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Ermittler kennen Bombenbauer von Bonn

Es hätte eine Katastrophe werden können. Im Fall des gescheiterten Bombenanschlags verfolgen die Ermittler nun eine heiße Spur. Sie führt in ein Zentrum des deutschen Dschihadismus.

Nach dem gescheiterten Bombenanschlag am Bonner Hauptbahnhof haben die Ermittler Medienberichten zufolge mindestens einen weiteren Tatverdächtigen identifiziert. Dieser soll Verbindungen zum islamistischen Terrornetzwerk Al-Qaida haben. Insgesamt geht die Bundesanwaltschaft von mindestens drei Verdächtigen aus. Der Westdeutsche Rundfunk hatte am Sonnabend gemeldet, als Tatverdächtiger sei ein Al-Qaida-Verbindungsmann aus dem rheinischen Langenfeld identifiziert worden. Allerdings sei unklar, ob er zur Tatzeit am Bonner Hauptbahnhof gewesen sei. Er wäre ein dritter Verdächtiger neben den bereits bekannten Männern – einem dunkel- und einem hellhäutigen –, die zur Tatzeit im Bahnhof gesehen beziehungsweise gefilmt wurden.

Die Bundesanwaltschaft hatte am Freitag die Ermittlungen übernommen. Sie sprach von einem Anfangsverdacht gegen jenen dunkelhäutigen Mann, der die Tasche am vergangenen Montag laut Zeugenaussagen am Bahnsteig abgestellt hatte. Dieser habe „Verbindungen in radikal-islamistische Kreise“. Laut „Frankfurter Allgemeiner Sonntagszeitung“ rechnen ihn die Ermittler der Bonner islamistischen Szene zu. Ihr sollen auch zahlreiche islamistische Kämpfer, die in den vergangenen Jahren in das afghanisch-pakistanische Grenzgebiet reisten und sich dort islamistischen Terrorgruppen anschlossen, stammen. Der Zeitung zufolge soll der Dunkelhäutige Verbindungen zu Leuten im Ausland haben, die dem Terrornetzwerk Al-Qaida nahestehen. Der „Spiegel“ benannte ihn als in den in Bonn lebenden Somalier Omar D., den die Ermittler nach dem Anschlagsversuch bereits festgenommen hatten, aber später freiließen – möglicherweise mangels Beweisen.

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Bereits 2008 soll er zusammen mit seinem Freund Abdirazak B. auf dem Flughafen Köln-Bonn abgeführt worden sein, weil beide – so hieß es damals – auf dem Weg in ein Terror-Ausbildungslager gewesen seien. Sein Anwalt bestreitet eine Verbindung zur Tat. Laut „Spiegel“ ist wohl auch der hellhäutige Mann, der in einer McDonald’s-Filiale des Bahnhofs gefilmt wurde, den Ermittlern namentlich bekannt.

Bombe wurde gezündet

Der Sprengsatz wurde wahrscheinlich ausgelöst, soll aber wegen einer Fehlkonstruktion nicht explodiert sein. Ermittler des Landeskriminalamts Nordrhein-Westfalen berichteten, die Bombe sei gezündet worden, aber wegen eines Baufehlers nicht detoniert. Statt eines „Boosters“, eines Sprengsatzverstärkers hätten die Bombenbauer den Draht einer Glühbirne benutzt. Dadurch war die Zündung nicht stark genug, um die Bombe zur Explosion zu bringen. Die Batterien, die in der Tasche gefunden worden seien, hätten allerdings einen niedrigen Ladestand gehabt, was darauf hinweise, dass die Zündung erfolgt sei. Zudem seien Schmauchspuren in den Resten der Tasche gefunden worden.

Unterdessen streiten Bahn und Bundespolizei, wer zu verantworten hat, dass vom Bonner Bahnsteig zur Zeit des Anschlagsversuchs keine Aufzeichnungen existieren. Die Bahn hatte ihn zwar teilweise per Video beobachtet, aber keine Bilder aufgezeichnet. „Die Bundespolizei entscheidet, welche Kamerabilder gespeichert werden“, sagte ein Bahnsprecher. Für Bonn habe es allerdings keinen solchen Auftrag gegeben. Die Bundespolizei wies den Vorwurf zurück. Ein Sprecher kritisierte in der „Bild am Sonntag“, die Bahn sei nicht bereit, zusätzliche Aufzeichnungskapazitäten zu bezahlen. Am Bonner Hauptbahnhof gibt es der Zeitung zufolge sechs Überwachungskameras. Gleis 1 gilt allerdings als nicht überwacht. So mussten die Ermittler auf Aufnahmen der Videokamera einer nahegelegenen McDonald’s-Filiale zurückgreifen, die den hellhäutigen Verdächtigen gefilmt hatte.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) fordert nun die Ausweitung der Videoüberwachung. „Wir brauchen eine effiziente Videobeobachtung und Videoaufzeichnung auf öffentlichen Plätzen und Bahnhöfen“, sagte er dem „Spiegel“. Mit einer besseren Technik ließen sich „Gewalttäter abschrecken und geplante Anschläge aufklären“. Er verlangte, „die erforderliche Modernisierung der Videotechnik schnell voranzutreiben“.

Kritik an Abstimmung

Sein niedersächsischer Kollege Uwe Schünemann (CDU) sieht das ähnlich. „Auf Bahnhöfen ist dies flächendeckend erforderlich“, sagte er der „Welt am Sonntag“. Der Innenausschuss-Vorsitzende im Bundestag, Wolfgang Bosbach (CDU), äußerte Unverständnis über die fehlenden Videoaufzeichnungen. „Art und Umfang der notwendigen Sicherheitsmaßnahmen sind zwischen der Bahn und der Bundespolizei abzustimmen“, sagte er der „Welt“. Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) warnte in der Zeitung vor einer Debatte über schärfere Gesetze. „Wir müssen unsere ganze Energie auf die Reform der Sicherheitsarchitektur konzentrieren. Ihrer Meinung nach solle lieber dafür gesorgt werden, dass Bomben die Bahnhöfe gar nicht erreichen. (dpa)