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Bautzen

Die Parkretter von Milkwitz

Ein Ehepaar aus dem Radiborer Ortsteil hat das Gelände gekauft. Damit es erhalten bleibt, gibt es nun eine Stiftung.

Christa Heide freut sich, dass der Park im Radiborer Ortsteil Milkwitz wieder so schön geworden ist. Tochter Ines Heide und Schwiegersohn Albrecht Kuhne haben das Grundstück 2001 gekauft. Die vierbogige Hausteinbrücke ist etwas Besonderes. © Steffen Unger

Radibor. Für Christa Heide sind die Besuche im Park Milkwitz Kindheitserinnerungen und Zukunftsvisionen zugleich. Christa Heide stammt aus Milkwitz und ihre Familie hat früher schon Verbindungen zu den Besitzern von Park und Herrenhaus gehabt. Das erzählt sie gern auch den Besuchern des Parkes, wie jetzt der Seniorengruppe aus Neschwitz.

Schritt für Schritt

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Der Ort Milkwitz wurde erstmals 1394 als Rittersitz Milkewicz urkundlich erwähnt. Dabei handelte es sich um eine Wasserburg, dessen Lage sich heute noch im Milkwitzer Park erahnen lässt. So ist zum Beispiel eine vierbogige Hausteinbrücke Zeugnis für den Zugang zur Wasserburg. Diese Brücke wie auch viele andere historische und noch erhaltene Dinge haben Ines Heide und Albrecht Kuhne wieder in Ordnung gebracht und durch Firmen bringen lassen. „Alles schafft man nicht alleine, da müssen schon Fachleute ran“, sagt das Ehepaar. Bei der Brücke handelt es sich um eine Trockenbrücke, da fallen dann schon mal Steine aus den Rundbögen, wenn sie verwittern. Doch die beiden haben es geschafft, und die parkprägende Brücke ist wieder sicher.

Urgroßvater war herrschaftlicher Kutscher

2001 haben sie den Park und das anliegende Herrenhaus gekauft. „Es war uns wichtig, weil da auch Kindheitserinnerungen dran hingen. Und die Erzählung der Großeltern“, sagt Ines Heide. Der Urgroßvater war immerhin herrschaftlicher Kutscher. Familie Heide stammt aus Milkwitz und ihr ist der Ort als Heimat ziemlich wichtig. Das hat auch Albrecht Kuhne schnell erkannt, schließlich stammt er aus Bad Muskau, ein Ort, der ebenfalls mit einem fantastischen Landschaftspark aufwarten kann. Der Beginn war ziemlich schwierig, denn das Gelände war total vermüllt. Doch stückchenweise konnte der Park wieder in ursprüngliche Strukturen gebracht werden. „Dabei mussten wir ja auch immer darauf achten, Naturschutz und Park in Einklang zu bringen“, sagt Albrecht Kuhne. Im Frühjahr kann man nicht mähen oder die Gräben entschlammen, weil sonst die Frösche leiden würden. Auch auf die Eulennester musste Rücksicht genommen werden, wenn Baumarbeiten anstanden. So wie voriges Jahr. Der Sturm hat ziemlichen Schaden angerichtet. Ein Baumkletterer hat sie beseitigt und einige Bäume gekürzt. „Wir sind froh, dass die große Weide sich wieder erholt hat“, sagt Ines Heide. Über 30 Meter hoch sind die ältesten Bäume. Die dreifarbigen Buchen neben dem Herrenhaus begeistern die beiden immer wieder. Das ehemalige Herrenhaus haben Ines Heide und Albrecht Kuhne sanieren lassen. Es entstanden fünf Wohnungen, die alle vermietet sind. Die Mieter können den Park mit nutzen.

Interessanter Fund beim Aufräumen

Aber es gibt noch andere Besonderheiten. So zum Beispiel den alten Widder, eine hydraulische Pumpe, die ohne Strom Wasser zu den früheren Hochbehältern pumpte, das dann zur Bewirtschaftung genutzt wurde. Zu Zeiten des Barons Arnold Gustav Heinrich Freiherr von Vietinghoff-Riesch, dem letzten Besitzer bis Kriegsende, gab es sogar eine Brennerei hier. Peter Heide, der Mann von Christa Heide, hat den Widder bei Aufräumarbeiten gefunden. „Wir dachten erst, es ist eine Bombe, weil er so verrostet war“, sagt Ines Heide. Die Milkwitzer haben Kontakt zu der Firma aufgenommen, die auch heute noch solche Anlagen bauen. Nun können sich die Besucher die Funktionsweise zeigen lassen. Überhaupt möchten die Besitzer, die den Park von Anfang an offengehalten haben, gern den Besuchern mehr über Geschichte und Leben erzählen. Derzeit werden neue, überarbeitete Schilder hergestellt, die auf die Besonderheiten im Park hinweisen und etwas über die Geschichte erzählen. Für Kindergarten- und Schulgruppen gibt es verschiedene Möglichkeiten, sich hier nicht nur umzuschauen und zu spielen, sondern auch etwas zu lernen. Zum Beispiel in Physik. Es gab aber auch schon Geburtstags- und Firmenfeiern im Park.

Verbindungen zum Schloss Neschwitz

Damit diese Anlage erhalten bleibt, haben Ines Heide und Albrecht Kuhne eine gemeinnützige Stiftung gegründet. „Damit stellen wir den Landschaftspark Milkwitz langfristig auf feste Beine“, sagt Albrecht Kuhne. Vor allem auch, um die Geschichte zu erhalten und einzuordnen in die benachbarten Anlagen, wie zum Beispiel Neschwitz. Dass es da eine Menge Verbindungen gibt, das erfuhren dann auch die Neschwitzer Senioren, die selbst teilweise Geschichten zu dieser Zeit beitragen konnten. Wer Interesse an der Stiftung hat oder mitwirken will, kann sich gern an die Milkwitzer wenden.

Kontakt: [email protected]

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