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Ermäßigt

Junge und Alte können nun dank eines Wahlgeschenks Tschechien günstig mit Zug und Bus entdecken – auch Deutsche.

Von Petra Laurin

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Nur sieben Kronen (etwa 30 Cent) zahlen Rentner oder Studenten für eine Zugfahrkarte von Liberec nach Hrádek n. N. (Grottau). Bis zu 75 Prozent Rabatt erhalten diese Altersgruppen seit September landesweit in Tschechien – dank eines Wahlkampfgeschenks der Regierung. „Von der Maßnahme profitieren natürlich auch Ausländer. Sie brauchen nur einen Studentenausweis oder Reisepass als Altersnachweis“, sagt die Frau an der Ticketkasse im Liberecer Bahnhof. Die Ermäßigungen gelten auch im öffentlichen Nahverkehr und im Stadtverkehr in allen Städten des benachbarten Landkreises, also in Liberec, Jablonec, Ceská Lípa und Semily sowie für alle Inlandsverbindungen für Busse und Züge der 2. Klasse. Für die Strecke Zittau–Hrádek gelten die Ermäßigungen demnach nicht, weil das Fahrten mit Start oder Ziel in Deutschland sind. Die Strecke von Varnsdorf (Warnsdorf) nach Hrádek, wo der Transitverkehr über deutsches Gebiet geht, wird aber wie Binnenverkehr in Tschechien behandelt. Für deutsche Touristen lohnt es sich also, in Hrádek oder Varnsdorf eine neue Fahrkarte zu kaufen. Wer sich außerdem noch die Opuscard (elektronische Karte für Reisen in der Region Liberec) besorgt, bekommt weitere Nachlässe. Von Liberec über Zittau nach Varnsdorf fährt man dann für nur 16 Kronen (60 Cent). Und von der Grenze nach Prag, oder von Prag nach Aussig für rund 1,50 Euro.

Kräftige Rabatte gab es im tschechischen Fernverkehr schon früher. Kinder zwischen sechs und 15 Jahren zahlten die Hälfte des Preises, Studenten bis 26 Jahre erhielten vor der neuen Maßnahme 25 Prozent Ermäßigung. Rentner hatten hingegen bislang keinerlei Rabatt, es sei denn, sie besaßen eine Bahnkarte. Seit September gilt für alle automatisch ein Nachlass von 75 Prozent. Die großzügige Regelung wird vom Staat bezahlt. Jährlich sollen ihn die Rabatte circa 5,8 Milliarden Kronen kosten, rund 230 Millionen Euro. Regierungschef Andrej Babiš von der populistischen ANO-Bewegung sagte, er habe das Geld dafür an anderer Stelle eingespart. Von der Opposition wurde er dafür scharf kritisiert.

Inspirieren ließ sich die tschechische Regierung in der Slowakei, wo die damalige Regierung 2015 beschloss, dass Rentner, Studenten und Kinder einen vollen Rabatt in Zügen 2. Klasse bekommen und umsonst reisen können. Die Maßnahme betraf jeden fünften Slowaken. Ergebnis waren jedoch heillos überfüllte Züge, und die Menschen mussten dann oft teure 1. Klasse-Tickets kaufen, um überhaupt an ihr Ziel zu kommen. Die Befürchtungen gibt es nun auch in Tschechien. Das Interesse für Reisen mit öffentlichen Verkehrsmittel stieg durch die neue Maßnahme außerdem nicht bedeutend, hat vor kurzem eine Analyse festgestellt.

Eigentlich sollten die Rabatte im Nachbarland bereits ab Sommer gelten. Der Termin wurde aber offiziell auf Wunsch der Landkreise verschoben, damit sie Zeit haben, auch für den Nahverkehr ähnliche Rabatte ein zu führen. Die beide Grenzregionen Liberec und Ústí machten es, und die Regelung gilt für alle Verkehrsmittel im Tarifverbund Idol (Kreis Liberec) und DÚK (Ústí nad Labem).

Die Region Liberec organisierte für Dutzende Mitarbeiter von Verkehrsunternehmen Schulungen, damit diese Reisende bei der Auswahl der preiswerten Fahrkarten beraten können. Für Euro-Neisse-Tageskarten kann man die neue Regelung übrigens nicht nutzen.