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Erinnerung an Besetzung der M-Hütte

1991 wollte die Belegschaft das Ende des Betriebes in Großdubrau verhindern. Am Sonntag gibt es dazu eine Podiumsdiskussion.

© Uwe Soeder

Großdubrau. Es ist der 18. Juni 1991. Die Belegschaft des kurz vor der Wende modernisierten „VEB Porzellanwerk Margarethenhütte“ in Großdubrau demonstriert und blockiert das Werkstor. Die Menschen verhindern damit den Abtransport des Maschinenparks, erzählen ehemalige Mitarbeiter. Denn die Treuhand hatte entschieden: Das Werk wird geschlossen, obwohl es rund 800 Arbeitsplätze in einer strukturschwachen Region hat, obwohl das Werk noch produziert und einen Auftrag für den Schweizer Konzern ABB abarbeitet.

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Die Werksleitung habe vieles versucht, um die Treuhand zu besänftigen, heißt es vor Ort. Es seien Investoren gefunden worden, die Belegschaft will eine GmbH gründen. Doch die Treuhand habe nichts akzeptiert. Als die Besetzer das Werkstor verlassen, werden die modernen Maschinen abtransportiert und der Konkurrenz übergeben, berichten ehemalige Mitarbeiter. Das Werk ist abgewickelt.

Der Schmerz sitzt bei den Menschen in der Region noch immer tief. Viele können bis heute kaum über die dramatischen Ereignisse von damals reden. Deshalb hat der Förderverein der Margarethenhütte nun eine Veranstaltung mit Filmvorführung, Podiumsdiskussion mit Staatsministerin Petra Köpping und anschließender Führung über das Gelände organisiert. Die Veranstaltung am Sonntag steht unter der Überschrift: „Das Ende der Sprachlosigkeit – Man hat uns nicht nur den Betrieb genommen, sondern auch die Würde“.

Wichtig, diese Zeit zu betrachten

Der Museumsverein hatte Staatsministerin Petra Köpping nach ihrer Rede im Oktober vergangenen Jahres zu den Nachwende-Ungerechtigkeiten und Demütigungen zu dieser Veranstaltung eingeladen: „Gerade weil der Ort des Arbeitens für Frauen und Männer in der DDR einen enorm wichtigen Stellenwert hatte, resultieren aus der Ignoranz gegenüber dem Schicksal vieler Ostdeutscher Kränkungs- und Demütigungsgefühle – oft auch bei denen, die sich letztlich erfolgreich durchgekämpft haben“, so Staatsministerin Köpping. Es sei wichtig, die Zeit erneut zu betrachten und zu bewerten. Um die Lebensleistung der Ostdeutschen würdigen zu können, müsse zudem eine zeitnahe ehrliche Aufarbeitung der Treuhand-Tätigkeiten erfolgen.

Der Förderverein Margarethenhütte, der in den letzten Jahren durch den Aufbau eines Museums an die Zeit des Betriebes erinnert, hofft darauf, dass sich nicht nur ehemalige Porzellanwerker an dieser Diskussion beteiligen. Nach der Diskussionsrunde gibt es einen Rundgang durch das Museum, in dem in diesem Jahr viel erreicht wurde. So konnte das Dach im hinteren Teil über dem Hochspannungsprüffeld repariert werden, es gab neue Fenster und einen behindertengerechten Eingang. (szo)

Podiumsdiskussion im Museum der Margarethenhütte am Sonntag von 10 bis 14 Uhr, Hermann-Schomburg-Straße 6, Großdubrau, Zufahrt: Zur Kohlengrube

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