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Erklärungsversuche am Tag danach

Linke, Grüne und SPD haben Stimmen verloren, die FDP konnte zulegen. Was sagen dazu die Kandidaten?

© Daniel Schäfer

Von Christian Eissner

Sächsische Schweiz/ Osterzgebirge. Die CDU wird aller Voraussicht nach auch die nächste Bundesregierung führen – und der Landkreis hat keinen CDU-Abgeordneten mehr in Berlin. Wer also soll die Interessen der Region im Bundestag vertreten? Nur die AfD? „Ich werde mich wie bisher schon für die Belange der Menschen im Landkreis einsetzen“, sagt André Hahn, der für die Linkspartei auch dem nächsten Bundestag angehören wird. Der Gohrischer hätte sich insgesamt ein stärkeres Abschneiden der Linken bei der Wahl gewünscht. Warum die Wähler eher die AfD statt der Linken als Alternative zur bisherigen Regierung sehen, das ist eine der Fragen, die sich die Linke nun stellen muss. Das sieht auch André Hahn so. „Für eine Antwort darauf ist es einen Tag nach der Wahl noch zu früh“, sagte Hahn am Montag der SZ. Künftig auf einfache und plakative Antworten setzen werde die Linke dennoch nicht, erklärt Hahn. „Dafür sind die gesellschaftlichen Probleme, die gelöst werden müssen, zu komplex.“

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Die SPD im Landkreis hätte sich sicher gefreut, wie die Linke 13,8 Prozent zu erreichen. Mit ihrem Ergebnis von 7,8 Prozent können die Sozialdemokraten nicht zufrieden sein. Dass die SPD hohe Verluste bei der Bundestagswahl hinnehmen musste, schreibt SPD-Direktkandidat Klaus Wolframm vor allem der Großen Koalition zu. „Das habe ich nie für eine gute Idee gehalten.“ Die SPD, so Wolframm, brauche ein eigenes politisches Profil und nicht das der CDU, um Wähler überzeugen zu können. Dass die Sozialdemokraten sich nun für die Rolle der Opposition im Bundestag entscheiden wollen, findet Wolframm deshalb richtig. Aus dem Erfolg der AfD müsse die SPD auch im Freistaat und auf kommunaler Ebene die richtigen Schlüsse ziehen.

Bündnis 90/Grüne haben in der Sächsischen Schweiz und im Osterzgebirge drei Prozent der Wähler überzeugen können, viel weniger als erhofft. Sie werde sich aber nicht zurückziehen, sagt Direktkandidatin Ines Kummer. Im Gegenteil. Traditionell „grüne“ Themen habe man im Wahlkampf nicht ausreichend bedacht, merkt sie selbstkritisch an. „Das werden wir ändern.“

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FDP-Direktkandidat Lothar Brandau freut der Stimmengewinn für die FDP. Die Liberalen erreichten bei der Bundestagswahl vor vier Jahren im Landkreis 3,2 Prozent, diesmal 8,3 Prozent. Er freue sich, dass er zu dem Ergebnis habe beitragen können. Zum Abschneiden der AfD sagt Brandau, es helfe niemandem, jetzt den Teufel an die Wand zu malen. „Wer Protest gewählt hat, möchte auf Missstände hinweisen. Das muss man ernst nehmen.“