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„Erlkönig“ wird zum Genießertipp

In Görlitz gibt‘s mit der „Bierblume“ eine dritte Hausbrauerei. Hergestellt werden Helles, Saisonbiere und auch Cider.

© Pawel Sosnowski

Von Frank-Uwe Michel

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Görlitz. Schuster bleib bei deinen Leisten – dieses Sprichwort trifft in abgewandelter Form auch auf Diana Klaus-Metzner und Alexander Klaus zu. Das fränkisch-oberlausitzische Ehepaar hat in der Schanze 24 Anfang Februar die „Bierblume“ eröffnet – einen Laden, in dem man ihr selbst gebrautes Bier und viele andere Sorten von Kleinbrauereien aus der Region, zum Beispiel von der Genussbrauerei Krause aus Görlitz, aus Bautzen, Wittichenau und Cottbus bekommen kann. Darüber hinaus Bierspezialitäten aus ganz Europa und natürlich aus Franken. Zu dieser Region haben die beiden Jungbrauer eine besondere Beziehung.

In Franken, bei der kleinen Rötzer Genossenschaftsbrauerei, begann der Berufsweg des Paares, das jetzt in Görlitz nach einer kurzen Unterbrechung seine Fortsetzung findet. „Ich war in Bayern zwölf Jahre bei der Bundeswehr, danach wollte ich aber Brauer lernen“, erzählt der in Löbau geborene und in Bernstadt aufgewachsene Alexander Klaus. Zusammen mit seiner Frau verkostete er alle in der Region erhältlichen Biere und fragte bei jener Brauerei nach einer Ausbildung, aus der das seiner Meinung nach süffigste Bier kam. Parallel dazu ließ sich Diana Klaus-Metzner zur Biersommelière ausbilden. Die junge Frau hatte schon immer eine besondere Beziehung zu diesem Getränk. „Meine Oma betrieb ein bayerisches Wirtshaus, in dem das Bier noch als Kulturgut verstanden wurde und auch zuweilen als Zahlungsmittel galt.“ Nach seiner Ausbildung machte sich das Paar im Fränkischen selbstständig. Mit eigener Gaststätte und Kreativbrauerei. Drei Jahre bewirtete man die Gäste und sammelte Erfahrungen in der Bierherstellung. Dann wurde Alexander Klaus‘ Mutter krank und die beiden wechselten in die Oberlausitz. „In der neuen Heimat wollten wir eigentlich nichts mehr mit Bier zu tun haben, das sollte ein abgeschlossenes Kapitel sein.“ Doch so leicht kamen sie doch nicht davon los. Im Gegenteil: Sie lernten den heimischen Biermarkt kennen und stellten fest: Da schlummert Potenzial. Zudem fragten Freunde immer wieder nach, ob sie als gelernte Brauer nicht selbst etwas kreieren könnten.

Den Startschuss dazu gab es 2015 an der Bautzener Berufsakademie. Dort hatten sich Alexander Klaus und seine Frau in der Fachrichtung Public Management eingeschrieben. „Wir haben dort ein paarmal ‚Bachelor-Bräu‘ gemacht, der Zuspruch war jedes Mal riesig.“ Deshalb traten sie an das Bautzener Brauhaus heran, ein kleineres Unternehmen, das überwiegend den lokalen und regionalen Markt versorgt. Das Okay der Geschäftsleitung war der Beginn einer neuen Ära. Seitdem mieten sich die Neu-Görlitzer regelmäßig für einen Tag ein, produzieren in dem Sudkessel 1 800 Liter Bier, das in Flaschen abgefüllt oder in Fässern momentan bis nach Dresden geliefert wird. Ende Mai 2017 war es das erste Mal, bis jetzt haben sie drei Sude hergestellt. Dass dies so problemlos funktioniert, ist ihrem guten Netzwerk zu verdanken. „Den Malz kaufen wir dem Bautzener Brauhaus ab, den Hopfen bringen wir selbst mit, die Hefe beziehen wir von der Löbauer Brauerei“, erzählt Diana Klaus-Metzner, die seit April vergangenen Jahres auch Görlitzer Grünen-Chefin ist. Kaum hergestellt wird das Bier in Bautzen in Fässer umgefüllt, nach Görlitz in die Kühlung gefahren, sechs Wochen gelagert und dann in Flaschen abgefüllt.

Doch was ist das Besondere an dem Bier der nach Obermühle und Genussbrauerei Krause jüngsten Görlitzer Hausbrauerei? „Wir haben mit dem ‚Erlkönig‘ ganzjährig ein Helles im Bestand. Dazu kommt ein ‚German Pale Lager‘, das nach dem Brauen noch einmal mit Aromahopfen versetzt wird und sich ‚Barthel Schulze‘ nennt“, erklärt deren Schöpfer. Barthel Schulze sei der bürgerliche Name des früheren Görlitzer Bürgermeisters Bartholomäus Scultetus und besitze damit lokalen Bezug, so Alexander Klaus. Darüber hinaus habe man mit dem „Bierzauberer“, einem nach alter Tradition erzeugten Starkbier, und „Maronenale“, in das Esskastanien eingemaischt wurden, bereits zwei Saisonbiere kreiert.

Jüngste Errungenschaft ist ein neuer Sudkessel, mit dem bis zu 220 Liter herstellbar sind. Damit wollen sich die beiden Hausbrauer vor allem an Bieren im obergärigen Bereich ausprobieren. Eine andere Idee haben sie schon umgesetzt: Aus naturtrübem Apfelsaft aus Früchten des Stadtgutes Görlitz, vergoren mit Weißbierhefe, wird Cider hergestellt. „Wir sind selbst gespannt, was uns noch einfallen wird“, machen die Beiden Lust aufs Probieren ihrer Kreationen.

Zu erreichen ist die „Bierblume“ in der Schanze 24 unter Tel. 0163 2692112 oder Mail [email protected]