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Erinnerungen in Schwarz-Weiß

Gotthard Petzold hat in den 1920er und 1930er Jahren als Drogist in Waldheim gearbeitet und fotografiert. Jetzt sind seine Bilder erstmals ausgestellt.

© Dietmar Thomas

Von Andreas Neubrand

Görlitz – Immer eine Reise wert

Die Stadt Görlitz wird von vielen als „Perle an der Neiße“ oder „schönste Stadt Deutschlands“ bezeichnet. Warum? Das erfahren Sie hier.

Waldheim. Die Galerie der François Maher Presley Stiftung ist gut besucht, als Werner Petzold, der Sohn des Fotografen Gotthard Petzold erzählt, wie es zu der Ausstellung „Waldheims vergessener Fotograf“ kam. „Ich habe in der Zeitung einen Artikel über die Talsperre gelesen, darin wurde Herr Löwe erwähnt. Da ich noch viele Fotos von meinem Vater besitze, rief ich Löwe an und fragte ihn, ob er interessiert ist“, so Petzold. Matthias Löwe war gespannt. „Auf dem Weg in den Urlaub bin ich bei Herrn Petzold vorbeigefahren und habe mir die Schmuckstücke angesehen und war fasziniert“, sagt er. Nach dem Sichten der Fotografien habe er Kontakt mit François Maher Presley aufgenommen. „Er wollte schon früher, dass ich eine Ausstellung konzipiere und das habe ich dann mit den Bildern von Gotthard Petzold auch getan“, so Matthias Löwe. Er sichtete die Bilder, entwarf ein Konzept, setzte Themenschwerpunkte und suchte die dazu passenden Bilder aus.

Insgesamt 87 Fotografien sind in der Ausstellung an der Schloßstraße zu sehen, geordnet in sechs Themenbereiche, wie Gefängnis, Einweihung der Talsperre, Wochenmarkt oder Photohaus C. F. Gauer Waldheim. „Dort hat mein Vater jahrelang als Drogist gearbeitet“, klärt Petzold auf. „In den zwanziger Jahren hat ein Drogist die Kunden auch hinsichtlich der Fotos und der Fotoapparate beraten. Da blieb es nicht aus, dass er die Apparate alle auch ausprobiert hat. Und so sind all diese Bilder hier entstanden.“ Neben den vielen Aufnahmen, die Petzold beim Testen der neuen Kameramodelle und für sich privat schoss, sind auch Auftragsarbeiten für die Papierfabrik Kübler und Niethammer dabei.

Bei vielen Besuchern wecken die Fotografien nostalgische Gefühle. „Für uns ist es interessant, noch einmal zu sehen, wie es hier in den 1920er und 1930er Jahren aussah“, erzählen die beiden Schwestern Susanne und Gudrun Rees. „Hier kommen alte Bilder von damals noch einmal in Erinnerung.“ Auch Margitta Weickert denkt bei dem Anblick an früher. „Ich finde die Bilder beeindruckend“, sagt sie. „Bei manchen kommen Erinnerungen hoch. Wie zum Beispiel an den Wochenmarkt. Auch wenn er in meiner Kindheit anders aussah. Trotzdem bin ich beim Anschauen wieder Kind und gehe an der Hand meiner Mutter über den Markt. Nur schade, dass es viele dieser alten Geschäfte nicht mehr gibt.“

Auch Dominique Rost gefallen die historischen Aufnahmen. „Ich interessiere mich sehr für die Stadt Waldheim und ihre Geschichte. Wenn ich diese Bilder sehe, bin ich fasziniert, wie es früher hier ausgesehen und wie vielleicht meine Oma gelebt hat. Ich stelle mir dann vor, wie sie sich damals gefühlt hat“, sagt Rost. „Ganz toll“, findet auch Hans-Ulrich Schindler die Ausstellung. „Mich interessiert es, wie es in Waldheim früher aussah. Zum Beispiel dort, wo ich jetzt wohne. Auch finde ich es schön, dass es Leute wie Herrn Löwe gibt, die sich die Mühe machen und eine solche Ausstellung konzipieren.“