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Erleuchtung an Bahn 9

In Dresden können Minigolf-Spieler jetzt in versunkene 3D-Welten eintauchen.

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© René Meinig

Von Henry Berndt

Der Jubelschrei bleibt mir im Hals stecken. Der erste Schlag auf Bahn 1 ging zwar schnurgerade über die Metallbrücke in Richtung Loch. Allerdings knallte der Ball hinten an die Begrenzung und kam exakt denselben Weg zurück.

Die erste überraschende Erkenntnis: Die 3D-Brille hilft nicht beim Minigolfen. Im Gegenteil, die Entfernungen auf der Bahn sind um einiges schwerer einzuschätzen. Das 3D-Erlebnis findet um mich herum statt. Minigolf bleibt aber Minigolf. Die Bahn selbst ist ja nun mal schon rein physisch 3D.

An diesem Nachmittag teste ich die gerade neu eröffnete Indoor-Minigolfanlage „Blackluxx“ in einem alten Industriebau an der Stadtgrenze zu Radebeul. Zwölf Bahnen in sechs Räumen gilt es zu meistern. Der Bahnrekord liegt bei 36 Schlägen, lass ich mir sagen. Wenig ist bekanntlich gut. Am Tresen gibt es zunächst die Ausrüstung: einen neongrünen Schläger, einen pinkfarbenen Ball, Block und Stift sowie eine 3D-Brille mit weißem Rahmen, mit der ich der Star auf jeder Nerd-Party wäre.

Hinter der ersten Tür erwartet mich das Weltall – und es ist auch ungefähr so kalt. Am Tag zuvor ist die Heizungsanlage ausgefallen. Normalerweise sollen hier aber angenehme 22 Grad herrschen. Mit der 3D-Brille auf der Nase erwachen die Wände zum Leben. Fast hätte ich meine Tasche auf einem futuristischen Schaltpult abgestellt – der allerdings nur angemalt ist. Die Graffiti-Kunst um mich herum, die im Schwarzlicht grell bunt leuchtenden Bahnen, die Stars-Wars-Melodie aus dem Lautsprecher – das macht schon alles was her. Jetzt wird aber erstmal geminigolft.

Nach dem Fehlschuss im ersten Versuch ist der zweite deutlich erfolgreicher. Mit Nummer Drei loche ich ein. Gleich nebenan wartet die nächste Bahn. Für einen Linkshänder, der gern nach rechts ausholen würde, ist hier allerdings wenig Platz neben der Wand. Nach zwei Fehlversuchen jage ich den Ball die Metallrampe hoch und auf der anderen Seite ins Loch.

Wenn ich bislang Minigolf gespielt habe, dann meist auf halb zerbröselten Betonbahnen, auf denen natürliche Hindernisse wie Moos und Pfützen die Regel sind. Hier drin dagegen gibt es weder Rillen noch Dellen – und deshalb auch keine Ausreden. Andererseits sind die Bahnen auch nicht viel anders angelegt, als ich es seit meiner Kindheit kenne: Hier um die Ecke, da eine Rampe hoch, durch eine Röhre, im Zickzack. Alles Klassiker. Immerhin, einige bunte Metallkonstruktionen bieten Abwechslung.

Im nächsten Raum tauche ich ein in eine Unterwasserwelt samt versunkener Frauenkirche. Das ist alles richtig große Kunst – gestaltet übrigens durch den international bekannten Graffiti-Künstler Costwo. Seine Meerjungfrau sieht fast ein bisschen gruselig aus. Das Spiel selbst wird da fast zur Nebensache. Spätestens im dritten Raum wünsche ich mir insgeheim ein paar coole Spezialeffekte. Lichtspiele, Sounds. Der Ball müsste im Loch verschwinden und woanders wieder auftauchen. Das würde doch gut hierher passen. Ohne all das ist es eben „nur“ Minigolf – allerdings in einer faszinierend gestalteten und völlig wetterfesten Umgebung.

An Bahn 9 wartet eine kleine Gemeinheit: Schwarze Hindernisse auf schwarzem Grund. Natürlich tappe ich in die Falle. Nach einem durchspielten Dschungelraum lande ich zum großen Finale über den Wolken. Aus dem Lautsprecher erklingt Reinhard May mit dem passenden Lied dazu. Ohne Zweifel der Höhepunkt meiner Spielrunde! Am Ende komme ich auf 43 Schläge und verpasse den Bahnrekord um einiges.

Aber sind wir ehrlich: Das hier ist eher eine interaktive Kunstausstellung als eine Minigolfanlage. Spaß macht es trotzdem. Oder gerade deswegen.