgesehenen Reichsautobahn Stettin-Landsberg (Warthe)-Frankfurt/Oder-Forst-Guben-Spremberg, der so genannten Ost-Oder-Linie, über Görlitz nach Böhmen bilden. Im April 1939 begannen die Bauarbeiten. Ein paar Wochen später stand das künftige Autobahnkreuz der Reichsautobahnen Dresden-Görlitz und der Ost-Oder-Linie bei Oberrengersdorf fest.

Südlich davon sind bis zum November 1940 umfangreiche Planungen geleistet und das komplette Brückenverzeichnis angelegt worden. Weitere Vorplanungen verfolgte die Dresdner Bauleitung bis östlich von Niesky. Am nordöstlichen Stadtrand, in Richtung Priebus bis zum Odertal über Heide, war man ganz offenbar bedeutend weiter, denn dort waren bereits umfangreiche Rodungs- und Erdarbeiten 1939 ausgeführt worden. Diese Arbeiten mussten wohl zum Kriegsbeginn wieder eingestellt werden, während sie sich an der Reichsautobahn Dresden-Görlitz (A4), insbesondere zwischen Weißenberg und Görlitz bis Mai 1942 hinschleppten. Da amtliche Archive zum Teil seit dem Krieg verschollen oder wenig aussagefähig sind, bittet Dr. Kurze nun um aktive Mithilfe bei allen Einwohnern. Gesucht werden vor allem historische Fotos und Informationen aus der fraglichen Zeit vom Rodungs- und Baugeschehen, das am nordöstlichen Stadtrand von Niesky begann. Erste Ergebnisse will Bertram Kurze bereits am 8. November im Konrad-Wachsmann-Haus Niesky vorstellen.

Kontakt: Bertram Kurze, 99096 Erfurt, Friedrich-Ebert-Straße 50, E-Mail an [email protected] oder unter 0152 03847472