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Erneut Einsturz an den Bautzener Bürgerhäusern

An der Rückseite brach ein Teil des Treppenhauses weg. Der Eigentümer will nun rasch für Sicherheit sorgen.

© Uwe Soeder

Von Marleen Hollenbach

Bautzen. Vor zwölf Jahren brach mit einem lauten Krachen ein Teil der Hinterhäuser in sich zusammen. Nun hat es an den barocken Bürgerhäusern erneut gerumpelt. Wie die Stadt jetzt bestätigt, gab es am Donnerstag einen Teileinsturz. Wer sich die Rückseite der Gebäude anschaut, sieht das Unglück auf den ersten Blick. Ein Teil des Treppenhauses fehlt. Große Löcher sind entstanden, Steine liegen am Boden.

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Die Stadtverwaltung reagierte prompt. Um Passanten und Autofahrer zu schützen, wurde bereits am Donnerstagnachmittag ein Teil der Inneren Lauenstraße gesperrt. Dass diese drastische Maßnahme wirklich nötig ist, stellt der Eigentümer infrage, sagt dann aber auch: „Man muss sich eben immer absichern.“ Auch sei er nicht derjenige, der darüber zu entscheiden hat, meint Kasselmann. Überraschend kommt der Teileinsturz für den Unternehmer aus Paderborn aber nicht. Schon im vergangenen Jahr, als Kasselmann die Hinterhäuser abreißen ließ, habe er auch das marode Treppenhaus wegnehmen wollen. Der Denkmalschutz sei damit aber nicht einverstanden gewesen, so der Eigentümer. „Ich habe damals schon gesagt, dass es nicht möglich ist, diesen Teil abzusichern“, erklärt er. Kommende Woche will er an der Rückseite der Häuser nun Rückbaumaßnahmen durchführen lassen. „Das Dach ist aber stabil und muss nicht abgedeckt werden“, erklärt der Immobilienbesitzer. Wenn es nach Kasselmann geht, sollen die Sperrschilder an der Straße schnell wieder verschwinden. Schon nächste Woche möchte er ein Gerüst an die vordere Seite der Bürgerhäuser montieren lassen. Dann könne man die Straße wieder freigeben.

Dass ein Gerüst helfen würde, bestätigt André Wucht. Seitens der Stadt gehe man davon aus, dass der Eigentümer jetzt schnell handelt. Mit dem Gerüst sei es tatsächlich möglich, die Innere Lauenstraße für Autofahrer wieder zu öffnen. Eines weist Wucht aber entschieden zurück. Keinesfalls sei es übertrieben, die Straße jetzt zu sperren, betont er. „Es besteht aktuell die Gefahr, dass Dachziegel herunterfallen können“, so der Stadtsprecher. Fachleute hätten sich das Objekt nach dem Teileinsturz angesehen und festgestellt, dass jetzt die Dachstühle der Häuser nicht mehr den Halt haben, den sie haben müssten. Die Innere Lauenstraße ist derzeit zwischen der Schulstraße und der Kesselstraße für Autofahrer komplett gesperrt. Damit entfällt eine wichtige Strecke Richtung Innenstadt. Alternativ ist die Zufahrt in die Altstadt ausschließlich über die Wendische Straße möglich. Aus der Altstadt hinaus gelangen Autofahrer über die Straße Am Schülertor, die Hintere Reichenstraße und über die Kesselstraße. Fußgänger kommen an den Sperrschildern vorbei. Sie können den Weg auf der gegenüberliegenden Seite der Bürgerhäuser nutzen.

Auch wenn die Sperrschilder schnell verschwinden, eine Dauerlösung kann das Gerüst nicht sein. Das weiß auch Thomas Kasselmann. Er betont, dass die barocken Bürgerhäuser im kommenden Jahr auf jeden Fall saniert werden. Er selbst sei finanzstark genug, um das Projekt fortzusetzen. Es könnte aber auch sein, dass ein anderer Investor die Sanierung übernimmt, stellt Kasselmann in Aussicht. Diese Entscheidung sei noch nicht gefallen. Fest stehe aber, dass die Bautzener Bürgerhäuser erhalten bleiben. Im vergangenen Jahr hatte der Eigentümer zudem angekündigt, einen Neubau hinter den Bürgerhäusern zu errichten. Auch diese Pläne hätten nach wie vor Bestand, so Kasselmann.

Der Unternehmer war vor Jahren angetreten, die barocken Häuser für mehrere Millionen Euro zu sanieren. Ursprünglich sollten 36 Wohnungen und zwei Geschäfte entstehen. Doch kurz nach dem Beginn der Bauarbeiten kam es im Mai 2006 zum Einsturz eines Gebäudeteils im hinteren Bereich. Auf den Knall folgte jahrelanger Stillstand. Im vergangenen Jahr ließ der Eigentümer dann doch die Bagger rollen. Um eine Sanierung ging es aber nicht. Die Hinterhäuser waren inzwischen so marode, dass die Stadt den Besitzer aufforderte, diese zu sichern oder abzureißen. Kasselmann entschied sich für die zweite Variante.

Statt der Bauleute betraten in den vergangenen Jahren etliche Gutachter die Häuser. Sie sammelten Beweise. Derweil stritten vor Gericht die Beteiligten darüber, wer für den Einsturz verantwortlich ist. Bis heute beschäftigt der Fall die Richter. Der Streit zwischen dem Eigentümer der Häuser und der Baufirma Strabag dauert an. Es geht um Schadensersatzforderungen in Millionenhöhe. „Dass es nach wie vor kein Urteil gibt, kann ich einfach nicht verstehen“, erklärt Kasselmann. Der Termin für die Urteilsverkündung war zuletzt immer wieder verschoben worden.